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Bonsum: Bonuspunkte für den nachhaltigen Einkauf

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Laut dem Umweltbundesamt ist der viel beschworene „Bio-Boom“ relativ zu sehen. Zwar weist der Markt der Bio-Produkte seit über 15 Jahren meist zweistellige Wachstumsraten auf, allerdings umfasst ihr Anteil am Lebensmittelmarkt trotzdem nur etwa vier Prozent – und an der landwirtschaftlich genutzten Fläche etwa sechs Prozent.

Doch umweltfreundliche Produkte können durchaus hohe Marktanteile erreichen. Das zeigt sich beispielsweise bei Haushaltsgeräten: So haben energieeffiziente Kühlschränke einen Marktanteil von 38 Prozent. Oftmals liegt es an den Anreizen, ob nachhaltige Produkte erfolgreich sind – an dieser Stelle setzt das Startup Bonsum mit einem Belohnungssystem an.

Der Firmenname des Berliner Unternehmens ist Programm: Er setzt sich aus dem französischen Wort „Bon“ für das Gute und „Konsum“ zusammen. Bonsum vermarktet nachhaltige Produkte, bei deren Einkauf Bonuspunkte, sogenannte „Bonets“, ausgegeben werden. Diese Punkte können dann in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden oder lassen sich für soziale Unternehmen und Aufforstungsprogramme spenden.

Über ihre Internetseite lassen sich die Shops zahlreicher Öko-Anbieter aufrufen. Neben nachhaltiger Kleidung und Lebensmittel bewirbt Bonsum auch Busunternehmen oder Anbieter gebrauchter Elektrogeräte. Bei der Produktsuche können Kunden unter anderem nach den Kategorien “Niedriger CO2-Fußabdruck” oder “Keine Tierversuche” filtern. Für den Einkauf auf den jeweiligen Plattformen schreibt Bonsum den Kunden dann die Bonets gut.

Zusätzlich bietet Bonsum das Bonsussystem auch offline an. Das Unternehmen konnte bereits den ersten Biomarkt in Berlin gewinnen, nun sollen weitere Einzelhändler folgen. Denen verspricht Bonsum eine effektivere Kundenbindung.

EU-Förderung und Wagniskapital

Erst im März ging das Unternehmen an den Start. Die Gründer Michael Weber, Frederik Betz und Max Marcon erhielten für ihre Idee im Rahmen des EU-Förderprogramms „Speed UP! Europe“ eine Startfinanzierung und konnten inzwischen auch eine Wagniskapitalgeberin überzeugen: Jeroo Billimoria unterstützt Bonsum mit Kapital und – vielleicht noch wichtiger – mit ihrer Erfahrung. Denn als “Fellow” im Ashoka-Netzwerk hat Billimoria bereits mehrere Sozialunternehmen gegründet, unter anderem in Indien.

Ob sich Bosum mit seiner Idee des belohnten nachhaltigen Einkaufs durchsetzen kann, wird sich nun zeigen. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmen Nielsen sind immerhin 52 Prozent der Deutschen bereit, mehr Geld für Produkte und Dienstleistungen auszugeben, wenn sich die Hersteller für die Gesellschaft oder Umwelt engagieren. Die Bereitschaft, mehr zu zahlen, stieg innerhalb der letzten vier Jahre um 20 Prozent an.

Doch andere Faktoren sind bei der Kaufentscheidung noch wichtiger: So geben 78 Prozent der befragten Konsumenten an, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis besonders wichtig sei. Diesbezüglich könnte ein Bonusprogramm neue Anreize für nachhaltigen Konsum schaffen.

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Recycling: Unternehmen gewinnt Zinn aus Elektromüll

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Ob nun faire Smartphones von Shift und Fairphone oder die grün-soziale Computermaus von Nager-IT – gelötet werden sie alle. Dabei sind die Pioniere der fairen Elektronikindustrie auf ein Problem gestoßen: Wie lässt sich der Zinn, der für das Zusammenlöten der Einzelteile benötigt wird, nachhaltig gewinnen?

