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Schwimmende Solarmodule: Pilotanlage soll 60 Prozent mehr Strom erzeugen

Solarparks auf dem Wasser werden immer beliebter, gerade in dicht besiedelten Regionen. Kein Wunder, dass nach etwa der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan Seen als geeignete Aufstellorte für grüne Energieanlagen auserkoren wurden.

Doch schwimmende Photovoltaikanlagen haben noch einen zweiten Vorteil, den jetzt das Startup Sunfloat aus Dänemark ausnutzen will: Das Wasser reflektiert weitere Sonnenstrahlen. Entsprechende Anlagen können 25 bis 30 Prozent mehr Energie umsetzen als auf dem Land.

Vor Kurzem eröffnete Sunfloat die Pilotanlage Zogrunn im niederländischen Groningen, die diesen Wert noch überbieten soll: Die Stromproduktion könnte bis zu 60 Prozent über der von vorherrschenden Systemen liegen. Möglich soll das nicht nur durch die Reflexion der Wasseroberfläche sein, sondern auch durch Module, die sich nach der Sonne ausrichten.

Trotz erhöhter Installationskosten wollen die Entwickler so einen geringeren Kilowattpreis als bei Festlandanlagen erreichen. Zusätzlich sollen die Solarmodule mobil sein und sich somit einfach versetzen lassen.

Ideal für Ballungsräume nahe Wasserflächen

In Dänemark gibt es an dieser Technologie deshalb großes Interesse, da viele Ballungsräume in der Nähe von Wasserflächen liegen. Doch das Sunfloat-Team sieht durchaus auch einen großen, globalen Markt für Wassersolarmodule, beispielsweise liegen viele Großstädte an Flüssen.

Kritiker von schwimmenden Solaranlagen merken allerdings an, dass die Module einerseits die Gewässer beschatten und so einen Einfluss auf Wasserpflanzen haben und andererseits Angler, Boote und Schwimmer behindern können. Sunfloat betont wohl genau deshalb, dass die Anlagen damit vor allem für städtische Wasserflächen in Frage kommen, die weder wirtschaftlich, noch ökologisch sonderlich wertvoll sind.

Ob sich die Technologie durchsetzen wird, hängt von den Kosten der Anlagen ab. Für die Pilotanlage Zogrunn brauchte es Subventionen – bald sollen die Anlagen nun weltweit ohne große Mehrkosten schwimmen.

Wie die schwimmenden Anlagen aussehen, zeigt dieses Video:

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Open Island: Eine schwimmende Recyclinginsel in Berlin

Berlin, Spreeufer, die Sonne geht bald unter. Viele freuen sich auf ihren Feierabend und ein kühles Getränk mit Blick auf den Fluss, für Joy Lohmann fängt die Arbeit allerdings erst an. Er baut eine Insel.

Joy Lohmann ist Teil einer Gruppe, die sich “Maker” nennt. Also “Macher”. Die Macher bauen aus Abfall sieben Schwimmkörper, die miteinander kombiniert eine urbane Insel entstehen lassen sollen. Deren Name ist Open Island.

Neben dem Spaß am Handwerk hat das Projekt aber auch einen ernsten Hintergrund. Durch den weltweit steigenden Meeresspiegel und versinkende Inseln wird die Forschung an künstlichen Inseln immer interessanter.

Zwar gibt es viele Entwürfe, von schwimmenden Häusern über schwimmende Städte bis hin zu schwimmenden Hochhausfarmen, doch die Open-Island-Bewegung kritisiert deren Kosten und Planung „von oben“. Es wird nur ein kleiner Teil der betroffenen Menschen sein, die sich solche Lösungen leisten können, sagt Lohmann etwa.

Keine Insel für Eliten

Die “Macher” wollen die Bedürfnisse und Wünsche aller Betroffenen einzubeziehen. Deshalb ist das Open-Island-Konzept explizit offen gestaltet: Jeder kann sich beteiligen. Aus diesem Grund sind die Baupläne auch ausnahmslos open-source verfügbar, also quelloffen und kostenfrei herunterladbar.

Um viele Menschen zu erreichen, lädt das Berliner Open-Island-Team alle Interessierten ein, die Insel mitzubauen. Oder einen der Workshops zu besuchen, die das Team (ohne finanzielle Unterstützung von außerhalb) organisiert. Auch die Schwimmkörper für die Insel werden mit sehr geringen Materialkosten hergestellt.

„Ich arbeite sehr gern ohne Geld”, sagt Lohmann dazu. “Die Zeit, die man bräuchte, um Anträge für Fördertöpfe zu schreiben, steht in keinem Verhältnis zur Unterstützung.“ Außerdem gehe es um „Inhalte, statt um Geld und Profit“, so der idealistische Bastler.

Eine Insel – viele Ideen für eine Verwendung

Dennoch haben die Open-Island-Macher viele Ideen, was Unternehmen oder andere Organisationen mit den Inseln künftig anstellen könnten. So könnten solche günstig und dezentral hergestellten Inseln bei Überschwemmungen als Rettungsinseln dienen. Auch für den Anbau von Nahrung über und unter Wasser wäre die Insel geeignet, meinen sie.

Gerade diese Verwendungsmöglichkeiten motivierten die erste Urban-Island-Gruppe, die in den letzten drei Jahren das Konzept in Indien entwickelte. Dort wurde Anfang 2015 das erste Open-Island beim indischen „Makerfest“ in Ahmedabad vorgestellt. Weitere Gruppen gibt es außerdem in Seattle und Rio de Janeiro.

Neben der praktischen Anwendung soll die Insel aber auch Platz für das Zusammenkommen von vielen Menschen sein, Platz für Kunst und Kultur bieten. Passenderweise wird das deutsche Open-Island erstmalig beim Kunstfestival 48Std. Neukölln in Berlin zusammengesetzt.

Am Ende des Jahres gehen dann die einzelnen Schwimmkörper zurück zu den jeweiligen Organisationen und Partnern, die sie gebaut haben – so zum Beispiel zu einer Schule.

Nicht mehr benötigte Schwimmkörper gehen in den – inzwischen gefluteten – Kohletagebau Ferropolis in Sachsen-Anhalt. Da die Kohleverfeuerung ihren Teil zum ansteigenden Meeresspiegel beigetragen hat kein ganz unironisches Ende für die schwimmenden Inseln.

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Upcycling: Sieben Ideen für Urlaub, Balkon und Ferienhaus

Der Sommer bringt häufig eine schlechte Umweltbilanz mit sich: Mittelstreckenflug und Barbecue verursachen schon genug schlechtes Gewissen. Gut, dass die Upcycling-Welt auch Ideen für den Sommer bereithält.

Im Unterschied zum Recycling werden beim Upcycling die Materialien nicht in die Ursprungs-Komponenten zerlegt, um daraus neue Produkte zu produzieren. Stattdessen wird das alte Material direkt umgearbeitet. So ist der Energieaufwand in der Regel nochmals geringer als bei recycelten Produkten.

Der Arbeitsaufwand hingegen ist oft hoch, gerade für Unternehmen. Denn entsorgte Materialien sind selten komplett gleich. Es braucht eine ganze Menge Handarbeit. Dafür erzählen die hergestellten Taschen, Lampen oder Schränke oder ganz eigene Geschichten.

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Zweite Chance für LKW-Planen (freitag.ch).

Haltbare Taschen aus LKW-Planen
Die aus LKW-Planen gefertigten freitag-Taschen sind fast schon Klassiker unter den Upcyclingprodukten. Immerhin 350 Planen pro Jahr verarbeitet das Schweizer Unternehmen inzwischen. Inzwischen ebenfalls im Sortiment: komplett kompostierbare Kleidung.

 

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Popartästhetik aus alten Plakaten (yeayea.de).

Lampenschirme aus alten Plakaten
Wer in einer großen Stadt lebt, kennt die dicken Schichten von Plakaten an vielen Wänden. Kinofilme, Rockkonzerte oder Flohmärkte suchen auf diesem Weg nach Publikum. Für die Leipziger Designer Franz Gabel und Johannes Heinzmann ist das ein wichtiger Rohstoff, und zwar für schicke, individuelle Lampenschirme. Sie lösen die Plakate ab, zerlegen sie in dünne Schichten und fertigen daraus eine Collage im Schirm-Format. Alternativ haben die Leipziger Upcycler unter dem Namen YEA YEA auch Lampenschirme aus alten CDs und Gürtel aus abgefahrenen Fahrradreifen im Angebot.

 

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Leuchten im Dunkeln: Lampenhocker. (statthocker.de).

Hocker aus Lampenschirmen
In Leipzig sind also Lampenschirme das Produkt von Upcycling – in Bielefeld hingegen sind sie der Rohstoff. Dort wurden zahlreiche, alte, städtische Lampenschirme demontiert. Viel zu schade zum Wegwerfen, dachte sich der Produktdesigner Oliver Bahr und fertigt nun unter dem Namen statthocker Sitzmöbel und Lampenkörper daraus an. Als kleines Extra leuchtet aus dem Hocker eine LED-Lampe.

 

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Regal aus kombinierbaren Einzelteilen (zweitsinn.de).

Möbelrecycling in großem Stile
Der Werkhof Hagen gründete die Initiative Zweitsinn, die sich dem Möbelrecycling verschrieben hat. Das Team um Thomas Herzog bietet Herstellern und Designern eine Plattform zur Vermarktung ihrer Upcyclingprodukte. Noch verheizen Müllverbrennungsanlagen hunderttausende Tonnen Holzsperrmüll, ein kleiner Teil wird allenfalls geschreddert und zu Holzspanplatten gepresst. Wer die Althölzer direkt verwendet, soll pro Kilogramm fast 350 Gramm CO2 einsparen. Weiterer Vorteil: Schadstoffe wie Formaldehyd dürften bei den alten Möbeln längst ausgedunstet sein.

 

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jug

Schlichte Kanne aus einer alten Flasche (jesper-jensen.com).

Gläser aus alten Weinflaschen
Der Däne und Neuberliner Jesper Jensen hingegen widmet sich als ausgebildeter Glasbläser lieber alten Weinflaschen. Er sammelt diese ein, erhitzt, verformt und schleift die alten Flaschen in die Form neuer Gläser. Becher, Kannen oder Vasen entstehen so in seinem Studio. Die lassen sich zwar nicht ineinander stapeln, dafür aber durch die Wölbungen leichter greifen.

 

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bag

Tasche – Sicherheitsanweisungen inklusive (bag-to-life.com).

