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Indisches Sozialunternehmen: Wasser für alle

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Wir leben auf einem blauen Planeten, doch Wasser ist für viele Menschen ein Luxusgut. Denn Süßwasser ist zwischen und innerhalb der einzelnen Nationen sehr ungleich verteilt. 780 Millionen Menschen, also mehr als einer von zehn Erdenbürgern, haben nur sehr begrenzten Zugang zu Trinkwasser.

Besonders krass ist die Trinkwasser-Ungleichheit in Indien. Denn von dem rasanten Aufstieg des Landes zur bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt mit einem geschätzten Wirtschaftswachstum von fünf Prozent in diesem Jahr, profitieren nicht alle Menschen. Ein Drittel der Inder lebt unter der Armutsgrenze von 32 Rupien (39 Eurocent) auf dem Land und 47 Rupien (57 Cent) in den Städten. Diese Zahlen stammen aus einer Studie, die der in diesem Jahr neu gewählte Ministerpräsident Narendra Modi beauftragte.

Das Unternehmen Sarvajal (Sanskrit für ‘Wasser für alle’) hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Menschengruppe mit sauberem Wasser zu versorgen. Im Jahr 2008 wurde das Unternehmen von der Wohltätigkeitsorganisation Piramal Foundation gegründet, um eine marktbasierte Trinkwasserstruktur aufzubauen. Der Gründer Anand Shah setzte ganz bewusst eine ‘for-profit social enterprise’. Er glaubt, dass Subventionen oder die kostenlose Ausgabe von Lebensmitteln und Trinkwasser keine Langzeiteffekte haben und verfolgt damit einen anderen Ansatz als viele Nichtregierungsorganisationen, um sauberes Wasser bereit zu stellen.

Anstatt das Wasser zentral in großen Filteranlagen zu reinigen und dann in die entlegenen Regionen zu transportieren, bietet Sarvajal Wasserautomaten an, die das lebenswichtige Nass direkt lokal filtern. Dabei kooperiert das Unternehmen mit immer mehr Kleinunternehmern in den einzelnen Landesteilen, die das gefilterte Wasser verkaufen und die Wasserautomaten versorgen. Von diesem Franchisekonzept profitieren also auch Entrepreneure in ländlichen Gebieten. Vorteilhaft ist dabei auch, dass sich die Infrastruktur der jeweiligen Nachfrage in den Städten oder Dörfern anpasst.

Wasserspender von Sarvajal in Dheli (Bild via governancenow.com)

Wasserspender von Sarvajal in Delhi (Bild via governancenow.com)

Das Wasser selber können die Kunden mittels eines Prepaid-Systems kaufen, dabei wird eine Art ‘Wassersaldo’ auf eine Karte geladen. Anschließend können sie das Wasser bei den Automaten abholen, die es mit einer Osmosetechnik und UV-Strahlen reinigen. Der ‘Wassersaldo’ lässt sich per Handy oder durch einen Besuch beim örtlichen Wasserkleinunternehmer wieder auffüllen. Die Investionskosten dieser Kleinunternehmer sind allerdings nicht gerade niedrig. Immerhin 2500 US-Dollar müssen sie aufbringen, um eine Filteranlage auzubauen. Allerdings behauptet Sarvajal, dass drei Jahre reichen, damit sich die Anlage amortisiert.

Bei dem Aufbau der Infrastruktur gab es zunächst eine Vielzahl von Herausforderungen. Oft gab es keine ausgebauten Straßen, um die entlegenen Dörfer zu erreichen. Außerdem sind die Wasserquellen von sehr unterschiedlicher Qualität und es gibt häufig Stromausfälle. Auch um die Stromversorgung der Automaten unabhängig zu gestalten, entschied sich Sarvajal-Gründer Anand Shah, Solarstrom für die Reinigung des Wassers einzusetzen.

Das Konzept scheint zu funktionieren: 8.8 Millionen Liter Wasser stellten 140 Automaten laut dem Unternehmen bisher in sechs Bundesstaaten bereit. Nebenbei entstanden dadurch 400 Jobs in ländlichen Gegenden. Von seinen Konkurrenten wie der Organisation Water Health International und der Naandi Foundation, die beide nach einer ähnlichen Idee Wasser bereitstellen, unterscheidet sich Sarvajal vor allem durch den niedrigen Preis.