Fairlötet will dafür einen Weg gefunden haben. Für seinen Löt-Draht will das Start-up nur unter einwandfreien Bedingungen recycelte Metalle verwenden. Statt sie selbst abzubauen, gewinnt das Unternehmen seine Rohstoffe aus Elektromüll.

Zinn aus dem Elektromüll

Dafür mischt das Unternehmen gebrauchtes Restmaterial eines deutschen Elektronikherstellers mit recyceltem Zinn. Um eine gute Verarbeitung des Produktes sicherzustellen, setzt es noch die sogenannten Mikrolegierungskomponenten Kupfer und Germanium hinzu. Damit erhält es einen Anteil von Sekundärrohstoffen von 99 Prozent.

Allerding hat Zinn ein Problem: Der Rohstoff wird heute noch unter widrigsten ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut und spült über Umwege Geld in die Kriegskassen von sogenannten Warlords. Daher zählt Zinn auch als zu den sogenannten Konflikt-Mineralien, die ihren Namen durch die Krisenregionen erhalten haben, in denen sie abgebaut werden.

Damit der Zinn nun auch wirklich fair ist, müssen die Bestandteile aus konfliktfreiem Abbau stammen. Sicherstellen soll das für Fairlötet das Unternehmen Stannol. Um abzuschätzen zu können, wie groß die Nachfrage nach fairem Zinn ist, stellte das Team von Fairlötet eine Umfrage online. Einige Anbieter von fairer Elektronik, wie Shift und Nager-IT, haben daraufhin Kontakt aufgenommen.

Keine bessere Lieferkette oder sicherer Anbau

Das Problem des Konflikt-Zinns löst Fairlötet mit seiner Idee allerdings nicht, weil keine saubere Alternative wie etwa eine nachhaltigere Lieferkette oder bessere Arbeitsbedingungen in den Abbau-Ländern entstehen. Das liegt auch daran, dass der faire Abbau von Konflikt-Mineralien und die Überwachung der Lieferkette äußerst aufwendig und kostenintensiv sind. Aus diesem Grund ist auch Fairphone immer noch auf der Suche nach fairem Gold und Wolfram.

Für die Umwelt aber ist das recycelte Zinn in jedem Fall ein Gewinn. Wann es das faire und nachhaltige Löt-Zinn geben wird, ist jedoch noch nicht ganz klar, da das Team sein Vorhaben in seiner Freizeit voran bringt.

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Getreide statt Gips: Start-up entwickelt kompostierbare Wände

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Gipsplatten sind die heimlichen Herrscher moderner Innenräume: Sie teilen so ziemlich alle Zimmer in Neubauten, sobald keine tragende Wand von Nöten ist. Beim Bau dieser Wände fallen in Deutschland allein etwa eine halbe Million Tonnen Verschnitt an.

Das Delikate daran: Da der Baustoff Gifte wie Sulfate ausdünsten kann, müssen die Plattenreste in den Sondermüll. Das britische Start-up Adaptavate hat dafür eine Lösung gefunden. Das Produkt „Breathaboard“, wörtlich übersetzt: die atmende Platte, soll das Raumklima verbessern statt zu vergiften.

Dafür hat das Unternehmen ein neues Material ausprobiert: Die Platten bestehen nicht aus Gips, sondern zu 75 Prozent aus Getreide-Abfällen der Landwirtschaft. So nutzt Adaptavate Müll als Grundlage und muss keine Anbauflächen für die neuartigen Wände schaffen. Zuden müssen der Verschnitt und die alten Wände nicht als Sondermüll entsorgt, sondern einfach nur kompostiert werden.

Feuerresistent und dämmend

Gleichzeitig sind die Wände nach Angaben von Adaptavate auch feuerresistent und dämmen die Lautstärke. Das Start-up verspricht zudem, dass die Wände nicht schimmeln, weil sie atmungsaktiv sind: Bei hoher Feuchtigkeit nehmen sie diese auf, bei niedriger Feuchtigkeit hingegen soll diese wieder in die Luft abgegeben werden. So sollen auch die Fälle von Asthma, die durch Schimmel in den eigenen vier Wänden entstehen, vermieden werden.