Taschen aus Fallschirmseide
Das Unternehmen Bag to life produziert Taschen aus reißfester Fallschirmseide und Rettungswesten. Tausende ausrangierte Westen verarbeitet das Team um Kerstin Rank pro Jahr. Besonders stolz sind sie auf ihre hundertprozentige Upcyclingquote. Sie verarbeiten wirklich alles von einer Weste – Anhänger der Reißleine kommen an den Reißverschluss, Mundstücke dienen als Stiftehalter, selbst die Trillerpfeife kommt an die Tasche. Die Taschengurte schließlich fertigen sie aus ausrangierten Flugzeuggurten.

 

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Der sogenannte

Der sogenannte “Messenger” von Sag+Sal. (pinterest.com/sagsalberlin/)

Taschen aus Druckereiabfällen
Die Drucktechniker Andjelko Artic und Rupert Jensch fanden die stabilen Drucktücher ihrer Arbeit zu schade um sie wegzuwerfen. Die Tücher bestehen aus Vollgummi, kompressiblem Gummi und mehreren Lagen Gewebe – ideal um mehr zu können, als nur im Offset-Druck die Farbe auf das Papier zu übertragen. Sie entwickelten schließlich die Sag+Sal-Rucksäcke und Taschen die besonders robust sein sollen. Um möglichst viele Materialien zu upcyclen, nutzen sie Gurtbänder aus der Möbelindustrie als Trageriemen.

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Das Tiffin-Projekt: Mit altem Büchsen-Konzept gegen Fast-Food-Verpackung

Die Kohle hat wohl kaum eine Zukunft – ein kleines Zubehör der Kumpels aber vielleicht schon: Um für die harte Arbeite gewappnet zu sein, war es üblich, deftige Mahlzeiten in sogenannten „Henkelmännern“ unter Tage zu nehmen. Diese „Henkelmänner“ waren Blechbüchsen, teilweise mit mehreren Fächern, in denen die Grubenarbeiter ihre warme Mahlzeit aufbewahrten.

Was früher in Deutschland und heute in Ländern wie Indien immer noch verbreitet ist, nämlich das Essen in Blechbüchsen mitzunehmen, will das “Tiffin”-Projekt zurückbringen. Mustafa Demirtas, der Kopf dahinter, suchte für seine Kinder eine Brotdose, die frei von Weichmachern sein sollte. Als er dann den Film „The Lunchbox“ schaute, in dem die Edelstahlbox eine wichtige Rolle spielte, war ihm klar: Das Wunschbehältnis sollte mehrteilig sein und aus Edelstahl bestehen.

Metallbehälter: kleine Lösung, große Wirkung

Zusammen mit seinem vierköpfigen Team gründete er schließlich die Tiffin-Initiative. Sie blieben bei dem “indischen” Aufbau mit mehreren Fächern, damit sich Reis, Soße, Hühnchen oder Gemüse nicht vermischen. Sie modernisierten das Design und entwickelten somit die die Tiffin-Box.

Die nicht nur für Privatkunden gedacht ist: Restaurants sollen die Büchsen direkt per Leihsystem ausgeben können. Ziel ist es, dass mehr und mehr Take-away-Restaurants auf wiederverwertbare Verpackungen setzen. Um die Investitionskosten für dieses Projekt mitzufinanzieren, setzen die Jungunternehmer auf eine Crowdfundingkampagne.

Ähnliche Ideen gibt es bereits

Ein ambitionierter Plan, so viele Restaurants von dem Mehrwegsystem zu überzeugen, dass es sich für alle Beteiligten lohnt. Es gibt aber immer mehr Menschen, die versuchen, weniger Plastikmüll zu produzieren. Dementsprechend gibt es auch mehr und mehr Unternehmen, welche die Idee von dem Mehrwegsystem für Restaurants umzusetzen versuchen. In Seattle, Bristol, Vancouver und der Schweiz gibt es bereits ähnliche Projekte.

Wird sich die Tiffin-Box nun auch in Deutschland durchsetzen? Laut dem Startup gab es bereits mehrere Restaurants, die Interesse angemeldet haben. In Berlin soll demnächst der erste Praxistest anstehen. Ob das die große Masse an Verpackungsmüll eindämmen kann, bleibt fraglich. Aber Gutes entsteht ja im Kleinen.

Der Grund für das Anwachsen der Einwegverpackungen ist wohl in erster Linie die Bequemlichkeit der Restaurant- oder Imbisskunden. Viele kaufen ihre Mahlzeit spontan und würden wohl keinen Behälter nach der Mahlzeit zurückzubringen oder kaufen wollen. Für Angestellte aber, die regelmäßig in der Nähe ihres Arbeitsplatzes auswärts essen und ihre Speisen mitbringen, könnte das Tiffin-Projekt eine echte Alternative sein. Gerade wenn zahlreiche unterschiedliche Restaurants teilnehmen, könnte sich das System durchsetzen.

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TTIP: So ändert das Freihandelsabkommen unsere Umweltstandards

Abgeschottete Verhandlungen, Gerüchte als einzige Informationsquelle: Die TTIP-Verhandlungen stehen nicht zuletzt wegen ihrer Intransparenz in der Kritik. Das Freihandelsabkommen ist ein Projekt von Politik und Wirtschaft, mindestens 2,3 Millionen EU-Bürger würden gegen TTIP stimmen – wenn sie es denn dürften.

Jenseits von der Debatte um Schiedsgerichte und Chlorhühnchen hat das Abkommen auch handfeste Auswirkungen auf den allgemeinen Umweltschutz und die Green Economy. Genau diesen Einfluss haben Andreas Burger und Astrid Matthey nun mit einem Positionspapier des Umweltbundesamtes eingeordnet.

Allgemein zusammengefasst: Mit TTIP sollen Handelsbarrieren wegfallen und Standards, die sich zwischen den USA und der EU unterscheiden, durch sogenannte regulatorische Kooperationen vereinheitlicht werden. Doch gerade die Umweltregulierung sind in den USA und der EU teils sehr unterschiedlich.

Diese Regulierungen und Gesetze sind es aber, die die Green Economy maßgeblich beeinflussen. In manchen Bereichen, wie zum Beispiel bei den Anforderungen an die Energieeffizienz von Elektromotoren, einigen Luftqualitäts- und Abgasstandards, sind die beispielsweise die US-Regeln anspruchsvoller. In vielen anderen Fällen sind hingegen die EU-Standards strenger.

Das Umweltbundesamt listet dazu einige Beispiele:

  • Fracking
    Während in Deutschland die Regulierung von Bergbauaktivitäten durch das vergleichsweise strenge Wasserhaushaltsgesetz organisiert wird, ist es ungleich einfacher, in den USA Genehmigungen für die Schiefergasförderung zu erlangen.
  • Nanomaterialien
    Hier unterscheiden sich sogar die Definitionen von “Nanomaterial” – würde die engere, US-amerikanische Definition hierzulande gelten, würden die Auswirkungen vieler Materialien schlichtweg nicht mehr untersucht werden. Dabei halten viele Forscher (und Privatpersonen) den Einfluss von Nanopartikeln auf Mensch und Umwelt auch in der EU nicht für ausreichend untersucht.
  • Pflanzenschutzmittel und Biozide
    Im Gegensatz zu den USA sind in der EU sowohl toxische, bioakkumulierbare, sich also im Körper anreichernde, als auch erbgutverändernde und fortpflanzungsschädigende Stoffe verboten.
  • Chemikalienrückstände in Futtermitteln
    Hier sind die EU-Grenzwerte strenger. Als man 2012 in europäischem Futtermais das Schimmelpilzgift Aflatoxin B entdeckte, war dieser für den europäischen Markt nicht mehr zugelassen – konnte aber noch als Futtermittel in die USA verschifft werden.

Schon die Herangehensweise an Umweltschutz unterscheidet sich fundamental: In Europa gilt das Vorsorgeprinzip, das heißt, für alle Stoffe muss vor Verwendung nachgewiesen sein, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht. Auf der anderen Seite des Atlantiks hingegen gilt das Risikoprinzip – ein Stoff wird dort so lange als ungefährlich angesehen, bis das Gegenteil nachweisbar ist. Das beschleunigt die Marktreife von Produkten, erhöht aber auch das Risiko für Verbraucher. So wird vieles, was in den USA schnell zugelassen, verkauft und weiterentwickelt wird, in Europa noch untersucht.

“Standard-Dumping” durch TTIP wäre gefährlich

Einigen sich die Unterhändler nun auf den „kleinsten gemeinsame Nenner“, also die niedrigsten Umweltauflagen, wäre das ein trauriges Ergebnis für Konsumenten und Umwelt gleichermaßen – Chemikalienrückstände in der Nahrung und Tierfutter beispielsweise dürften dann häufer zu finden sein.

Aber auch für die europäische Wirtschaft, gerade die Green Economy, könnte das ‘Standard-Dumping’ nachteilig sein. Anspruchsvolle Umweltstandards motivieren Unternehmen oft dazu, effizient und schadstoffarm zu arbeiten. Inzwischen sind diese Effizienztechnologien ein Wettbewerbsvorteil und Exportgut der EU-Länder.

Ebenfalls geplant ist, dass US-Handelspartner noch vor dem EU-Parlament und der europäischen Zivilgesellschaft über EU-Gesetzesvorhaben erfahren müssen. Keine gute Aussichten für Umweltschutzgesetze. Doch das Umweltbundesamt erinnert auch daran, dass TTIP eine Chance auf gemeinsame, ambitionierte Umweltstandards sein kann.

Dann darf sich das Abkommen aber nicht den Interessen von Investoren unterordnen. Was die europäische Handhabung mit Gefahrstoffen angeht, so meint Astrid Matthey vom Umweltbundesamt etwa, dass es “außerordentlich wichtig ist, dass das Vorsorgeprinzip weder im Rahmen der TTIP-Verhandlungen noch in der sich daran ggf. anschließenden Regulatorischen Kooperation aufgeweicht wird.” Nur, wer kann das im Blick behalten? Die Bevölkerung ist jedenfalls bei den Entscheidungen weitestgehend ausgeschlossen.

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Kennzahl-Fundgrube: Suchmaschine für grüne Indikatoren erleichtert wissenschaftliche Arbeit

Wenn Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, Wissenschaftler oder Politiker das „Ergrünen der Wirtschaft oder Gesellschaft“ mit Indikatoren messen wollen, haben sie ein Problem: Es gibt unzählige mögliche Indikatoren.

Sie heißen “Anteil regenerativer Energien am Strommix”, “Ressourcen- oder Energieverbrauch pro Kopf” oder einfach “Bruttoinlandsprodukt” es gibt tausende Möglichkeiten, die nachhaltige Entwicklung eines Landes zu messen. Wissenschaftler sprechen bereits von einer „Indikatorenindustrie“.

Wie soll man da nur den Überblick behalten?