Obwohl das Unternehmen ohne Subventionen auskommt, kann es den Preis bei vergleichweise niedrigen fünf bis sechs Cent für 20 Liter halten. Um Wasser günstig anbieten zu können, ohne an Wirtschaftlichkeit zu verlieren wird moderne Informationstechnik eingesetzt. Die Wasserautomaten sind über das Handynetz verbunden und schicken regelmäßig Kurznachrichten an zentrale Server. So lässt sich der Zustand der Automaten problemlos überwachen.

Abfüllanlage von Sarvajal (Quelle: Unternehmensbild)

Abfüllanlage von Sarvajal (Quelle: Unternehmensbild)

Bleibt die Frage, ob die Ärmsten der Armen Zugang zu dem sauberen Wasser haben und ob sie es sich leisten können? Wissenschaftler unterscheiden dabei zwischen physischer Wasserknappheit, wenn (sauberes) Wasser kaum vorhanden ist, und ökonomischer Wasserknappheit, in Fällen, in denen sich die ärmste Bevölkerungsschicht das Trinkwasser nicht leisten kann.

Gegen beide Ausprägungen von Wasserknappheit scheint Sarvajal eine gute Strategie gefunden zu haben. Ein Preis von weniger als sechs Cent bedeutet, dass viele Inder ein Sechstel ihres Tagesbudgets für Wasser ausgeben würden. Nimmt man zum Beispiel einen Trinkwasserkonsum von drei Litern pro Tag und pro Person an, lässt sich mit dem Budget eine siebenköpfige Familie versorgen.

Zwar sind auch die sechs Cent für die Armen viel Geld, doch es scheint sich für fast alle Bürger in den Einzugsgebieten der Automaten zu lohnen, das gereinigte Wasser dem Brunnenwasser vorzuziehen. Zu hoch sind die Risiken von Infektionen und Krankheiten und langfristig erspart der Kauf von sauberem Wasser Nierenprobleme, Gelenk- und Zahnschmerzen. Oft werden diese langfristigen Folgen vergessen, die der Wassermangel auslöst. Doch die Ausmaße sind enorm.

Die Weltbank schätzt, dass etwa 21 Prozent aller ansteckenden Krankheiten in Indien mit der Wassersituation zusammen hängen. Täglich sterben über 1.600 Menschen an Durchfall. Sarvajal schätzt, dass die durchschnittliche, indische Familie bis zu 15 Prozent ihres Monatseinkommens für Medizin ausgibt. Kosten, die zumindest teilweise mit dem Wasser des Unternehmens eingespart werden können.

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Degrowth für Dummies: Das sind die zehn zentralen Ideen der Bewegung

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Ressourcenmangel, Umweltverschmutzung, Armut, grassierende Krankheiten. Wie diesen Megaproblemen im 21. Jahrhundert genau beizukommen ist, darüber streiten sich die Experten. Der grundsätzliche politische Konsens ist aber: Wohlstand und Wirtschaftswachstum schaffen künftig die Möglichkeiten, Technologien und Mittel, um diesen Problemen beizukommen.

Von diesem Konsens hielten die mehr als 3000 Wissenschaftler, Studierende, Künstler und Aktivisten, die sich am vergangenen Wochenende in Leipzig trafen, herzlich wenig. Statt immer mehr, forderten sie auf der bisher wohl größten Degrowth-Konferenz in Deutschland, ein immer weniger und eine Abkehr vom Dogma, dass nur Wirtschaftswachstum allein glücklich macht. Die durch Hunger nach Wohlstand und Fortschritt, sowie durch eine wachsende Weltbevölkerung ausgelösten, ökologischen Krisen könnten nur durch ein Schrumpfen der Wirtschaft gelöst werden, glauben sie.

Eine absichtlich schrumpfende Wirtschaft – das ist für viele etablierte Ökonomen, Politiker und Experten noch schlimmer als Kommunismus.

Aber auch die Medien sind sich bisher nicht ganz einig, wie sie die Degrowth-Bewegung, wie sich selbst nennt, einordnen soll. Die Süddeutsche Zeitung wittert „quasirassistischen Heimatschutz“ in dem Degrowth-Musterland Bhutan, welches ihr „Bruttonationalglück“ dem Bruttoinlandsprodukt vorzieht, aber die hinduistische Minderheit diskriminiert.