Ob das stimmt, wird sich bei Gebrauch noch zeigen müssen: Noch ist Breathaboard nur eine Idee, die massenhafte Produktion steht noch aus.

Trotzdem kann das Start-up chon erste Erfolge vorweisen: Mit seiner alternativen Wandverkleidung konnte Adaptavate kürzlich auch die Jury des Green Alley Awards überzeugen. Das Unternehmen erhielt Geld- und Sachleistungen im Wert von bis zu 20.000 Euro und kann nun ein halbes Jahr umsonst in einem Co-Workingspace in Berlin arbeiten, um seine Idee weiterzuentwickeln.

Breathabord im Video:

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Fünf Jahre .wwf : Die undruckbare Umweltschutz-Datei

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Der Satz unter vielen Mails “Think before you print” ist was für Anfänger. Der deutsche Zweig des WWF entwickelte vor fünf Jahren ein nicht-druckbare Dateiformat. Zum Geburtstag wirft die Schweizer Umweltschutz-Stiftung einen Blick zurück – wie gut wurde das Format angenommen?

Zunächst: Am Bedarf besteht kein Zweifel: Deutschland ist immerhin der viertgrößte Papierproduzent der Welt und importiert trotz der großen Produktion noch etwa vier Millionen Tonnen Zellstoff und 11,6 Millionen Tonnen Papier jährlich. Und das, obwohl der Papierverbrauch nicht nur die Umwelt teuer zu stehen kommt, sondern sich auch im Geldbeutel der Druckenden bemerkbar macht.

Der WWF wollte mit einem Knall zum Umdenken anregen. Statt eine typische, öffentlichkeitswirksame Kampagne mittels Plakaten und Anzeigen zu führen, entwickelten sie ein 2010 mit der Agentur Jung von Matt das .wwf-Dateiformat. Der Clou: Die Dateien lassen sich partout nicht ausdrucken.

“Save as WWF”

Unternehmen oder Privatpersonen, die ihren Papierkonsum reduzieren wollen, können das auf den Namen „WWF-Software“ getaufte Formalt kostenlos herunterladen und mit dieser papierfreie Dateien erzeugen. Nach der Installation der Software steht ihnen virtuell ein neuer Drucker mit dem Namen „Save as WWF“ zur Verfügung. Wer dann mit dem WWF-Drucker ein Dokument „drucken“ will, erzeugt ein „WWF“, eine Art PDF.

Das Logo der .wwf-Datei.

Das Logo der .wwf-Datei.

Öffnen lässt sich das Dokument dann mit den meisten Programmen, die auch PDF-Dokumente öffnen können. Der Unterschied: Im geöffneten Dokument ist das Druckersymbol sowie die Funktion „Dateien  drucken“ grau hinterlegt – ausdrucken geht nicht. Auf der letzten Seite des erzeugten Dokuments wird dann außerdem in verschiedenen Sprachen erklärt, was es mit diesem Dokument auf sich hat. (Wobei zusätzliche Daten natürlich auch nicht unbedingt umweltfreundlich sind, erhöhen sie doch die notwendige Rechenleistung.)

Bisher haben sich seit 2010 immerhin 85.000 Menschen die Software heruntergeladen. Erstaunlicherweise verbreitete sich das Format rasend schnell um den Globus – trotz minimaler PR-Arbeit vor allem in Deutschland. Auch in Brasilien, Indien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern luden Hunderte die Software runter. Wie viel Papier dadurch insgesamt gespart werden konnte, ist schwierig abzuschätzen – denn wer druckt schon Dokumente aus, die gar nicht zum Drucken gedacht sind?

Immerhin senden die Dateien, so der WWF, keine Daten zurück an den Server, sondern fragen höchstens nach Updates. Deshalb könne man aber auch nicht verfolgen, wie verbreitet der Dateityp sei.

Keine Bedrohung für die Papier-Industrie

Klar ist: Die WWF-Dateien reduzieren grundsätzlich den Papierverbrauch. Andererseits hat das Lesen am Computer, das Verschicken der E-Mails ebenfalls einen Umwelteinfluss. Schließlich verbrauchen die Geräte nicht nur Strom, sondern müssen auch energie- und ressourcenintensiv hergestellt werden. Der WWF empfiehlt sein Dateiformat daher in Verbindung mit Öko-Strom.