Die Europäische Union finanziert nun das Projekt Network for Green Economy Indicators (NetGreen), um alle wichtigen Indikatoren für die grüne Wirtschaft zu sammeln und vor allem zu veröffentlichen. Etwa zwei Jahre sammelten sechs Forschungsinstitute unter Leitung des Berliner Ecologic Instituts über 2000 Indikatoren und sortierten daraus die Wichtigsten heraus.

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Die Indikatoren-Suchmaschine "Measuring Progress" (Screenshot)

Die Indikatoren-Suchmaschine “Measuring Progress” (Screenshot)

Ergebnis der aufwendigen Arbeit ist eine interaktive Suchmaschine, mit der die Benutzer die für ihre Zwecke passenden Indikatoren finden können.

Unser Autor Marius Hasenheit hat als Junior Researcher für das Ecologic Institut an diesem Projekt mitgearbeitet. Wie die Indikatoren-Suchmaschine bei Ihren Nutzern ankommt, hat er Katharina Stepping vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) gefragt. Die Umweltökonomin nutzt Indikatoren in ihrer täglichen Arbeit. Hier das Gespräch:

Hasenheit: “Inwiefern ist die ‚Green Economy‘ oder grüne Wirtschaft überhaupt wichtig für die Entwicklungspolitik?”
Stepping: Der steigende Ressourcenverbrauch, der üblicherweise mit steigendem Wirtschaftswachstum einhergeht, stellt die Welt schon derzeit vor eine Herausforderung. Wenn sich daran nicht grundlegend etwas ändert, werden sich Probleme wie Umweltdegradierung, Verlust von Biodiversität und Klimawandel nur verschlimmern. Insofern spielt die grüne Wirtschaft für alle Länder eine zentrale Rolle, wenn gleichzeitig Wachstum, Entwicklung und Umweltschutz verfolgt werden sollen.

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Katharina Stepping vom DIE (Foto: Barbara Frommann)

Katharina Stepping vom DIE (Foto: Barbara Frommann)

Welche Länder des Globalen Südens wären denn Beispiele aktiver Länder in Sachen ‚Green Economy‘?
Da gibt es viele Beispiele, zum Beispiel Kambodscha in Asien oder Äthiopien in Afrika.

Welche Indikatoren zeigen, dass diese Staaten eigene ‚Green Economy‘-Strategien haben?
Äthiopien legt in seiner grünen Wachstumsstrategie einen sehr engen Fokus auf den Klimawandel, insbesondere auf die Vermeidung von Treibhausgasen. In Kambodscha geht es hingegen um den Zugang zu Schlüsselressourcen, beziehungsweise öffentliche Dienstleistungen. Zum Beispiel sollen Wasser und Sanitärversorgung allen Menschen in Kambodscha zugänglich sein.

Und wie nutzt Ihnen die Indikatorensuchmaschine in Ihrer Arbeit?
In zweierlei Weise. Erstens hilft sie dabei, sich einen Überblick über mögliche Indikatoren zu verschaffen, mit denen man grünes Wachstum messen kann. Zweitens dient sie auch als Fundgrube, um passende Indikatoren für andere Fragestellungen zu finden, zum Beispiel im Bereich Umwelt. Ich benötige regelmäßig passende Indikatoren für meine empirischen Analysen. Wer schon einmal welche gesucht hat, weiß, wie dankbar man für eine Hilfestellung bei der Suche ist.

Was sind denn die Vorteile der Suchmaschine?

An dem Tool schätze ich besonders, dass die Indikatoren zusammengetragen wurden, übersichtlich dargestellt und vergleichbar miteinander sind. Ich kann einerseits geeignet erscheinende Indikatoren sehr leicht miteinander vergleichen, weil alle nach den gleichen Kriterien aufbereitet wurden. Andererseits, ganz wie in einem Onlineshop, lassen sich Indikatoren auswählen und in eine Art digitalen Einkaufskorb legen. Die Kategorien erlauben außerdem eine Quersuche nach verschiedenen Kriterien wie Datenquelle, Erhebungszeitraum oder Aggregationsniveau.

Was sind die Schwächen des Tools?

Leider kann man die Indikatoren in der Schlüsselwortsuche bisher nur mit festen Stichwörtern suchen – das kann natürlich die Suche einschränken. Eine weitere Schwäche scheint mir, dass die Informationen zu den Indikatoren teilweise zu unspezifisch und manchmal wiederum zu genau sind – je nach Kenntnisstand des Nutzers.

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Envopark: Gewerbegebiet in grün

Gewerbeparks waren bislang nicht immer ökologische Vorzeigeprojekte: Versiegelte Flächen an Stadträndern, die wegen ihrer billigen Isolierung auch noch aufwendig geheizt werden. Dass man auch bei Gewerbegebieten auf Ökologie achten kann, ohne dass die Ökonomie zu kurz kommt, wollen Mark-Oliver und Alfred Maigré zeigen.

Vater und Sohn konzipieren den envopark Berlin Brandenburg, den nach eigener Darstellung ersten nachhaltigen Gewerbepark in Deutschland.

Herzstück ist die Energieversorgung: Großflächige Photovoltaikanlagen, ein Blockheizkraftwerk, LED-Beleuchtung, eine Elektrotankstelle, eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage und Anhänger-Sharing sollen fossile Brennstoffe so gut wie überflüssig machen.

Zudem reduziere das die Kosten: Im Vergleich zu einem ähnlichen Gewerbepark spare man bis zu 72 Prozent der Kosten für die Hallenbeleuchtung und 45 Prozent der Heizenergie ein. Zudem vermeide man bis zu 30 Tonnen CO2 pro Jahr.

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Das Energiekonzept von envopark (blog.econeers.de)

Zwei Gewerbeparkhallen sind bereits fertig. Den Betreibern steht ein maximales Investitionsvolumen von 1.350.000 Euro zur Verfügung. 250.000 Euro fehlen um die Hallen komplett zu refinanzieren. Die wollen sie nun über Crowdinvesting einspielen.

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Vater und Sohn sind das Gründerteam von envopark. (Foto: envopark.de)

Vater und Sohn sind das Gründerteam von envopark. (Foto: envopark.de)

Um die Investoren anzulocken, versprechen sie sowohl eine feste jährliche Verzinsung als auch einen Bonuszins für den produzierten Öko-Strom.

Bei zwei Hallen soll es jedoch nicht bleiben. Ziel ist es auch eine dritte Halle auf dem Gelände bei Berlin zu bauen. Dafür werden immerhin 950.000 Euro gebraucht. Beruhigend mag für manche Anleger sein, dass es bereits erste Mieter für die Hallen gibt. Langfristig sollen außerdem ähnlich gebaute Hallen in Hamburg oder Düsseldorf hinzukommen.

Hinter dem envopark steht die PEGA Treuhand GmbH, die es bereits seit 2005 Immobilienprojekte entwickelt. Damit unterscheidet sie sich von vielen anderen Unternehmen, die ihre Gründung oder erste Produktpalette per Crowdfunding finanziert. Die Kampagne läuft über die Plattform Econeers, die sich explizit auf Investmentangebote im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz konzentriert.

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Das Nest – Hier kommt der Bauplan für das eigene Tiny House

Minihäuser, sogenannte Tiny Houses, sind mit ihrem niedrigen ökologischen Fußabdruck, hoher Lebensqualität und modernem Design in aller Munde. Ob auf Rädern, im Postauto, Schiffs- oder Müllcontainer: Seit einigen Jahren gibt es immer wieder neue Ideen, in welcher Form es sich gut auf kleinstem Raum leben lässt. Manche dieser Häuser sind nur neun Quadratmeter groß – wie die des Unternehmens Nomad, welches die Tiny Houses ab 20.000 Euro verkauft.

Sparsamer, eventuell spaßiger, aber definitiv lehrreicher ist es aber, ein solches Tiny House selber zu bauen. Tiny-House-Enthusiasten können nun noch wenige Tage Wieder Wild bei ihrer Crowdfundingkampagne für ‘Nest’ unterstützen und selber an einem Workshop zum Tiny-House-Bau teilnehmen.

Das Team von Wieder Wild hat mit ‘Nest’ einen Prototypen für ein Tiny House entwickelt, welcher aus hölzernen Grundbausteinen besteht. Mit diesen rechteckigen Grundmodulen, Sperrholzplatten und natürlichem Dämmstoff lässt sich das kleine Haus bauen.

Die Entwickler versprechen, dass sich die einzelnen Module ganz einfach kombinieren lassen. Ein Vorteil dieser Bauweise ist, dass sich das Haus nach Belieben ausbauen oder verkleinern lässt.

Dass die modulare Bautechnik simpel umzusetzen ist, wollen die Tiny-House-Pioniere mit einem Workshop in dem Berliner Urban-Gardening-Projekt Prinzessinnengärten demonstrieren. Alle Teilnehmer sind außerdem eingeladen, das Tiny House selber nachzubauen. Wieder Wild will damit die DIY-Bewegung und das Experimentieren mit modularer Bauweise befeuern. Die Kosten für diesen ersten Workshop wollen sie durch die Crowdfundingkampagne abdecken.

Das Leben in einem minimalistischen Haus auf kleinster Wohnfläche scheint in den letzten Jahren immer mehr Menschen zu begeistern. In den USA ist die Tiny-House-Bewegung besonders stark, doch Deutschland holt auf. Einwenden lässt sich bei dieser Beobachtung jedoch, dass schon immer manche Menschen alternative Lebensformen in Bauwagen, sehr kleinen Wohnungen oder Häusern suchten und fanden.

Wie die alte Fangeneration des minimalistischen Lebens stößt nun auch die neue auf limitierende Regelungen. Schließlich ist in Deutschland das Einholen einer Baugenehmigung Pflicht – abhängig vom Bundesland kommen noch zusätzliche Regelungen hinzu.

All die Regelungen und Gesetze halten die neuen ‘Häuslebauer’ jedoch nicht ab. Gerade der Austausch mit anderen, die Abwechslung vom normalen Arbeitsalltag und die Suche nach Minimalismus in einer komplex scheinenden Welt werden der Tiny-House-Bewegung auch weiterhin Aufwind bescheren.

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Design für den Frühstückstisch: Lampenschirm aus Kaffeesatz

Es wird wohl am Kaffeeverbrauch von jungen Unternehmern liegen, dass manche von ihnen auf die verrücktesten Geschäftsideen rund um den leckeren Wachmacher kommen: Manche züchten Pilze auf Kaffeesatz, andere wollen mit Kaffeetassen Smartphones laden oder sogar die leidigen To-go-Becher umweltfreundlicher produzieren.