Die der Kapitalismusverherrlichung unverdächtige Taz wirft dem bekannten Degrowth-Vertreter und Ökonomen Niko Paech vor, dass eine Ideen unzozial seien. Denn wo sollen tausende VW-Angestellte ihr Brot verdienen, wenn es keine Fabriken mehr gibt? Andererseits werden die Wachstumsverweigerer als neue Avantgarde des Weniger-ist-Mehr in den Medien gefeiert.

Doch was will die Degrowth-Bewegung eigentlich konkret? Hier eine Liste von 10 zentralen Forderungen:

1. Flugzeugreisen, Energie- und Ressourcenverbrauch stärker besteuern. Versteckte soziale und ökologische Kosten sollen in die Preise für Produkte einfließen.

2. Die lokale Wirtschaft steuerlich und rechtlich fördern, um kurze Transportwege, gestärkte ländliche Gebiete und mehr Transparenz in der Produktion zu schaffen.

3. Privatisierung von öffentlichen Gütern stoppen. Gemeingüter oder Commons sind vielen Degrowth-Anhängern besonders wichtig. Sie sollen nicht privatisiert werden. Von der Wasser- über die Energieversorgung, bis hin zu Wohnraum sollen diese der Allgemeinheit bezahlbar zur Verfügung stehen, ihre Verwaltung übernimmt die Öffentlichkeit.

4. In öffentliche Infrastruktur investieren. Anstatt Unmengen Geld in öffentliche Prestigeobjekte oder den Straßenbau zu stecken, sollte der Staat den öffentlichen Nahverkehr und die Radinfrastruktur fördern. Das würde Städte auch lebenswerter machen.

5. Neustrukturierung der Infrastruktur. Anstatt immer wieder neue Umgehungsstraßen und Straßenringsysteme zu bauen, die Anreize schaffen, das Auto zu benutzen, muss die bestehende Infrastruktur besser genutzt werden.

6. Beseitigung umweltunfreundlicher Steuererleichterungen, wie die für Firmenwagen und die Pendlerpauschale. Sie setzen laut den Degrowth-Vetretern falsche Anreize und schaffen eine nicht notwendige Nachfrage nach Produkten.

7. Standards, Siegel und Indikatoren reformieren. Vor allem das Bruttoinlandsprodukt wird als unvollständig und zu limitiert kritisiert, um Fortschritt zu beschreiben.

8. Reformierung des Bildungssystems. Das Bildungssystem soll über Umweltproblematiken aufklären und mit Schulgärten einen Teil zur Umweltbildung beitragen.

9. Flächenversiegelung stoppen, Grünflächen erhalten. Trotz leicht abnehmender Bevölkerung und deren Ballung in wenigen Großstädten, werden in Deutschland täglich 80 Hektar Land bebaut. Damit soll Schluss sein.

10. Degrowth Forschung fördern. Die 2010 eingesetzte Enquetekommission zu Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität der Bundesregierung reicht vielen Antiwachstumsaktivisten nicht aus. Sie wollen, dass sich Forschung und Politik weiterhin mit Wachstumskritik und progressiver Lebensqualitätsmessung beschäftigen.

Sonderlich neu sind die meisten Forderungen freilich nicht, sondern existieren in der Umweltbewegung schon seit Jahrzehnten. Im Unterschied zu den klassischen “grünen Denkschulen”, die noch auf die Macht der politischen Veränderung von oben setzten, strebt Degrowth aber eher die Veränderung von unten durch jeden Einzelnen an.

“Mentale Infrastrukturen”, angeblich verinnerlichte “Wachstumszwänge”, der Verzicht auf “Wohlstandsballast”, die Neuentdeckung des “Wertes von Zeit” und einem “guten Leben” sind Stichworte, die häufig bei den Wachstumskritikern fallen.

Aber Tomaten auf dem Balkon zu züchten, Nachbarschaftstreffen und Repaircafés zu organisieren, ist zwar schön und gut, aber ob das die drängenden Probleme der Zeit löst, ist bisher auch nicht bewiesen. Denn was ist mit den Milliarden von Menschen in  Entwicklungsländern, die aus dem Weniger ins Mehr wollen? Die Kommentare aus westlichen Überflussgesellschaften, beim Konsum etwas kürzer zu treten, mögen für viele von ihnen anmaßend klingen.