Die Ängste, der Papier-Industrie, die diese zu Beginn äußerte, sind bei den Downloadzahlen natürlich übertrieben. Es gab unzählige harsche Zuschriften und eine kleine Social-Media-Kampagne – ganz als ob das WWF-Format die gesamte Drucker- und Papierindustrie bedrohen würde. Dabei ging es den Initiatoren einfach nur um einen Denkanstoß, der etwas wirksamer ist, als die Zeile „Think before you print“ am Ende einer Mail.

Deshalb interessierten sich auch viele Großunternehmen für das Format, erklärt der Co-Organisator der Kampagne Thomas Reinecke. Bei vielen ging es allerdings über das Interesse noch nicht hinaus – die Kampagne ist also immer noch nicht abgeschlossen.

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Die perfekten Socken? Dieses Start-up will wirklich alles richtig machen

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Socken sind Klassiker. Kaum ein Geschenk verbreitet unter dem Weihnachtsbaum so eine wohlige Mischung aus Nutzwert und Langeweile wie die gedeckte Fußkleidung. Die Crowdfundingkampagne des Mode-Startups Sock up your life ist zwar zu spät für das Weihnachtsgeschäft gestartet, aber vielleicht bringt der Zeitpunkt trotzdem genug Unterstützer – derzeit sieht es gut aus.

Sock up your life verspricht nachhaltig produzierte, hochwertige, modische und vor allem schadstofffreie Socken. Gibt es alles schon, klar, aber alles zusammen ist schon seltener. Die Jungunternehmer mit den Socken setzen aber zudem auf CO2-neutrale Produktion und maximale Transparenz. Zu jedem Paar Socken listen sie die verwendeten Garne, Farbstoffe und beim Färbeprozess benutzten Hilfsstoffe auf. Auch die Lieferkette ist offengelegt – und die gilt ja als Achillesferse der Industrieproduktion.

Die Socken kommen aus deutscher Fertigung, nicht zuletzt um die Transportwege kurz zu halten. Die Baumwolle wiederum stammt aus Griechenland, wo sie ebenfalls versponnen wird. Kleinbauern pflanzen vor Ort das “weiße Gold” an und verzichten dem Sockenunternehmen nach vollends auf Pestizide, Herbizide oder chemische Düngemittel. Auch wird kein Grundwasser verwendet um die Baumwolle zu bewässern.

Gerade die Bewässerungsproblematik macht Baumwolle immer wieder zum Politikum. Der aufgrund der Baumwollbewässerung ausgetrocknete Aralsee ist dabei das dramatischste Beispiel für Naturzerstörung durch Textilien. Auch die Reinigung der Baumwolle findet komplett mechanisch und ohne Einsatz von Chemie statt.

Je mehr Unterstützer, desto bunter die Socken

Unweit der Anbauregion der Baumwolle, befindet sich die Spinnerei Varvaressos. Das kleine Unternehmen im Norden Griechenlands trotzt dem billigen Garn aus Asien mit hochqualitativen Material und umweltschonender Produktion. Immerhin ein Fünftel der benötigten Energie für die Spinnerei wird mittels eigener Photovoltaikanlagen gewonnen. Anschließend färbt das österreichische Unternehmen Heinisch das Garn, bevor es bei Münster zu Socken verarbeitet wird.

Hier kann man selbst rechnen, warum Discounter-Socken nur ein Zehntel kosten. (Foto: Sock up your life)

Hier kann man selbst rechnen, warum Discounter-Socken nur ein Zehntel kosten. (Foto: Sock up your life)

Um das Unternehmen an den Start zu bringen, setzt das Team von Sock up your life auf Crowdfunding. Die Hälfte der angepeilten 10.000 Euro Fundingziel ist bereits erreicht. Ein halber Monat bleibt dem Startup nun noch, um den Rest zu sammeln. Je mehr Geld zusammenkommt, desto bunter sehen die Socken aus. Wenn sie die 10.000 Euro erreichen, gibt es die Socken in Anthrazit, Blau und Rot. Bei 15.000 Euro auch in Grün und bei 20.000 Euro außerdem in Gelb.