Auch der spanische Designer Raúl Laurí nimmt sich dem Kaffee an, und zwar dem übrig bleibenden Kaffeesatz. Jedoch züchtet er keine Pilze darauf, sondern fertig Lampenschirme daraus an. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Koji – Tischlampe aus Kaffeesatz (raullauri.com)

Der Herstellungsprozess sei dabei überraschend unaufwendig, sagt er selbst. Der Kaffeesatz wird mit natürlichem einfach Bindemittel vermischt – das genaue „Rezept“ ist patentiert und Produktionsgeheimnis.

Die daraus entstehende Masse presst Laurí unter Hitzeeinwirkung in eine Form. Der dadurch entstandene Lampenschirm soll haltbar sein, auch bei Wasserdampf und kleiner mechanischer Belastung. Deshalb dürfte die genaue Herstellung eben doch nicht ganz so einfach sein, wie es Laurí vermittelt.

Bestehen bleibt die grobe und natürliche Struktur des Kaffeepulvers. Und natürlich die Farbe – die wie zufällig hervorragend zu Holztönen passt. Deshalb verarbeitet Raúl Laurí viele Kaffee-Schirme auch zu richtigen Lampen verschiedener Art und Größen weiter.

Lampenschirme sind ein beliebtes Produkt für Recycling-Freunde. Wir berichteten bereits von Lampenschirmen aus Pilzmycel oder alten Straßenplakaten. Die alten Materialien geben dem Deko-Element eine ganz eigene Geschichte.

Ob der spanische Designer neben den Lampenschirmen bald nun andere Produkte aus Kaffee herstellt, wird sich zeigen – vielleicht denkt er gerade bei einer dampfenden Tasse darüber nach.

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Utopival: Der Kongress, der ohne Geld auskommt

„Was passiert, wenn wir den Fokus auf Geld weg lassen?“ Tobias Rosswog und seine Mitstreitern stellen sich diese Frage ganz praktisch. Sie organisieren nun zum zweiten Mal das Utopival, einen geldfreien Kongress für 130 Personen. Die Veranstaltung zeichnet sich dadurch aus, dass sie komplett auf finanzielle Hilfen beziehungsweise Anreize verzichtet.

So müssen die Besucher von Utopival keine Teilnehmerbeiträge zahlen, die Vortragenden erhalten keine Honorare. Auch für die Unterkünfte, die Mahlzeiten, den Strom und das Wasser fließt kein einziger Cent direkt. Stattdessen organisiert das achtköpfige Team die Dinge, die es für den Kongress benötigt, auf anderem Weg. Seit Dezember vergangenen Jahres fragte es etwa unzählige Lebensmittelproduzenten nach nicht mehr verkaufsfähigen Produkten. Sie sollen für das Catering verwendet werden. Übernachten werden die Teilnehmer, Organisatoren und Workshopleiter kostenfrei auf dem Findhof bei Köln.

Genügend Lebensmittel zu finden, war für Rosswog und sein Team dabei weniger herausfordernd als gedacht. Regelmäßig erhalten sie Großspenden für die Veranstaltung wie zum Beispiel eine Tonne Hafermilch, deren verbleibende Haltbarkeitszeit nicht den Richtlinien des Großhandels entspricht.

Rosswog betont, dass es nie festgelegte Gegenleistungen für die Schenkungen gebe. Die Organisatoren wollen nicht nur auf Geld verzichten, sondern sich komplett von dem Prinzip „Leistung gegen Gegenleistung“ verabschieden. Für sie soll der Kongress nicht nur Utopie auf Zeit sein, sondern Denkanstöße für ein „anderes Miteinander“ geben. Den Organisatoren schwebt eine Alternative vor, die selbst über die Kategorie Tauschwirtschaft hinausgeht und vielleicht am ehesten als besonders konsequente Form von „solidarischer Ökonomie“ beschrieben werden kann.

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Findhof

Findhof – die Location des Kongresses (utopival.org)

Das Versprechen, ein Stückchen Utopie zu leben, scheint auf großes Interesse zu stoßen. In nur einem Monat versuchten etwa 350 Interessierte, sich für das Utopival anzumelden. Wer die Veranstaltung besuchen will, konnte weder auf eine frühe Anmeldung noch auf ein ausgefeiltes Motivationsschreiben bauen. Das Utopival-Team will auf jegliche Auswahl verzichten und lost daher alle Teilnehmer aus. Vortragende wie der Architekt Van Bo Le-Mentzel, der mit seinen günstigen Möbeln zum Selberbauen und fairen Sneakern bekannt wurde, locken aber offenbar viele Interessierte an. Auch der Postwachstumsvertreter Niko Paech kommt zu dem Kongress.

Auch in ihrem persönlichem Leben versuchen Tobias Rosswog und Pia Damm, die ebenfalls Teil des Organisationsteams ist, ihre geldfreie Alternative zu leben (wir berichteten). Seit einigen Jahren leben sie komplett ohne Münzen und Scheine. Regelmäßig halten Vorträge zu ihrer Idee einer Ökonomie des Vertrauens, Postwachstum und nicht zuletzt ihrem ungewöhnlichen Lebensentwurf.

Es geht dem Organisationsteam nach eigenen Angaben aber nicht darum, das absolut geldfreie Leben als einzig wahren Weg darzustellen, sondern zu zeigen, dass weniger Geldabhängigkeit nicht zuletzt auch von Arbeit unabhängiger macht. Die Freizeit kann dann für Hobbys, Selbstversorgung und Engagement verwendet werden. Zudem erinnern Damm und Rosswog daran, dass – ökologisch gesehen – Dinge zu teilen und zu reparieren immer noch besser ist, als nachhaltig produzierte Konsumgüter zu kaufen.

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Zur Klimakonferenz: Open-Source-Treffen POC21 will grüne Innovationen schaffen

Wenn Ende des Jahres in Paris die UN-Klimakonferenz COP21 stattfindet, dann verhandeln dort nicht nur Politiker um die Nachfolge des Kyotoprotokolls. Es reisen auch einige Kreative und Bastler in die französische Hauptstadt, die zeigen wollen, wie Ökologie und Ökonomie der Zukunft aussehen könnten.

Sie treffen sich auf der Proof Of Concept 21 (POC21) Allgemeines Thema: zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaft. Konkret arbeiten etwa 100 Bastler, Designer, Ingenieure, Wissenschaftler und Jungunternehmer an Lösungen für unseren Ressourcenhunger, Emissionen und immer mehr Müll. Dazu haben sie sich etwa Ideen aus der Kreislaufwirtschaft, den nachhaltigen Energien und der Collaborative Economy angeschaut.

Entstanden sind Ideen für eine extrem sparsame Dusche, einen Solargenerator oder ein Windrad, dessen Materialien nur 30 Dollar kosten. Und das Erstaunliche daran ist: An den Innovationen will kein Start-up verdienen, die Bastler stellen ihre Baupläne der Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie sind Open-Source: Jeder kann die Pläne downloaden, umsetzen und weiterentwickeln.

Zwölf Projekte aus im Vorfeld eingereichten Ideen haben die Organisatoren der Plattformen QuiShare und OpenState schließlich ausgewählt, diese werden besonders im Fokus stehen. Drei davon haben wir uns einmal genauer angeschaut:

Showerloop – die Kreislauf-Dusche

Ein Sparwunder ist die Dusche showerloop des Projektteams looploop aus Finnland. Während eine normale Dusche in zehn Minuten bis zu 150 Liter Wasser und über drei Kilowattstunden verbraucht, sind es bei showerloop nur zehn Liter und 0,6 Kilowattstunden.

Das Energieersparnis der showerloop ist also enorm – mit dem gesparten Strom könnte man einen Laptop 100 Stunden lang aufladen. Möglich macht das eine konsequente Kreisführung des erwärmten Wassers: Nachdem dieses in den Abfluss läuft, wird es durch mehrere Filterstufen geführt und mit desinfizierenden UV-Strahlen bestrahlt. Das gereinigte Wasser ist laut looploop meist sogar sauberer als das normale Leitungswasser und kann dann sofort wieder als Duschwasser genutzt werden.

In diesem Video erklärt Jason Selvarajan von looploop die Dusche:

Die Kosten der Duschinstallation belaufen sich auf etwa 1.250 Euro. Diese Kosten sollen sich laut looploop (in diesem Fall mit den relativ niedrigen Wasser- und Energiekosten Finnlands) für eine vierköpfige Familie bereits nach zwei Jahren amortisieren.

SunZilla – das Sonnen-Monster

Auch ein Projekt aus Deutschland ist bei der POC21 vertreten. SunZilla aus Berlin überzeugte die Juroren mit ihrer Solaralternative zu gängigen Dieselgeneratoren. Die Idee kam ihnen durch ihr Engagement für Bootschaft e.V. Sie organisierten regelmäßig Kinoveranstaltungen auf einem Floß und benötigen dafür einen Generator.

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Vier der fünf Entwickler von SunZilla (sunzilla.de)

Jede “Floßkino”-Vorführung schluckte fünf Liter Benzin, um den für den Beamer nötigen Strom zu erzeugen. Sie überlegten schon länger wie eine umweltfreundliche Alternative aussehen könnte und kamen auf die Sonnenenergie. Für den Einsatz am Floß muss die Solaranlage jedoch genauso kompakt und leistungsstark wie ein handelsüblicher Generator sein.

Die zweite Version des Solargenerators ähnelt nun ein wenig einem Satelliten und ist ein echter Hingucker auf den Festivals die das Team in diesem Sommer besucht. Seine Stärken dürfte der mobile, kompakte Solargenerator allerdings nicht bei westlichen Kulturevents ausspielen, sondern in ländlichen Regionen oder Katastrophengebieten, wo Strom oft Mangelware ist.

SolarFlower – die Windturbine für 30 US-Dollar

Wir berichteten bereits über leistungsstarke Kleinwindanlagen, die sich nicht mehr im Erprobungsstadium befinden. Keine von ihnen ist aber auch nur ansatzweise so kostengünstig wie die der britischen Gruppe SolarFlower. Für nur 15 bis 30 Dollar lässt sich die kleine Windanlage aufbauen.

Zwei Bastler sollen die Anlage in nur sechs Stunden installieren können. Wie das gehen soll erklären sie Schritt für Schritt in ihrer Anleitung. Auch starke Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern soll die Anlage für die Stromproduktion nutzen können.

Bei sechs Schaufelrädern, einem knappen Meter Durchmesser, einer Anlagenhöhe von etwa einem Meter und einem Generator mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent, soll die Anlage bei einer Windgeschwindigkeit von 30 Kilometer in der Stunde immerhin 135 Watt produzieren.

Klingt alles zu gut um wahr zu sein? Vorerst leider ja: Bis die Serienreife erreicht ist und die internationalen Märkte erobert werden können, müssen noch einige Bedingungen erfüllt, Details geändert und Probleme beseitigt werden. Da hilft nur eins: ausprobieren, verbessern und sich über neue Ideen austauschen. Die POC21 will dazu der richtige Ort werden.