Und dennoch: Dass es ein einfaches Weiter-wie-bisher nicht geben kann, ist klar. Ob ein Verzicht auf Wachstum oder ein grünes Wachstum die Lösung ist, dagegen noch nicht.

Videotipp: Vergangenes Jahr haben wir den Ökonomen Niko Peach und Ralf Fücks, den Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung, zum Streitgespräch gebeten. Das Thema: Was rettet die Welt – eine grüne Wirtschaft oder weniger Wachstum? Hier geht es zum Video.

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Energieeffizienz in Gebäuden: Das war der erste Green Dialogue in Berlin

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Als Bundeskanzlerin Angela Merkel 2004 gefragt wurde, welche Empfindungen Deutschland bei ihr wecke, antwortete sie: „Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen.” Ob die Kanzlerin ihren Ausspruch ironisch meinte, ist nicht überliefert. Aber er verweist auf eine ganz besondere Lust der Deutschen: Die Gebäudedämmung.

Was einst als Beitrag zum Klima- und Umweltschutz gefeiert wurde, ist mittlerweile unter Experten aber höchst umstritten. Denn Häuser in eine dicke Schicht Isoliermaterial zu packen oder neue Fenster einzubauen, sei ineffektiv kritisieren sie – zudem teuer und deshalb unsozial.

Den Sinn und Unsinn der Gebäudedämmung hatte auch der erste Green Dialogue in Berlin zum Thema. Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam von WirtschaftsWoche und den GreenTec Awards organisiert, einem der größten Umweltpreise Europas. Die Idee des Green Dialogue: Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutieren zu einem aktuellen Nachhaltigkeitsthema. Partner der Auftaktveranstaltung in Berlin mit dem Titel “Energiewende heute: Risiko oder Chance für Mieter?” war das Energieeffizienzunternehmen Techem.

Dass aber nicht nur die Frage nach der Gebäudedämmung umstritten ist, sondern auch, wie Energieefiizienz im Immobiliensektor überhaupt erreicht werden kann, zeigte die knapp einstündige Diskussion an diesem Abend.

Auf dem Panel waren: Hans Erhorn, Leiter der Abteilung Wärmetechnik des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart; Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund; Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit; Reinhard Hüttl, Leiter des Geoforschungszentrums Potsdam und Co-Präsident von Acatech; Axel Gedaschko, Präsident Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und Hans-Lothar Schäfer, CEO von Techem.

Die wichtigste Erkenntnis der Experten war, dass es kein Patentrezept für eine energetische Sanierung gibt. Zwar sei das Wissen um die nötigen Technologien und Energieeffizienzmaßnahmen da, sagte Fraunhofer-Forscher Hans Erhorn. Doch oftmals scheiterten die Maßnahmen schon an der Finanzierung.

Um die Kosten für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor gerecht zu verteilen, schlug Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund das soganannte “Drittelmodell” vor. In diesem Modell trägt der Hauseigentümer ein Drittel der Kosten. Die würden ohnehin früher oder später bei Modernisierungsarbeiten anfallen. Ein weiteres Drittel der Kosten wird warmmietneutral und damit sozialverträglich von den Mietern übernommen. Die teurere Miete gleichen die sinkenden Heizkosten aus. Das restliche Drittel übernehmen staatliche Förderprogramme für den Klimaschutz, wie zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Diese staatlichen Ausgaben werden durch Steuereinnahmen refinanziert.

Um die Mieter nicht übermäßig mit der Energiesanierung zu belasten, schlug der parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold eine andere Maßnahme vor. Die elfprozentige Modernisierungsumlage, die Vermieter auf die Miete schlagen können, solle nur so lange laufen, bis die Sanierung gegenfinanziert sei. Nachdem die energetische Sanierung abgeschrieben ist, spart der Mieter mit ihr also tatsächlich Geld.

Einen ganz anderen Blickwinkel branchte Reinhard Hüttl in die Debatte ein. Er erinnerte die Diskussionsrunde an das ursprüngliche Ziel von mehr Energieeffizienz. „Wir müssen uns fragen: was wollen wir eigentlich? CO2 einsparen? Dann müssten wir keine Energie kostenintensiv einsparen, wenn sie regenerativ erzeugt wurde.“

Erfahrungen aus der Praxis steuerte Hans-Lothar Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Techem, bei. „Wir werten seit 20 Jahren Energieeffizienzdaten aus”, sagte er, “und stellen dabei fest, dass seit 2007 die Energieeinsparungen trotz vieler Investitionen stagnieren.“ Gründe dafür gebe es viele.