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Energieträger der Zukunft: Algen erobern eine Berliner Fassade

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Viele mögen bei Algen an ungeliebte Begleitschaft im Badesee denken, andere sagen kleinen Kraftwerken, deren Energie von Algen kommt, eine große Zukunft voraus. Auch die Pharma-, Kosmetik und Tierfutterbranchen schielen bereits zum “grünen Gold”. Nun gibt es einen neuen Algen-Bioreaktor in Berlin – und das an einer Gebäudefassade.

Seit November ist am EUREF Campus in Berlin-Schöneberg eine Algenanlage montiert. Realisiert wurde das Projekt durch die Palmetto GmbH. Das Unternehmen hat selbst seinen Sitz in dem Gebäude und dadurch den besten Überblick über das Wachstum der Algen. Dort betreibt es auch einen Showroom, in dem es verschiedene Produkte ausstellt.

Die Algenpioniere begründen ihre Vorliebe meist mit zwei Entwicklungen: Zum einen prognostizieren die Vereinten Nationen bis 2050 einen Anstieg der Weltbevölkerung auf knapp zehn Milliarden Menschen. Gleichzeitig steigen der globale Fleischkonsum und teilweise auch die Lebensmittelverschwendung. All diese Trends stellen die Nahrungsmittelproduktion vor Herausforderungen. Missernten, Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln oder Extremwetterereignisse können diese Herausforderungen noch verstärken.

Gerade Öle, Mikronährstoffe und gar Vitamine wie B12 lassen sich gut aus Algen gewinnen. Zudem wachsen sie schnell. Algen  haben im Vergleich zu Landpflanzen eine fünf- bis zehnfache Biomasseproduktivität. Kultivieren die Algenbauern ihr “grünes Gold” an Fassaden, kommt außerdem eine ideale Flächennutzung hinzu.

Im Gegensatz zu den Bioenergiepflanzen der konventionellen Landwirtschaft kommt es zu keiner Flächenkonkurrenz. Die “Tank oder Teller”-Problematik wird also vermieden. Je nach Algenart und Verarbeitung liefern die Algenzellen auch wichtige Enzyme, Proteine, Fettsäuren, Aminosäuren, Vitamine und Farbstoffe für die Nahrungsmittelindustrie.

Algen – unterschätzter Rohstoff oder teure Spielerei?

Während die Weltbevölkerung anwächst, schrumpfen die Reserven der leicht erreichbaren und damit billigen fossilen Rohstoffe. Diese sind jedoch immer noch Basis der globalen Energieversorgung, zudem Grundstock vieler chemischer Prozesse. Die möglichen Verwendungen sind vielseitig: als Bestandteil von Anti-Aging-Cremes, Straßenbelag, Nahrungsergänzungsmitteln und Kunstschnee.

Testweise wurde in Hamburg bereits eine kleine Biogasanlage mit Algen betrieben. Die geernteten Algen werden in einem Reaktor in Biogas umgewandelt und dann verfeuert. Auf diese Art und Weise kann sowohl Wasser erwärmt, also auch Strom produziert werden.

Auch in Paris wachsen Algen bereits an einer Gebäudefassade. Dort entwickelte das Architektenbüro Axel Schoenert UrbanLab Reaktoren, in denen vor allem Algen zur Ölproduktion züchten. Größer noch sind die Anlagen in Brasilien, wo Algen in fünf Meter hohen Silos kultiviert werden. Der Clou: das für die Photosynthese notwendige Licht wird in Solarsammlern auf den Dächern der Silos per Prisma und Glasfaserkabel in die Silos geleitet. Somit können die Algen im ganzen Bioreaktor wachsen, statt nur an der Oberfläche wie in herkömmlichen Tanks.