 

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Stuhl, Lampe, Tisch – diese Möbel werden angepflanzt

Warum eigentlich noch Bäume fällen, zersägen und zu Möbeln zusammensetzen, wenn man Tisch und Stuhl auch direkt anbauen kann? Diese Frage stellte sich der Brite Gavin Munro – und er fand für sich keine befriedigende Antwort. Also hat er ein Unternehmen gegründet und lässt Holz für seine Full-Grown-Möbel nun gleich in der Form von Stühlen, Lampen oder Tischen wachsen.

Dazu pflanzt er Eschen, Weiden, Platanen, Eichen, Kirsch- und Wildapfelbäume und biegt deren Äste entlang von Plastikschablonen. Außerdem gibt er den Ästen nicht nur die richtige Richtung vor, sondern lässt sie untereinander ebenfalls zusammenwachsen, damit sie stabil genug für den Einsatz als Sitzgelegenheit oder Küchentisch werden – „natürlicher 3D-Druck“ nennt er sein Verfahren.

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Ein gewachsener Stuhl (fullgrown.co.uk).

Nicht zuletzt will er so Ressourcen einsparen. Schließlich wachsen die Bäume für die Möbelproduktion oftmals 40 bis 50 Jahre in Monokulturen. Wenn die Bäume dann gefällt werden, müssen sie zersägt und transportiert werden. Des Weiteren entsteht bei der Möbelproduktion selber Verschnitt, so dass nur ein Teil des Holzes letztendlich verbaut wird. Nach Munros Rechnung verbrauchen seine Möbel aufgrund der effizienteren Produktionsweise nur ein Viertel der CO2-Emissionen herkömmlicher Modelle. Außerdem ist illegal geschlagenes Holz bei den geformten Möbeln unnütz.

Munro ist bei weitem nicht der Erste mit dieser Idee

Bereits vor Jahrtausenden sollen Griechen und Ägypter Stühle angepflanzt haben. Im alten China  gruben historische Designer gar Löcher, legten stuhlförmige Steine hinein und pflanzten Bäume auf diese Stellen. Die Wurzeln wanden sich dann um den Stein und bildeten so den späteren Stuhl. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit gibt es Beispiele wie den amerikanischen Bauern und Banker John Krubsack, der 1904 Stühle anbaute. Die brauchten allerdings noch 11 Jahre bis zur „Ernte“. Heute sind vor allem Peter Cook, Becky Northey, sowie Christopher Cattle für ihre gepflanzten Möbel bekannt. Besonders Cattle machte mit seiner Online-Anleitung für das Pflanzen eines Hockers auf sich aufmerksam.

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Noch wachsende Stühle (fullgrown.co.uk).

Munro unterscheidet sich mit seinen Full-Grown-Möbeln allerdings dahin gehend von seinen Konkurrenten, dass er das Möbelpflanzen im großen Stil aufziehen will.  Im Herbst dieses Jahres will er bereits die erste „Möbelernte“ einfahren, die Premieren-Lampen und -Spiegelrahmen sollen im kommenden Frühjahr erhältlich sein. Der Großteil der ersten Stühle soll jedoch erst 2017 in den Handel kommen – immerhin brauchen die in Form gebrachten Bäumchen bis zu acht Jahre, um stabil zu sein. Hinzu kommt eine gewisse Zeit um das Holz zu trocknen, bei einem Stuhl ist dafür immerhin etwa ein Jahr nötig.

Wer nun denkt, das Geschäftsmodell bestehe darin, einmal gepflanzten Bäumen beim Wachsen beziehungsweise Trocknen zuzuschauen, liegt falsch. Während der gesamten Wachstumsphase muss sich das Full-Grown-Team um die Form der Bäume kümmern – das heißt die Mitarbeiter müssen die Äste justieren, fixieren und wenn nötig beschneiden.

Nicht zuletzt die arbeitsintensive Herstellung macht die gewachsenen Möbel zu teuren Einrichtungsgegenständen. Munro ruft Preise von mehreren tausend Pfund pro Stuhl auf – das macht sie eher zu Designerstücken, als zu einer wirklichen Alternative zu konventionellen Sitzgelegenheiten. Doch das soll sich, laut Gavin Munro, eines Tages ändern. Zudem seien die Möbel um ein Vielfaches günstiger, wenn sie vorbestellt würden, betont er.

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Jedes wachsende Möbelstück braucht eine Form – hier aus Plastik (fullgrown.co.uk).

Aber: Zerstören die Plastikschablonen die Umweltbilanz des Möbelpflanzers?

Munro sagt, dass sie die Plastikformen, die den Bäumchen die Möbelform geben, so oft wie möglich verwendet werden. Zusätzlich nutze Full Grown ausschließlich Solarenergie und Komposttoiletten für den Betrieb ihres kleinen Unternehmens. Das Team hat einen jährlichen Energieverbrauch errechnet, der der achtstündigen Nutzung von acht 60 Watt-Lampen entspricht.

Können Landwirte und Waldbesitzer mit dieser Idee Tischler werden?

Nicht ganz – in Deutschland ist die Herstellung von Möbeln ein geschütztes Handwerk und setzt einen Meisterbrief pro Betrieb voraus. Auch ist der Aufwand für eine größere Produktion nicht zu unterschätzen. Wer jedoch aber Spaß hat, Bonsaibäumchen auf dem Fensterbrett in die gewünschte Form zu bringen, kann es ja vielleicht mal mit einem „Möbelbäumchen“ im Garten probieren.

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Selbst gebaut, selbst versorgt: Das Öko-Haus “Earthship” landet

Ein ungewöhnliches Gebäude, das Earthship, soll bald bei Crailsheim „landen“. Die Organisation Earthship Biotecture will das Passivhaus aus recycelten oder natürlichen Materialien bauen und dabei möglichst unabhängig von Strom-, Gas- und Wassernetz bleiben.

„Stellt euch ein Haus vor, das sich selbst beheizt, sein Wasser liefert, Essen produziert”, wirbt Gründer Michael Reynolds für das Gebäude. “Es braucht keine teure Technologie, recycelt seinen eigenen Abfall, hat seine eigenen Energiequellen. Es kann überall und von jedem gebaut werden, aus Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft.“

Das Earthship Tempelhof auf dem Grund der Stiftung Schloss Tempelhof bei Crailsheim wird das erste Earthship in Deutschland. Mit eigener Solaranlage, einem Regenwasserkollektor und Thermalmasse als Baumaterial, die Wärme speichern soll. Batterien sorgen auch nachts für Strom. Ein Grauwassernetz versorgt ein eigenes Gewächshaus.

Das Haus soll aber auch „soziale und ökologische Skulptur und Experimentierraum“ werden. Dafür wollen die 28 künftigen Bewohner sorgen. So wird es beispielsweise Workshops geben – beginnend mit dem Bau selbst, bei dem jeder mithelfen kann. Denn die Organisatoren haben sich zum Ziel gesetzt alles mit eigenen Händen zu errichten.

Das Zentrum des Earthships soll ein Gemeinschaftsraum aus lehmverputzten Altreifenwänden sein, während Jurten und Bauwagen persönliche Rückzugsorte für die Bewohner bieten sollen.

Bei der Umsetzung hilft der Architekt Ralf Müller vom Lehrstuhl für Bauphysik der Uni Stuttgart in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut. Man wolle mit ökologischen Bauweisen experimentieren, so die Organisatoren – die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen beim Bau der nächsten Earthships helfen. Und werden deshalb unter Creative-Commons-License veröffentlicht.

Über 600 dieser Häuser wurden bereits weltweit gebaut – viele von ihnen in den USA, aber auch im globalen Süden finden sich Häuser nach dem Earthship-Prinzip. In Deutschland ist das Earthship Tempelhof das Erste seiner Art.

Bisher scheiterte das Konzept an den hiesigen baurechtlichen Vorschriften. Gerade die Nutzung von Altreifen für die Konstruktion der Hauswände stieß auf Barrieren bezüglich Brandschutz und gesundheitlicher Vorschriften. Auch deshalb waren Frisch- und Abwasseranschlüsse eine Voraussetzung. Das macht das Haus natürlich nicht mehr ganz autark – aber sonst hätte es keine Baugenehmigung gegeben. Diese haben die Behörden aber mittlerweile erteilt.

Die Kosten des Earthship Tempelhof belaufen sich auf 298.500 Euro – wesentlich mehr Geld, als man es bei den verwendeten Materialien erwarten würde. Das Team listet die Kosten auf ihrer Homepage auf, inbegriffen sind etwa auch die Planungskosten und der Innenausbau. 203.000 Euro konnten die Organisatoren bereits zusammentragen – größtenteils durch Genossenschaftsanteile.

Für die restlichen 95.500 Euro starteten sie einen Spendenaufruf – ein Teil der Summe kam bereits zusammen. Auch Materialspenden, wie Altreifen und Glasflaschen nehmen die baldigen Bewohner des Earthships gerne an.

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Grillen ohne Regenwaldholz: Worauf Sie bei der Kohle achten sollten

Die Grillsaison erreicht ihren Zenit und auch dieses Jahr werden Händler wieder etwa 230.000 Tonnen Holzkohle nach Deutschland importieren. Denn nur ein kleiner Anteil der Briketts stammt tatsächlich aus der Bundesrepublik. Ein Großteil der Kohle kommt gewöhnlich aus Osteuropa oder aus Südamerika. Doch gerade, wenn die Briketts aus Ländern wie Paraguay und Argentinien stammen, bekommt der Grillabend einen schalen Beigeschmack: In Südamerika müssen Tropenwälder für den Grillgenuss hierzulande weichen.

Herstellerangaben wie „kein Tropenholz“ oder Siegel wie die des Forest Stewardship Council (FSC) oder des Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC), die Holz und Papier aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern auszeichnen, können zwar ein Hinweis sein.

„Made in Germany“ ist keine Garantie

Allerdings sollten Verbraucher den Angaben nicht blind vertrauen. In vielen Fällen wiesen sowohl Ökotest als auch verschiedene Journalisten mithilfe von Laboren Regenwaldholz in der angeblich nachhaltigen Kohle nach. Oft konnten die Hersteller außerdem keine FSC-Nachweise vorlegen. Meistens gibt es auf den Kohlepackungen aber ohnehin weder Siegel noch Angaben über den Ursprung des Holzes.