Ein dreifach isoliertes Fenster sei wirkungslos, wenn es offen stehe, sagte Schäfer. So erkläre das Nutzerverhalten auch, dass energiesanierte Gebäude beim Energieverbrauch teilweise schlechter abschneiden als unsanierte. Schäfer plädierte deshalb für Maßnahmen, die keiner großen Investition bedürften, jedoch ein großes Energieeinsparpotential besäßen.

Hoch effiziente Wärmepumpen und intelligente Heizungsregelung könnten beispielsweise zu großen Energieeinsparungen führen. Die vergleichsweise kostengünstigen Maßnahmen sind auch für Wohnungsgenossenschaften attraktiv.

Der Teufel der Energiesanierung, das zeigte die Diskussion an diesem Abend, steckt im Detail. Außerdem war auffällig, dass während der gesamten Debatte der Fokus auf der Sanierung der technischen Anlagen lag. Von Dämmmaterialien und Gebäudeisolierung war kaum die Rede.

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Crowdfunding-Festival in Berlin: Das sind die drei spannendsten grünen Startups

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Seit einigen Jahren müssen junge Unternehmensgründer und Gründerinnen nicht mehr auf Investitionen einzelner Investoren oder Banken hoffen. Stattdessen präsentieren sie ihre Geschäftsideen der Internet-Gemeinde und sammeln so Geld. Dieses Crowdfunding ist schon lange keine Seltenheit mehr bei der Finanzierung von Projekten. Und auch die Beträge, die im Netz zusammenkommen, können es locker mit einem Bankdarlehen aufnehmen: Für einige Projekte geben die Unterstützer teilweise mehr als eine Millionen Euro.

Kein Wunder, dass nicht nur die Zahl der Startups wächst, die sich über das Netz finanzieren – auch die Menge der Plattformen, auf denen sie ihre Ideen präsentieren, nimmt zu. Sogar der Staat mischt mit. Demnächst geht zum Beispiel die Seite EcoCrowd des Umweltbundesamtes online. Etwa zeitgleich wird Oneplanetcrowd in Deutschland starten. Über die niederländische Plattform haben Unternehmen seit der Gründung vor etwas mehr als einem Jahr bereits mehr als 2,5 Millionen Euro gesammelt und damit etwa 35 Projekte finanziert.

Doch um welche Plattform es sich auch immer handelt, eines haben sie alle gemeinsam: sie existieren nur digital im World Wide Web.

Die Initiative One Spark, zu deutsch ‘Ein Funke’, verfolgt ein anderes Konzept. Anstatt auf das Internet zu setzen, bringt sie das Crowdfundingprinzip in die analoge Welt – und zwar als Festival.

Seit dem Start im vergangenen Jahr haben Besucher von One Spark mehr als 1.000 Künstler, Unternehmensgründer und Visionäre mit 4,75 Millionen US-Dollar versorgt. Bereits zweimal fand das Festival in Jacksonville, im US-Bundesstaat Florida statt. Das Siegerunternehmen des ersten Crowdfundingfestivals, welches im letzten Jahr stattfand war Rethreaded. Dieses Unternehmen bindet Opfer von Menschenhandel als Angestellte in der Kleidungsproduktion ein und verkauft die Produkte vor Ort und über das Internet.

Nun folgte das Netzwerk dem Ruf Berlins als Hauptstadt der europäischen Startup-Szene und veranstaltete das bisher wohl größte Crowdfundingfestival auf deutschem Boden.

In der Platoon Kunsthalle in Berlin trafen sich am vergangenen Wochenende 50 kreative Köpfe darunter auch Musiker und Künstler aus Deutschland, Italien, Schweden, Polen, Chile, Israel und den USA, wo sie sich und ihre Ideen den rund 5.000 Besuchern präsentierten. Außerdem gab es für eine handvoll Projekte 23.000 Euro Preisgeld, über die eine Jury und die Besucher abstimmten.