Viele „Algenpioniere“ setzen auf Großanlagen. Manche von ihnen wollen solche Anlagen mit der Stahlindustrie und Kohlekraftwerken kombinieren. Der „grüne Gürtel“ aus Bioreaktoren soll dann die anfallenden CO2-Emissionen mittels der Algen in wertvolle Biomasse umwandeln – auch hier könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Allerdings ist aus dem “könnte” noch kein “kann” geworden, denn bisher ist die Algen-Technologie noch im Versuchsstadium und preislich oft noch keine Alternative. Der Palmetto-EUREF-Reaktor soll sich von Anfang an wirtschaftlichen rentieren – und damit den Algen endgültig den Weg bereiten.

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Bangladesch: Strom-Sharing hilft beim Solar-Ausbau

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In Zeiten in denen viele Menschen ihren Strom dank Fotovoltaik einfach selbst erzeugen und sich Auto, Couch und Bohrmaschine mit anderen teilen: Warum teilen wir eigentlich noch keinen Strom? In Deutschland gibt es immerhin Energiegenossenschaften, in Bangladesch noch nicht. Bis jetzt.

Das deutsch-bengalisches Startup ME SOLshare entwickelt dort nämlich eine Lösung zum Strom-Sharing. Bangladesch, immerhin der siebtbevölkerungsreichste Staat der Welt, steht einigen Herausforderungen in der Stromversorgung gegenüber: Zwölf Millionen Haushalte haben weder Zugang zum nationalen Stromnetz, noch eine Solaranlage. Für ihre Stromversorgung nutzen sie oftmals teure Generatoren oder Autobatterien. Selbst an das Netz angeschlossene Nutzer sind oft von Stromausfällen betroffen.

Gleichzeitig gibt es knapp vier Millionen Haushalte, die eine eigene Solaranlage besitzen – eine absolut erstaunliche Anzahl. Mit dem Prinzip von SOLshare können nun Solaranlagenbesitzer, die mehr Strom produzieren als verbrauchen, andere Haushalten gleich mitversorgen. So bilden sich kleine Verbünde von vernetzten Stromversorgern – ganz ohne großes, zentrales Netz.

Dieses dezentrale Prinzip interessiert natürlich auch andere Nutzer – von Regierungen bis hin zu kleinen und großen NGOs die so im Katastrophenfall die Stromversorgung organisieren oder Flüchtlingslager versorgen wollen.

Niedriger Preis, mehr Kontrolle

Der Geschäftsleiter Sebastian Groh, der technische Leiter Hannes Kirchhoff und ihr Team konzipierten die Technologie jedoch in erster Linie für Privatnutzer im ländlichen Raum. Der Preis war daher in der Entwicklung sehr wichtig. Der Schlüssel ihres Ansatzes ist ein Kontrollgerät für die Stromproduktion in Haushalten und kleinen Geschäften. Dieses Gerät steuert die Verbindung über ein Niedrigspannungsnetz zu den anderen Häusern.

Entsprungen ist die Idee aus der Arbeit der Gründer bei dem in Berlin sitzenden Beratungsunternehmen MicroEnergy International GmbH, das als erstes den Begriff der Schwarm-Elektrifizierung geprägt hat. Schwarm-Elektrifizierung beschreibt, wie Schritt für Schritt ein Netz ausgebaut werden könnte.

Der Vorteil an diesem Aufbau eines Netzes ist, dass er zum einen prinzipiell überall stattfinden kann. Es braucht keine Nähe oder Verbindung zu einem Kraftwerk. Zum anderen lässt sich die Geschwindigkeit des Netzausbaus an die Nutzer anpassen. Je nachdem, wer wann in die Technologie zu investieren vermag, kann dies tun. Das Endprodukt ist ein dezentrales Netz, welches nicht allzu leicht zusammenbricht.

Technische Probleme auf dem Land

So sieht Strom-Sharing in dezentralen Netzen aus. (Foto: Solshare)

So sieht Strom-Sharing in dezentralen Netzen aus. (Foto: Solshare)

Doch natürlich gibt es auch Herausforderungen für das Start-up. Zum einen wären da die technischen Hindernisse, die zu überwinden sind: Je dünner besiedelt die Region ist, desto größer werden die Abstände zwischen den Solaranlagen. Gleichzeitig brauchen manche Mühlen- oder Pumpenbesitzer besonders viel Elektrizität. Diese Entfernungen und Spitzenlasten müssen vor Betrieb genau berechnet werden, und auch nach Installation des kleinen Netzes muss das System regelmäßig optimiert werden.