Auch der Abdruck „Made in Germany“ oder deutsche Herstelleradressen auf der Verpackung bedeuten nicht, dass das Unternehmen die Kohle nicht aus Regenwaldholz hergestellt hat. Für dieses Prädikat reicht, dass das Heizmaterial in Deutschland abgefüllt wurde. Irreführend ist auch die Bezeichnung „mineralischen Ursprungs“, die oftmals bedeutet, dass Braunkohle als Rohstoff diente. Bei dessen Verbrennung entsteht besonders viel Kohlendioxid und Schwefeldioxid. Für einen klimafreundlichen Grillabend sind also auch diese Briketts nicht zu empfehlen.

Werben mit dem Tropenholz

Einige wenige Hersteller brüsten sich sogar mit der Verwendung von tropischen Harthölzern wie dem Quebracho-Baum, da manche Grillfans auf deren Rauchgeschmack schwören. Das Problem: Für diesen Geschmack wird der berühmte Chaco-Wald in Argentinien abgeholzt. Zwar sind Viehzucht und Sojaanbau die Hauptantriebe für die Rodung, doch die Holzkohleproduktion bietet eine attraktive Nebeneinkunft und finanziert das Abholzen.

Inzwischen ist die Baumart gar so selten geworden, dass sie auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN steht. Das Grillen unterstützt im schlechtesten Fall die Rodungen zweifach: durch die Nachfrage des Fleisches und der Kohle. Immerhin kann der umweltbewusste Grillfan die Briketts im Fall, dass offen mit dem Quebracho-Baumg eworben wird, meiden.

Doch insgesamt bleibt es schwierig, ohne Spuren des Regenwaldes in der Holzkohle das Fleisch zu garen. Wir zeigen ein paar Alternativen, mit denen es trotzdem gelingen kann:

Heimische Holzkohle
Es gibt noch einige Kohleproduzenten, die vor allem auf die Verkohlung von heimischer Buche setzen. Zu nennen wären da zum Beispiel proFagus oder die teurere Kohle-Manufaktur.

Kohle aus Kokosnussschalen
Kokosnussschalen um den halben Globus zu transportieren, um bei uns damit Feuer zu machen, mag zunächst abwegig klingen, zumal der Transport nicht gerade ökologisch sein dürfte. Aber immerhin handelt es sich bei den Schalen um ein reines Abfallprodukt, wie die Hersteller betonen, und dieses hat obendrein einen drei- bis viermal höheren Brennwert als herkömmliche Holzkohle. Den Produzenten zufolge verbrennt das Kokosmaterial zudem funkenfrei und ohne Schwefelemissionen. An den Transportemissionen ändert das natürlich nichts.

Bambuskohle
Nicht nur Kokosnussschalen werden für die Grillsaison nach Deutschland verschifft, auch Bambus wird weit transportiert, um hierzulande verbrannt zu werden. Bei der Bambuskohle werben die Hersteller ebenfalls mit der hohen Brenndauer und den guten Brenneigenschaften. Bambuskohle trifft es allerdings streng genommen nicht wirklich. Der Bambus wird gehäckselt, getrocknet und in Form gepresst. Es handelt sich also eher um Bambusbriketts.

Woher allerdings der Bambus stammt, ist eine andere Frage. Zwar wächst der Rohstoff sehr schnell nach. Ob jedoch bei einer großen Nachfrage auch ursprüngliche Bambuswälder gerodet werden, schreiben die Hersteller nicht.

Olio Bric – Kohle aus Olivenkernen
Das Frankfurter Unternehmen OlioBric verarbeitet statt Holz Olivenkerne zu Kohle. Dabei greift der Hersteller vor allem auf Reste der zweiten Olivenölpressung an griechischen Standorten zurück. In der Produktion nutzt das Unternehmen ausschließlich ungiftige, biologisch abbaubare Schmierstoffe und führt das verwendete Wasser nach eigenen Angaben in den Kreislauf zurück. Auch kooperiert das Unternehmen mit dem Umwelt- und Naturschutzverband Nabu, welcher die Holzkohle ausdrücklich empfiehlt. Für die Oliverkohle sind die Transportwege schon etwas kürzer – verglichen mit dem Bambus, der Kokosnussschale oder dem Großteil des Holzes der anderen Hersteller. Ganz ohne Emissionen kommt aber auf dieser Brennstoff nicht aus.

Nicht nur Kohle macht den CO2-Fußabdruck beim Grillen aus

Unabhängig von der verwendeten Kohle schlagen der Grill und das Grillgut selber ökologisch allerdings schwer zu Buche. Denn die Verbrennung verursacht Kohlenstoffdioxid. Klimafreundlichere Alternativen bieten daher auch Gas- und Stromgriller oder gar Solaralternativen. Gerade unter den Solargrills gibt es spannende Ansätze: Manche von ihnen sind besonders handlich und aufpumpbar, andere funktionieren sogar im Dunkeln.

In der Gesamtbilanz entscheidet aber nicht, womit wir grillen, sondern was auf dem Grill liegt. Laut Umweltbundesamt werden etwa 95 Prozent der klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut produziert. Gerade Rindfleisch besitzt einen großen Rucksack an Emissionen und Ressourcen. Hier hilft der Gemüsespieß.

Ein Grill ruiniert den eigenen CO2-Fußabdruck aber selbst bei klimafreundlichem Essen: der Einweggrill. Dessen Umweltbilanz lässt alle anderen Kaufentscheidungen unbedeutend aussehen.

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E-Bikes für alle: Motorkit verwandelt Fahrräder in Pedelecs

Die Fahrradfahrercommunity scheint sich in zwei Lager zu teilen: Die Einen schwören auf E-Bikes und betonen, dass sie damit wesentlich mehr Fahrrad fahren. Die Anderen bauen lieber auf ihre eigene Muskelkraft, bemängeln, dass die neue Technologie teilweise anfällig und teuer ist.

Dazwischen stehen all die Fahrradfahrer, die gerne für eine längere oder anstrengende Tour motorisiert unterwegs wären, aber weder viel Geld ausgeben, noch einen großen Aufwand mit dem Fahrradmotor haben wollen.

Eine Lösung dafür präsentiert das Start-up “go-e” aus dem österreichischen Kärnten. Hinter dem Jungunternehmen stehen der Hard- und Softwareentwickler Peter Pötzi, Initiator von go-e, und der Entwickler Frank Fox. Zusammen wollen sie den elektrischen Hilfsantrieb „ONwheel“ für Fahrräder auf den Markt bringen – einen Motor zum Anklemmen.

Dieser Pedelec-Motor ist gerade mal so groß wie eine Faust und nur 850 Gramm schwer. Dennoch bringt es der Hilfsantrieb laut Hersteller auf eine Leistung von bis zu 800 Watt – 250 Watt sind voreingestellt.

Schnell installierter Motor

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Die Gründer Frank Fox und Peter Pötzi haben einen anklemmbaren Motor für Fahrräder entwickelt. (Foto: go-e)

Die Gründer Frank Fox und Peter Pötzi (Foto: go-e)

Zunächst müssen eine Halterung und einige Sensoren installiert werden. Das soll aber nur fünf Minuten in Anspruch nehmen – auch wenn unerfahrene Hände am Werk sind.

Die Halterung für den „ONwheel“ Motor lässt sich beispielsweise anstelle des Ständers zwischen Hinterrad und Tretlager montieren. Viele Räder besitzen an dieser Stelle eine Montageplatte für den Fahrradständer. Gibt es stattdessen dort ein Querrohr, liefert go-e dazu eine eigene Halterung mit.

Motor und Akku, die am Rahmen befestigt werden, lassen sich dann je nach Lust und Laune hinzufügen oder abnehmen. Die Antriebswalze soll etwa 5000 bis 10.000 Kilometer halten, dann wird ein Ersatzkit fällig. Die Geräuschkulisse wiederum ist vom Reifenprofil des Fahrrads abhängig: Im Gegensatz zu Stadtfahrrädern kann es bei Mountainbikes also schon einmal etwas lauter werden. Wasser und Matsch sollen hingegen kein Problem sein.

Ungewöhnlicher Antrieb

Die Besonderheit des Motors ist, dass ein Walzenantrieb benutzt wird, um das Hinterrad zu bewegen. Die Walze bewegt das Rad direkt – das mag erst einmal für viele Radfahrer kurios wirken und dementsprechend gibt es auf der Homepage des Startups auch viele Fragen bezüglich der Haltbarkeit, Geräuschkulisse und Funktionalität bei Matsch und Nässe. Der Unternehmer Peter Pötzi gibt sich Zeit um dort auf die Bedenken einzugehen und sie zu entkräften.

Der Aufsatz macht die Elektrisierung des Fahrrads vergleichsweise preiswert: 600 Euro soll er kosten. Gängige E-Bikes sind unter 1000 Euro kaum zu haben.

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Der Profi braucht drei Minuten, um den Aufsatz zu montieren. (Quelle: go-e.bike)

Der Profi braucht drei Minuten, um den Aufsatz zu montieren. (Quelle: go-e.bike)

Natürlich kommt heutzutage keine innovative Produktidee ohne smarte Steuerung aus. Go-e bietet auch eine Smartphone App an, welche neben einer Fahrradkarte auch einen Überblick über Stromverbrauch und Geschwindigkeit anzeigt. Über die App können Radler auch die Motorleistung und Geschwindigkeit einstellen.

Das Konzept scheint zu überzeugen: Eine Crowdfundingkampagne auf Kickstarter ist für go-e ein voller Erfolg. 50.000 Euro waren als Crowdfundingziel anvisiert – nun sind bereits 260.000 Euro zusammen gekommen. Mit Kampagnenende werden nun die Produktion und ein weiterer Testlauf beginnen.

Im Oktober beginnt dann die erste Lieferung, und Anfang November die Serienproduktion, sowie die zweite Lieferung. Ab Januar 2016 sind dann eine kontinuierliche Serienproduktion, Lieferung und weitere Tests und Verbesserungen geplant.

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Bio-Blumenzwiebeln: Blütenpracht ohne Pestizide und Dünger

Der Sommer geht vorbei und viele werden nicht unbedingt den Rekordtemperaturen der Hitzewelle hinterher trauern, wohl aber der blühenden Natur. Wer es grün und blühend mag, greift besonders oft auf Blumenzwiebeln zurück um im Frühjahr so früh wie möglich Leben in Haus und Garten zu bringen. Sieht schön aus, ist aber ökologisch bedenklich.

Die Zwiebeln werden nämlich in der Regel mit Hilfe eines massiven Pestizid- und Kunstdüngereinsatzes angebaut. Manche Wissenschaftler und Bauern führen sowohl Bienensterben als auch eine nachteilige Bodenentwicklung auf den Einsatz dieser Mittel zurück.

Das Unternehmen Natural Bulbs möchte dem nun etwas entgegen setzen und verspricht „natürlich“ angebaute Blumenzwiebeln. Unter „natürlich angebaut“ versteht das Team des niederländischen Startups den Verzicht auf eben solche Kunstdünger und Pestizideinsatz.