Doch nicht nur Crowdfunding generell boomt, sondern auch das Gründen grüner und nachhaltiger Startups. Die drei interessantesten Projekte vom Festival wollen wir auch Ihnen nicht vorbehalten:

1. Clicc – mobile Solarzellen nach dem Baukastenprinzip

Kleine, mobile Solarlader für Smartphones und Laptops gibt es inzwischen von vielen Anbietern. Doch das Startup Clicc aus Berlin hat eine neue Idee: Die beiden Gründer Andreas Guba und Oliver Lang wollen äußerst günstige und handliche Solarzellen anbieten, die sich im Baukastenprinzip zu größeren Einheiten zusammenschließen lassen. Nur sieben Euro kostet ein einzelnes Mini-Panel, das im Quadrat vier Zentimeter misst und so in jede Tasche passt. Mit dem passenden Stecker lässt sich laut den Gründern mit einem Ensemble von sechs Paneelen innerhalb von zwei Stunden genug Strom produzieren, um ein Smartphone eine Stunde zu betreiben.

Ihr Unternehmen bekam dieses Jahr auf der Innovationsmesse in Nürnberg zudem die Silbermedaille. Außerdem sind sie für den German Design Award 2015 nominiert. Bei dem One Spark Crowdfunding-Festival bekamen sie nur einen geringen Anteil des vom Publikum indirekt verteilten Preises. Aber das können sie wohl verschmerzen. Denn Clicc hat auf der Crowdfunding-Plattform Innovestment kürzlich in nur einer Woche die Höchstsumme von 100.000 Euro an stillen Beteiligungen gesammelt. Dabei werden Investoren an den Umsätzen beteiligt, ohne in der Außenwirkung des Unternehmens in Erscheinung zu treten.

2. Balcon-e – Solaranlagen für den Balkon
Auch das Startup Indielux aus Berlin hat sich der Solarenergie verschrieben – nur in etwas größerer Form als Clicc. Indielux bietet Kleinkraftwerke für den Balkon. Aber auch das ist keineswegs eine neue Idee. Die Gründer wollen aber mit Benutzerfreundlichkeit punkten. Die Solaranlagen sollen so einfach zu montieren sein wie ein Ikearegal. Das patentierte Konzept scheint diesem Versprechen gerecht zu werden. Das Solarpanel wird auf der Balkonbrüstung eingehakt und dank eingebautem Wechselrichter kann der Strom direkt genutzt werden. Mit ihrem Unternehmen haben die Gründer Marcus Vietzke, Katharina Fabian und Fabian Friedrich große Ziele. Das Team errechnete, dass ein Verbraucher mit ihrem System im Vergleich mit dem Strom aus der Steckdose etwa 145 Kilogramm des Treibhausgases CO2 pro Jahr einsparen würde. Das ist ungefähr so viel wie ein sparsamer Pkw auf 1400 Kilometern in die Atmosphäre pustet.

Auf die Menge der Balkone in Deutschland hochgerechnet, kamen sie auf ein CO2-Reduktionspotenzial von 188.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Das Problem für Indielux ist aber dasselbe wie für alle Anbieter von Plug-In-Solaranlagen: Noch scheinen die Verbraucher der Sicherheit der Anlagen nicht zu trauen. Und wer den Strom nicht direkt verbraucht, kann ihn nicht einmal ins Netz einspeisen. In den USA gibt es teilweise die Möglichkeit, dass auch die Kleinsolaranlagen ihren produzierten Strom in die öffentliche Stromversorgung einbringen. Der Stromzähler des Besitzers läuft dann rückwärts.

Doch an dieser Stelle verändern sich die Signale an den Markt. Bereits vor einem Jahr wurde in dem Entschließungsantrag zur Strom- und Wärmeerzeugung in Brüssel „bekräftigt, dass Stromerzeugung in kleinstem Maßstab künftig von wesentlicher Bedeutung für die Stromerzeugung sein wird, wenn die EU langfristig ihre Ziele für erneuerbare Energiequellen erreichen will.“ Nun sind die EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert, Hemmnisse der Stromproduktion durch die Mikroanlagen abzubauen. Die Mühlen mahlen langsam, doch sie mahlen.

3. EcoToiletten – Trockentoiletten für einen guten Zweck
Der Publikumsliebling in Berlin waren aber nicht etwa die Solarunternehmen, die Wohnungsbesitzern zu einer grüneren Energieversorgung verhelfen wollen. Nein, es waren die Ökotoiletten des Startups EcoToiletten, das den Publikumspreis des Festivals und damit etwa 700 Euro gewann.

