Laut dem Umweltbundesamt ist der viel beschworene „Bio-Boom“ relativ zu sehen. Zwar weist der Markt der Bio-Produkte seit über 15 Jahren meist zweistellige Wachstumsraten auf, allerdings umfasst ihr Anteil am Lebensmittelmarkt trotzdem nur etwa vier Prozent – und an der landwirtschaftlich genutzten Fläche etwa sechs Prozent.
Doch umweltfreundliche Produkte können durchaus hohe Marktanteile erreichen. Das zeigt sich beispielsweise bei Haushaltsgeräten: So haben energieeffiziente Kühlschränke einen Marktanteil von 38 Prozent. Oftmals liegt es an den Anreizen, ob nachhaltige Produkte erfolgreich sind – an dieser Stelle setzt das Startup Bonsum mit einem Belohnungssystem an.
Der Firmenname des Berliner Unternehmens ist Programm: Er setzt sich aus dem französischen Wort „Bon“ für das Gute und „Konsum“ zusammen. Bonsum vermarktet nachhaltige Produkte, bei deren Einkauf Bonuspunkte, sogenannte „Bonets“, ausgegeben werden. Diese Punkte können dann in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden oder lassen sich für soziale Unternehmen und Aufforstungsprogramme spenden.
Über ihre Internetseite lassen sich die Shops zahlreicher Öko-Anbieter aufrufen. Neben nachhaltiger Kleidung und Lebensmittel bewirbt Bonsum auch Busunternehmen oder Anbieter gebrauchter Elektrogeräte. Bei der Produktsuche können Kunden unter anderem nach den Kategorien “Niedriger CO2-Fußabdruck” oder “Keine Tierversuche” filtern. Für den Einkauf auf den jeweiligen Plattformen schreibt Bonsum den Kunden dann die Bonets gut.
Zusätzlich bietet Bonsum das Bonsussystem auch offline an. Das Unternehmen konnte bereits den ersten Biomarkt in Berlin gewinnen, nun sollen weitere Einzelhändler folgen. Denen verspricht Bonsum eine effektivere Kundenbindung.
EU-Förderung und Wagniskapital
Erst im März ging das Unternehmen an den Start. Die Gründer Michael Weber, Frederik Betz und Max Marcon erhielten für ihre Idee im Rahmen des EU-Förderprogramms „Speed UP! Europe“ eine Startfinanzierung und konnten inzwischen auch eine Wagniskapitalgeberin überzeugen: Jeroo Billimoria unterstützt Bonsum mit Kapital und – vielleicht noch wichtiger – mit ihrer Erfahrung. Denn als “Fellow” im Ashoka-Netzwerk hat Billimoria bereits mehrere Sozialunternehmen gegründet, unter anderem in Indien.
Ob sich Bosum mit seiner Idee des belohnten nachhaltigen Einkaufs durchsetzen kann, wird sich nun zeigen. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmen Nielsen sind immerhin 52 Prozent der Deutschen bereit, mehr Geld für Produkte und Dienstleistungen auszugeben, wenn sich die Hersteller für die Gesellschaft oder Umwelt engagieren. Die Bereitschaft, mehr zu zahlen, stieg innerhalb der letzten vier Jahre um 20 Prozent an.
Doch andere Faktoren sind bei der Kaufentscheidung noch wichtiger: So geben 78 Prozent der befragten Konsumenten an, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis besonders wichtig sei. Diesbezüglich könnte ein Bonusprogramm neue Anreize für nachhaltigen Konsum schaffen.
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