Dafür kooperieren sie mit Züchtern, die stattdessen auf humusreichen Böden arbeiten. Die Blumenzwiebeln wachsen dadurch langsamer, sind aber laut der Hersteller auch besser gegen Schädlinge gerüstet.

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Die Blumenzwiebeln von Natural Bulbs sollen nicht nur in der Blütenphase insektenfreundlich sein.

Zudem arbeiten die zuliefernden Züchter nach dem Prinzip der Fruchtfolge. Die angebauten Pflanzen werden abgewechselt, was die Bodenregeneration unterstützt und die Biodiversität der Nützlinge im Boden stärkt. Diese wiederum halten viele Schädlinge in Schach.

Um eine Plattform für umweltschonend angebaute Blumenzwiebeln aufzubauen, setzte das Unternehmen auf Crowdfunding. Erfolgreich konnten sie die Fundingschwelle überschreiten und insgesamt 17.365 Euro sammeln. Nun steht dem Ausbau des deutschen Webshops nichts mehr im Wege. Wer im Frühjahr wieder Tulpen, Narzissen und Krokusse anpflanzen will, und auf umweltfreundliche Blumenzwiebeln setzen möchte, sollte sich diesen Onlineshop vormerken.

 

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ShiftPhone: Das erste faire Telefon aus Deutschland

Mit dem Fairphone kündigte sich vor zwei Jahren das erste faire Mobiltelefon an. Und begeisterte wohl vor allem deshalb, da sich ein Team an eine nahezu unmögliche Aufgabe machte: Auf dem Handymarkt den Preiskampf eingehen und trotzdem ein faires Gerät herzustellen.

Gelungen ist das immer noch nicht zu 100 Prozent, vor allem die Konfliktmetalle sind nur mühsam zu ersetzen. Branchengrößen wie Apple hat das Projekt aber auch gezeigt, in welche Richtung sich die Kundenwünsche künftig verschieben.

Seit einigen Monaten macht nun auch ein deutsches Unternehmen im Bereich fairer Elektronik von sich Reden. Das kleine Familienunternehmen ShiftPhone aus der Region Frankfurt am Main will ebenfalls faire, aber auch sehr günstige Handymodelle herstellen.

Das Unternehmen bietet Smartphones und Phablets (eine Mischung aus Smartphone und Tablet) mit unterschiedlichen technischen Ausstattungen an. Wie auch bei einem Fairphone, lässt sich das Shift-Gerät öffnen, und der Akku austauschen. Die Hülle ist mit standardisierten Schrauben verschlossen und das Unternehmen verzichtet auf unnötige Klebungen, um die Reperaturfähigkeit zu erhöhen. Wer das Gerät öffnet oder rootet, um beispielsweise Google-Dienste auszuschalten, behält dabei den Garantieanspruch. Außerdem bietet Shift wie auch Fairphone Tutorial-Videos und Ersatzteile für die Reparaturen an.

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Das Shift5 (Samrtphone) und Shift7 (Phablet).

Eine Besonderheit: Während Fairphone auf konfliktfreies Coltan setzt, mit dessen Abbau also keine bewaffneten Konflikte finanziert werden, kommt Shift laut Herstellerangabe gänzlich ohne Coltan aus.

Auch bei den Produktionsbedingungen will das Unternehmen hervorstellen: Mit Acht-Stunden-Tagen und überdurchschnittlicher Bezahlung. Damit wolle man sich von Foxconn (wo das iPhone gebaut wird), aber auch den Fairphone-Produktionsstätten absetzen.

Fairphone setzte allerdings auch nicht in erster Linie auf Verbesserungen in den Arbeitszeiten und dem Lohnniveau, sondern etablierte einen “Workers Fund”, der Geld beispielsweise für Weiterbildungsmaßnahmen und Arbeitsplatzsicherheit bereithält. Auch die Repräsentation und Mitbestimmung der Arbeiter waren Fairphone wichtiger.

Faire Arbeitsbedingungen

Wie Anbieter von fairen landwirtschaftlichen Produkten listet Shift die Kostenzusammensetzung seines Telefons, beziehungsweise die Verwendung des Umsatzes, auf. Die Hälfte des Geldes werde aufgebracht, um die Produktionskosten und den Transport zu decken. Ein Viertel veranschlagen die Entwicklungskosten, weitere sechs Prozent Projektabwicklung, Zertifizierungen  sowie Gewährleistungen – der Rest ist Steuer.

ShiftPhone-Gründer Carsten Waldeck sammelte auf der Crowdfundingplattform Startnext bereits Mitte vergangenen Jahres über 101.000 Euro ein, um das “Phablet” zu realisieren. Im Anschluss sammelte er noch einmal knapp 60.000 Euro, um das fünf Zoll große Smartphone umzusetzen. Inzwischen können die Smartphones und Phablets von ShiftPhone regulär über den Webshop für derzeit 222 Euro bestellt werden.

Doch auch wenn sich schon vieles gut anhört – eine transparente Lieferkette kann ShiftPhone noch nicht vorweisen. Das wäre, ein Jahr nach dem Crowdfunding, auch überraschend. Trotzdem muss Shift neben der technischen Weiterentwicklung auch die Transparenz im Blick behalten. Am Versprechen, ein faires Produkt zu unterstützen, werden die Kunden Shift nämlich zunehmend messen.

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Perspektivwechsel: Katalog zeigt Kunst zur Energiewende

Energiewende und Kunst – passt das überhaupt zusammen? Für die rund 400 Künstler, die sich im vergangenen Jahr beim Wettbewerb Energiewendekunst bewarben, ist das keine Frage: Mit über 1000 Werken bewarben sie sich um einen Platz in der gleichnamigen Ausstellung, die im Winter in Berlin stattfand und hunderte Besucher anlockte.

Energiewende, das hieß einmal: Optimismus, Tatendrang und Aufbruch. Und die gesamte Bevölkerung sollte beteiligt sein – schließlich ist die Energiewende eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Inzwischen scheint die Euphorie etwas verklungen zu sein. Politiker, Experten, Lobbyisten und Bürgerinitiativen streiten über die Strompreisentwicklung, Windturbinengeräusche und Stromtrassen.

Viele Interessierte an der Kunstausstellung zur Energiewende wollten sich vielleicht wieder mit dem Ausgangspunkt der Energiewende beschäftigen: dem Klimaschutz. Und zwar ohne Experten, Politiker oder Wissenschaftler, sondern aus einem kulturellen Blickwinkel.

Was nicht bedeutet, dass plötzlich Ölgemälde von Solarkollektoren an den Wänden hängen würden. Die Künstler beschäftigten sich viel kreativer, abstrakter und auch kritischer mit der Energiewende. Einige der Installationen oder Fotografien finden sich noch auf der Homepage. Kommende Woche erscheint dann der Katalog zu der Ausstellung. Eine kleine Auswahl der Kunstwerke präsentieren wir Ihnen jedoch bereits heute.

Das sind die eindrucksvollsten Werke der Künstler zur Energiewende:

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Die Installation ‘Like Ice In The Sunshine’ von Romina Farkas (Foto: Michael Dalksi)

Die Installation ‘Like Ice In The Sunshine’ von Romina Farkas (Foto: Svante Wellershoff)

In der Eingangshalle der Ausstellung summte und plätscherte es. Romina Farkas Installation ‘Like Ice In The Sunshine’ begrüßte die Besucher mit einer wirbelnden Bewegung von unzähligen, feinen Schläuchen, die Wasser aus einem Becken saugen und herab regnen lassen. Es gehe ihr um „die naiv anmutende Schönheit der Natur, gepaart mit einer technophilen Ästhetik“, schreibt Farkas in ihrer Beschreibung. Mit ihren zwei weiteren Kunstwerken belegte Farkas den mit 3000 Euro dotierten ersten Platz des Jurywettbewerbs. Damit räumte die 27-jährige Kunststudentin aus Hamburg den Hauptpreis der Ausstellung ab.

Subversive Kunst kritisiert Kohle

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Plakat von Vattenfalle (via http://vattenfalle.tumblr.com)

Subversiver ist die Kunst der Gruppe Vattenfalle. Anlässlich der zweiten Erörterung zum Planverfahren des neuen Tagebaus Welzow Süd II im Dezember 2013 überklebten die Künstler Plakate des Energieerzeugers Vattenfall. Darauf zu sehen ist ein Kind mit Asthma und dem sarkastischen Untertitel „Unsere Luft ist mir wichtig“. Adbusting heißt diese Art von Guerilla-Kunst.

Prozessoren heizen Ausstellungsraum

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Dieser Ofen heizt nicht mit Kohle, sondern mit 12 Prozessoren (Foto: Svante Wellershoff)

Dieser Ofen heizt nicht mit Kohle, sondern mit 12 Prozessoren (Foto: Svante Wellershoff)

Der dritte, mit 1000 Euro dotierte Preis ging an Roswitha Maul. Ihr Werk “ServIn-Ofen” ist eine drei Meter hohe Skulptur in Form eines historischen Kachelofens aus grünem Kunstharz. Im Inneren verbirgt die Künstlerin fünf Server mit zwölf Prozessoren, die durch ihre Tätigkeit so viel Abwärme abgeben, dass der Raum beheizt wird. Roswitha Maul verbindet die Ästhetik eines alten Ofens mit moderner Technik und thematisiert so den Energieverbrauch in Rechenzentren. Auf ihrer Homepage lässt sich die aktuelle Temperatur ablesen, die meist zwischen 40 und 50°C liegt. Eine Idee, die nicht nur auf Kunstobjekte beschränkt ist: Start-ups wie Nerdalize wollen tatsächlich mit Servern heizen.

Wenn die Sonne Stifte führt

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Malte die Werke an der Wand je nach Sonnenintensität: Solarbetriebene Zeichner von Rolf Behringer und Alexandra Centmayer.

Malte die Werke an der Wand: der solarbetriebene Zeichner von Rolf Behringer und Alexandra Centmayer. (Foto: Gerd Mittelberg)

Alexandra Centmayer und Rolf Behringer ließen für ihre Arbeit „Von der Sonne gezeichnet – From 8 to 6“ einen sonnenbetriebenen Roboter arbeiten: Stündlich zeichnete dieser, je nach Sonnenintensität, unterschiedliche Bilder. Die Bilderserie dokumentiert auf ganze eigene Weise den 7. September 2014 und lässt Rückschlüsse auf die jeweilige Lichtintensität zum Zeitpunkt der Zeichnung schließen. Auf dem ersten und letzten Bild sind daher nur vier schwarze Punkte erkennbar, da die Sonneneinstrahlung zu schwach war, um das vierfüßige Zeichengerät über das Papier zu bewegen. Bei den anderen Bildern hingegen malte das solarbetriebene Zeichengerät dynamische Strukturen. Centmayers und Behringers Arbeiten begeisterten die Besucher so sehr, dass die beiden schließlich den Publikumspreis gewinnen konnten.