Wie manch anderer Trockentoilettenhersteller setzt auch das Jungunternehmen aus Berlin auf die Trennung des Geschäfts in Flüssiges und Festes. Die Toiletten sind mit einer Streuschicht aus Rindenschrot und Sägespänen befüllt. Sie saugt die Feuchtigkeit auf, unangenehmen Gerüche entstehen nicht. Nach der Benutzung wird der Inhalt auf dem Gelände des Unternehmens kompostiert und soll in Zukunft als fruchtbarer Humus an Landwirte und Gartenbesitzer verkauft werden.

Innenansicht-EcoToi

So sehen die Klos von innen aus. Bild: EcoToiletten

Die Idee für EcoToiletten entstand vor zwei Jahren, als die Gründer Kevin Kuhn, Thomas Jakel und Sven Riesbeck Trockenklos in einem indischen Dorf mit ihrem Verein Non-Water Sanitation installierten.

Dabei kooperierten sie mit Guts For Change und der German Toilet Organization. In dem Dorf kamen zuvor auf 385 Einwohner nur 21 Latrinen. Inzwischen hat, bis auf einzelne Ausnahmen, jeder Haushalt eine Trockentoilette. Diesen Erfolg wollten die Gründer mit ihrem Startup fortsetzen und mit dem Unternehmen die Aktivitäten des Vereins unterstützen. Noch beschränkt sich die Vereinsarbeit auf Indien, doch schon nächstes Jahr sollen Projekte in Lateinamerika und Afrika dazu kommen.

Eine Nachfrage gäbe es: Von den sieben Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, besitzen sechs Milliarden ein Handy aber nur 4,5 Milliarden Menschen haben Zugang zu Toiletten oder Latrinen.

Das Startup von Kuhn, Jakel und Riesbeck will aber auch hierzulande Aufmerksamkeit für die globale Toilettenmisere schaffen, indem sich Festivalbetreiber und Großveranstalter die umweltfreundlichen Komposttoiletten leihen und dabei den Verein Non-Water-Sanitation unterstützen. EcoToiletten steckt zehn Prozent der Umsätze in die Finanzierung von Projekten zur Verbesserung der sanitären Lage weltweit.

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Pilze an der Decke: Designerin entwirft wachsende Lampe

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Pilze in der Wohnung sind normalerweise nicht willkommen. Das könnte sich bald ändern. Denn das Myzel, also das Zellennetzwerk von Pilzen, wird zunehmend als Material für Möbel und den Hausbau genutzt.

Bereits heute produziert beispielsweise das US-Startup Ecovative Isolier- und Verpackungsmaterial bis hin zu Surfboards mit der Hilfe von Pilzen. Auch das New Yorker Architekturbüro The Living, das in diesem Jahr das Young Architects Program des Museum of Modern Art (MOMA) gewann, hat schon einen Turm ganz aus Pilzmaterial gebaut.

Wachsende Lampe

Die ebenfalls in New York ansässige Designerin Danielle Trofe findet jedoch, dass Pilzmyzel sich für noch mehr Anwendungen eignen. Sie will die Zellen nun auch für die Innenausstattung nutzen.

Das Besondere: Sie nutzt nicht einfach Baustoffe aus Pilzmyzel, sondern lässt den Pilz in Lampenschirmform wachsen. Dafür mischt sie auch landwirtschaftliche Nebenprodukte wie Getreidehalme und die Schalen von Getreidekörnern in die Formen. Während der Pilz wächst, bindet er das Biomaterial. Nach einigen Tagen lässt sich der Pilz durch Erhitzen und Trocknen abgetöten, fertig ist der Lampenschirm mit dem Namen Mush Lume. Wer den Lampenschirm irgendwann entsorgen möchte, kann diesen ganz einfach kompostieren.

Die Pilzlampe von Danielle Trofe (Copyright: Trofe)

Die Pilzlampe von Danielle Trofe (Copyright: Trofe)

Der Lampenschirm ist mit einer biologisch abbaubaren Farbe auf Milchbasis beschichtet und damit nicht nur geweißt, sondern nach Angaben der Designerin auch wasserabweisend. Die Pilzlampe lässt sich also ohne Bedenken überall aufhängen, auch dort wo es wie in Küche und Bad viel Wasserdampf gibt.