Um zu verhindern, dass das Mikronetz kollabiert, weil zu viel Strom eingespeist oder entnommen wird, hilft nur ständige Kontrolle und Analyse. Das SOLshare-Team setzt dafür nicht nur auf Statistiken, sondern auch auf einen engen Draht zu den Nutzern. Sie beraten die Nutzer dann auch ab wann sich der Kauf eines Solarmoduls oder Akkus lohnen würde.

Zum anderen gibt es organisatorische Herausforderungen. Bangladesch ist kein Land indem es sehr leicht fällt, ein Tech-Startup aufzubauen. Der südasiatische Staat ist auf vielerlei Weise nicht gerade bestens mit den neuesten, technischen Entwicklungen vernetzt. An Ersatzteile für Dieselgeneratoren kommt man leichter, als an technische Kompontenten für ein Strom-Sharing-Netz. Viele Unternehmer beklagen zudem ein großes Maß an Bürokratie und Korruption.

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Naturfaser statt Stahl: Franzose will Kleinwindanlagen revolutionieren

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Kleinwindanlagen sind gut geeignet, um an Orten, auf die kein Windrad passt, trotzdem Strom zu erzeugen. Ein großer Nachteil sind die Kosten: Material und Aufbau sind je nach Modell nicht ganz billig, und die relativ geringe Ausbeute macht eine solche Anlage zu einer langfristigen Investition.

Ein französischer Ingenieur will das ändern: Quentin Dubrulle hat ein Windrad entwickelt, das seine Kosten deutlich schneller wieder einspielen soll. Das Besondere dabei: Das Windrad besteht vor allem aus recycelten Materialien und Flachsfasern.

In Landwirtschaft oder Papierbranche ist die sogenannte Bioökonomie ein alter Hut: Dabei dient Biomasse als Rohstoff. Sie ersetzt in vielen Branchen Metalle und Öl-basierte Rohstoffe. (Über Sprit aus Bioabfall, Bioplastik oder Nylon aus Zucker haben wir bereits berichtet.) Das soll nun auch bei der Windkraft passieren.

Wie teuer und effizient die Windanlage von Quentin Dubrulle sein wird, kann er noch nicht sagen. Der Prototyp soll zwischen 1000 und 2000 Kilowattstunden pro Jahr liefern können – je nach Standort und Entwicklungsstand des Prototyps. Denn noch werkelt Dubrulle an der Anlage.

Der Durchbruch für Kleinwindanlagen

Erst im kommenden Jahr soll die Produktion losgehen. Als Einsatzort hat er städtische Flachdächer im Blick. Denn Kleinwindanlagen können nicht überall errichtet werden, die Windausbeute ist nicht überall gleich und Städte und Gemeinden erlauben es auch nicht an jedem Ort. Zudem haben sich die Kleinwindanlagen – die meist eine vertikale Windlage haben, also sich nicht wie ein Rad drehen sondern wie eine Säule – noch nicht wirklich am Markt durchgesetzt.

Das soll nun kommen, nicht zuletzt weil Dubrulle auch an andere Punkte gedacht hat: Mit der Nutzung der Flachsfaser als Rohstoff will er sowohl Kohlenstoffdioxidemissionen in der Produktion einsparen, als auch eine lokale Wertschöpfung fördern. Nicht vermeidbare Emissionen sollen durch Baumpflanzungen kompensiert werden.

Außerdem will Dubrulle körperlich beeinträchtigte Menschen in die Produktion einbinden – im Stile eines klassischen Sozialunternehmers. Allein: Beides wird nicht reichen, damit sich die Anlage durchsetzen kann. Käufer haben heute schon ein großes Angebot an Anlagen, und ohne konkrete und vor allem wettbewerbsfähige Kennzahlen wird sich auch die schönste Kleinwindanlage nicht verkaufen.