Mühsame Energiegewinnung

Erstaunlich ist auch die Videoinstallation von Wolfgang Aichner und Thomas Huber (GÆG). In einem Video sieht man sie mit einem tragbaren Windrad durch Island wandern. Eine ganze Woche waren sie mit Windrädern auf dem Rücken unterwegs. Auf dem Video auf der gegenüber liegenden Seite schauen beide Künstler zwei Waschmaschinen zu. Die Maschinen liefen mit dem Strom, die sie mit Hilfe der tragbaren Windräder auf zwei Batterien speicherten. So zeigt GÆG auf ganz ungewöhnliche Weise, wie aufwendig Energieerzeugung ist.

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Grüne Technik: “Nager IT” baut die erste faire Computermaus

Es ist nicht einfach, elektronische Geräte fair herzustellen. Fairphone stieß dabei schon auf manche Grenzen, das Shiftphone muss sich noch unter Beweis stellen. Bei einer einfachen Computermaus sollte das einfacher sein – oder?

Im Gegensatz zu Smartphones besteht eine Computermaus aus einer übersichtlichen Anzahl von Bestandteilen. Neben dem Gehäuse wären da Widerstände, Kondensatoren, ein paar Schalter, ein LED-Licht, Kabel und ein Sensorchip. Diese Bestandteile aus Rohstoffen zu produzieren, deren Abbau keine Bürgerkriege finanziert, und zu fairen Löhnen zusammenbauen zu lassen, ist trotzdem nicht ganz einfach.

Schon seit 2009 arbeitet die studierte Geographin Susanne Jordan daran eine komplett faire Maus zu entwickeln. Dafür gründete sie den Verein Nager IT mit Sitz im oberbayrischen Bichl. Inzwischen sind zwölf Produktentwickler, Aktivisten und Kommunikationsprofis im sogenannten “Nagerteam“.

In der ersten Generation konnten sie die Maus zu zwei Dritteln fair produzieren. Das heißt, die meisten der Bestandteile wurden nachweisbar so hergestellt, dass Menschen dafür nicht ausgebeutet wurden oder Menschenrechtsverletzungen erleiden mussten. Ein nicht geringer Anteil des Gerätes stammt sogar aus Deutschland. Was die Lieferkette angeht, so setzt Nager IT mit einer großen Übersichtstafel auf absolute Transparenz.

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Keine Abstriche beim Aussehen: Die grüne LED der fairen Maus macht einiges her. (Foto: Nager IT)

Keine Abstriche beim Aussehen: Die grüne LED der fairen Maus macht einiges her. (Foto: Nager IT)

Auch bezüglich der Herausforderungen verschweigt das Team keine Details. So erklärt es etwa, wie schwierig es alleine ist, die Namen der “Vor-vor-Lieferanten” herauszufinden, um etwa die Rohstoff-Auswahl beeinflussen zu können. Die komplette Transparenz ist wichtig, will man jedes einzelne Glied der Lieferkette auf Fairness und Umweltfreundlichkeit überprüfen.

Sensor und Linse sind beispielsweise zwei Bauteile, bei denen auch Nager IT nicht ausschließen kann, dass die enthaltenen Rohstoffen unter zweifelhaften Bedingungen gefördert worden sind. Die Teile kommen von dem internationalen Konzern PixArt – woher dieser seine Materialien bezieht, sei noch nicht klar. Auch die Lieferketten für die Widerstände sind nicht komplett transparent – doch hier gibt es immerhin eine Zusicherung einiger Hersteller, dass sie keine Metalle aus Konfliktregionen im Kongo beziehen.

Bis eine komplette Transparenz geschaffen ist, will Nager IT den Differenzbetrag aus dem Preis für faire Rohstoffe und dem eigenen (günstigeren) Einkaufspreis an eine Nichtregierungsorganisation spenden, die sich am Abbauort für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzt.

Ständig weiterentwickelt

So ist die in ihrer Ausstattung recht spartanische Maus mit 30 Euro natürlich teurer, als manch Konkurrenzprodukt. Auch die Montage in Deutschland macht es nicht billiger – wobei Nager IT betont, dass die Ausschussmenge dadurch deutlich geringer sei, als bei einer Fernost-Fertigung.

Und die Maus entwickelt sich ständig weiter. So kommt in der aktuellen Generation ein Scrollrad aus Holz hinzu. Für das Gehäuse ist das Team von Nager IT noch auf der Suche nach der perfekten Lösung. Dazu befragte das Team Umweltinstitute, das Umweltbundesamt und Nichtregierungsorganisationen.

Das Zwischenergebnis laute: „Wenn Biokunststoff, dann bitte fair und ökologisch angebaut.“ Doch solch ein Biokunststoff ist schwer zu bekommen. Das bislang verbaute Bioplastik von Tecnaro aus Deutschland wird größtenteils aus Holzresten der europäischen Papierindustrie hergestellt und ist vollständig biologisch abbaubar.

Nager-IT kamen mit ihrer Maus weiter als die meisten anderen Projekte und Startups im Bereich “Fair Electronics” – doch das reicht ihnen noch nicht. Sie machen weiter bis sie mit ruhigem Gewissen sagen können: Diese Maus ist zu 100 Prozent fair und umweltfreundlich produziert.

Weiterlesen im Beitrag Grüne Technik: “Nager IT” baut die erste faire Computermaus

Berlins größtes Projekt: Die Hauptstadt will 2050 klimaneutral sein

Berlin wird konkret: Schon im vergangenen Jahr trat die Stadt der “Carbon Neutral Cities Alliance” bei; einem Netzwerk, in dem Städte wie London, Yokohama oder New York langfristig CO2-neutral werden wollen.

Nun gibt es auch eine konkrete Zahl: Die durch das Berliner Abgeordnetenhaus eingesetzte Enquete-Kommission „Neue Energie für Berlin“ hat Maßnahmen entwickelt, mit denen die Stadt ihr Ziel im Jahr 2050 erreichen könnte.

Eine klimaneutrale Stadt, in der es also keine Kohlenstoffdioxidemissionen gibt – wie ist das überhaupt möglich? Der erste Schritt soll der Ausstieg aus der CO2-intensiven Braunkohle sein. Dies sei schon 2020 möglich.

Im Jahr 2030 dürfte dann auch keine Energie mehr aus Steinkohle kommen. Das hieße, dass die Tage der drei Kohlenkraftwerke von Vattenfall gezählt wären. Immerhin eine elektrische Bruttoleistung von 1.000 Megawatt und Wärme von einer Leistung von 2.000 Megawatt.

Das will kompensiert werden. Dazu sollen neue, klimafreundlichere Gaskraftwerke gebaut werden. Der Vorteil dieser Gaskraftwerke ist, neben ihrer geringeren CO2-Emissionen, dass sie sich relativ kurzfristig an- und abgeschalten lassen. Gerade diese Flexibilität macht den Energieträger als Übergangstechnologie zu erneuerbaren Energiequellen so interessant.

Nur: Solche Gaskraftwerke gibt es bereits, etwa das im bayerischen Irsching, und sie laufen teilweise nicht einmal. Deshalb kündigte Eon bereits an, Irsching abzuschalten. Denn solange die abbezahlten Kohlemeiler laufen, produzieren sie den günstigeren Strom. Allerdings: Mit seiner Ankündigung setzte Eon die Regierung unter Zugzwang, so dass Gaskraftwerke bald per Gesetz rentabler werden könnten. Berlin wird genau hinschauen.

Regenerative Energien für Berlin

Und auf lange Sicht sollen ohnehin regenerativen Energiequellen, wie Geothermie, Solarthermie und Biomasse den Wärmebedarf und Photovoltaik und Windenergie den Strombedarf der Stadt decken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist noch einiges zu tun – gerade einmal knapp drei Prozent der Stromerzeugung werden momentan durch regenerative Energiequellen gedeckt. Auch wenn Berlin natürlich dankbarer Abnehmer für Windkraft aus Brandenburg ist.

Im besten Fall muss Berlin die Kohleenergie jedoch gar nicht kompensieren, sondern kann sie komplett einsparen – dafür ist die Energieeffizienz, insbesondere des Gebäudestandes, entscheidend. Die energetische Sanierung ist also ein Schlüsselfaktor für die Klimaziele Berlins. Momentan wird etwa ein Prozent der Berliner Gebäude energetisch saniert – diese Quote müsse man nun fast verdoppeln. Um zusätzlich für die Erneuerungen zu motivieren, wird inzwischen eine Art „Abwrackprämie“ für ineffiziente Ölheizungen diskutiert.

Wem gehören die Netze? Wie soll das Stadtwerk aussehen?

Während bei den Meilensteinen auf dem Weg zur CO2-neutralen Zukunft Einigkeit unter den politischen Parteien herrscht, gibt es noch Streit um das Stadtwerk und die Energienetze. Das Berliner Stadtwerk wurde 2014 gegründet. Während alle anderen Parteien für ein „Klimastadtwerk“ plädierte, welches eigene Ökostrom-Kraftwerke errichten sollte, sperrte sich die CDU dagegen.

Auch die Eigentumsfrage der Energienetze ist immer noch ein Streitthema. Seit einem geplatzten Bieterwettbewerb diskutiert der Senat über einen Einstieg des Landes und damit eine Rekommunalisierung der Netze, die bisher von Vattenfall und der Gasag betrieben werden.

In einer Stellungnahme in der  18. Sitzung der Enquete-Kommission erinnnerte Ina Richter, vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) aus Potsdam, an die Notwendigkeit, die Bürger Berlin am Umbau der Stadtversorgung zu beteiligen. Schließlich lasse sich das Ziel der Klimaneutralität nur mit, nicht gegen die Bürger erfüllen.

Ein sogenannter sozio-technischer Transformationsprozess stehe bevor. Das bedeutet: Nicht nur die Technologie muss vorhanden sein, auch die Lebensstile und Konsumgewohnheiten der Berliner müssen sich ändern. Das beginnt nun mit mehr Bürgerbeteiligung: Die Protokolle der Enquete-Kommission sind öffentlich zugänglich. Zusätzlich plädiert Ina Richter für mehr direkte Mitsprachemöglichkeiten.

An Aufgaben und Herausforderungen mangelt es also dem Senat und der Enquete-Kommission also nicht. Und auch ein gutes Vorbild gibt es bereits: Kopenhagen, ebenfalls im klimaneutralen Städtebund, will bereits im Jahr 2025 klimaneutral sein.

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