In diesem Video erklärt Dubrulle sein Konzept:

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Pangea Sun: Berliner Tüftler bauen einen modularen Laptop

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Stellen Sie sich vor, sie könnten die Recheneinheiten ihres Laptops austauschen – so dass er unterwegs zwar langsamer ist, aber der Akku plötzlich zehn statt vier Stunden hält. Austauschbare Festplatten sorgen dafür, dass sich Arbeit und Privatvergnügen auf dem selben Gerät trennen lassen. Nichts ist verklebt oder verlötet, alle Teile lassen sich austauschen.

Mit dem neuen Laptop Pangea Sun will das Berliner Start-ups Pangea Electronics die modulare Bauweise beim Laptop etablieren. Und wer möchte, kann die Gerätebastelei noch weiter treiben: Dank der quelloffenen Open-Source-Konstruktion, kann man den Laptop mit eigener Software und Bauteilen modifizieren und die Pläne dann online teilen.

Pangea Electronics sammelt gerade Geld, um sein modulares Notebook zu bauen. Modulare Elektronikgeräte sind vor allem seit der zweiten, modularen Generation des Fairphones immer mehr ins Blickfeld gerückt. Die Geräte sollen einige Vorteile bringen: Gehen sie kaputt, sind die beschädigten Teile leicht austauschbar. Ebenso wenn die Hardware nicht mehr mit der Software Schritt halten kann.

Das sollte im Endeffekt die Lebensdauer des Gerätes verlängern. Auch ließe sich mit einem solchen Laptop auf verschiedenen Festplatten und mit verschiedenen Konfigurationen arbeiten. In Zeiten, in denen viele Menschen einen Privatlaptop und einen Arbeitslaptop besitzen, kann das sehr praktisch sein.

Die vier Entwickler beschäftigen sich schon eine ganze Weile mit dem Pangea Sun. Immerhin zwei Jahre investierten sie in die Entwicklungsphase. Für die Produktion bauen sie auf einen erfahrenen Auftragsfertiger. Trotzdem ist es erstaunlich, dass ein kleines Start-up die technischen Schwierigkeiten meistert, an denen beispielsweise Google mit seinem modularen Smartphone noch zu knabbern hat.


Das Start-up will den Laptop in Kindia, einer Stadt im westafrikanischen Guinea, herstellen. Dadurch wollen sie helfen, dort eine nachhaltige IT-Wirtschaft aufzubauen. Beispielsweise soll an örtlichen Schulen vermittelt werden, wie die Produktion des Laptops funktioniert.

Hobbybastler können selbst Module entwickeln

In der Crowdfundingkampagne für Pangea Sun geht es nun um ein solides und nicht sonderlich teures Notebookmodell. Der Pangea Sun besitzt mit 14 Zoll, einen eher kleinen Bildschirm. Der Gesamtspeicher ist 32 Gigabyte groß, der Arbeitsspeicher 2 Gigabyte. Das Besondere an der Standardausstattung: Als Betriebssystem wird Google Android 5.1 Lollipop dienen – doch auch andere Betriebssysteme sind in Planung.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist die Quelloffenheit des Projektes. Nutzer sollen auf technische Spezifikationen und 3D-Modelle zugreifen können. Zusätzlich soll es ein Open-Source-Modul für das Notebook geben, welches mit eigener Elektronik gefüllt werden kann. Versierte, technische Hobbybastler, die Makercommunity, können dann selbst Module entwickeln und Baupläne austauschen und im Online-Shop von Pangea anbieten.

Die schnellsten Unterstützer bekommen den Pangea Sun für unter 500 Euro. Langfristig ist das Ziel des Unternehmens, weitere Module anzubieten. Gleichzeitig könnten gebrauchte, funktionsfähige Module ausgetauscht werden. Und das Unternehmen will zukünftig den Laptop auch abgesehen von der längeren Lebensdauer grüner machen: Momentan stammt das Gehäuse des Prototypen noch aus dem 3D-Drucker. Bald will Pangea Electronics allerdings mit besser abbaubaren Gehäusematerialien experimentieren.

Das zu Beginn recht eigenwillige Werbevideo für die Crowdfundingkampagne können Sie hier sehen:

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Kräuterfarm im Supermarkt: Mit dem Einkaufswagen ins Gewächshaus

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