Produktionsstart in den kommenden Wochen

Die Designerin Trofe fiel schon öfter mit innovativem, grünem Design auf. Zum Beispiel entwickelte sie einen Tisch mit integrierter Sanduhr, die eine LED-Leuchte antreibt. Auch konzipierte sie kleine, sich selbst versorgende Zimmergärten.

Eine Lampe, die ihre Herkunft nicht verschleiert. (Copyright: Danielle Trofe)

Eine Lampe, die ihre Herkunft nicht verschleiert. (Copyright: Danielle Trofe)

Wie teuer die Pilzlampe sein wird, steht noch nicht fest. Die Produktion beginnt erst in den kommenden Wochen. Natürlich schneiden geflochtene Korblampenschirme oder anderen Naturmaterialien in ihrer Ökobilanz auch gut ab – vor allem bei kurzen Transportwegen. Doch im Vergleich zu einer Durchschnittslampe, sind die Schirme von Danielle Trofe nicht nur eine ökologische, sondern auch eine sehr schicke Alternative.

Sollte sich Pilzmyzel zukünftig in größerem Maßstab züchten lassen, denken wir vielleicht eines Tages beim Wort Pilz nicht nur an Pfannengerichte, sondern auch an Surfbretter und Lampenschirme.

Hier noch ein Video, in dem die Designer erklärt, wie sie auf die Idee für die Pilzlampe kam:

Mush-Lume, A Lamp GROWN from Mushrooms from Danielle Trofe on Vimeo.

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Auf den Hund gekommen: 5 Produkte, die Vierbeiner zu Ökos machen

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Zugegeben: Zunächst mag einem die Hundehaltung wie ein Nischenmarkt vorkommen. Was spielt es da schon für eine Rolle, ob das Futter vegetarisch ist oder die Plastiktüten für die Hinterlassenschaften biologisch abbaubar?

Doch laut einer Studie der Universität Göttingen umfasst die Hundehaltung in Deutschland einen Umsatz von etwa fünf Milliarden Euro. Ganze 100.000 Arbeitsplätze sind laut der Studie mit der Hundehaltung verknüpft.

Natürlich ist dieser Umsatz nicht nur auf Hundefutter zurückzuführen. Für den besten Freund des Menschen gibt es auch Hundesalons, Hundehaftpflichtversicherungen und Hundeschulen, inzwischen sogar Luxushotels.

Inzwischen versuchen auch immer mehr Hersteller umweltbewusste Hundehalter mit ihren Produkten zu überzeugen. Zeit also, fünf der nachhaltigen und teilweise skurrilen Ideen und Produkte vorzustellen:

Hundehütte aus Holz

Praktisch alle Hundehütten sind aus Holz gebaut. Doch diese Hundehütte wurde von den Testern von wegreen mit der Note 2,1 als besonders nachhaltig ausgezeichnet. Der Online-Marktplatz für umweltbewusstes und faires Einkaufen hat auf die Kriterien Umwelt- und Klimaschutz, die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung und gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens geachtet. So wurde zum Beispiel die Nachhaltigkeitsberichterstattung des Herstellers Woody und die Zusammenarbeit mit den Zulieferern überprüft. Die Hundehütte ist außerdem mit einer Farbe auf Wasserbasis bestrichen.

Bio-Hundespielzeug

Faires Hundekissen (Bild via BecoThings)

Faires Hundekissen (Bild via BecoThings)

Der britische Hersteller von nachhaltigem Hundezubehör BecoThings setzt ausschließlich auf Naturmaterialien. Die angebotenen Bälle oder Taue bestehen aus Pflanzenfasern, kommen ohne Weichmacher aus und kosten etwa fünf bis acht Euro. Erhältlich sind sie in dem Online Shop Second Hound, der sich auf Produkte für den umweltbewussten Hund spezialisiert.

Vegetarisches Futter

Viele vegetarische Hundehalter fragen sich, was denn ihr Fleischverzicht bewirkt, wenn ihre Hunde Unmengen davon vertilgen. Bereits 2009 machten die neuseeländischen Autoren Brenda und Robert Vale mit ihrem provokativen Buch „Es ist Zeit, den Hund zu essen – der wahre Führer zu einem nachhaltigen Leben“ auf den Fleischverbrauch der Vierbeiner aufmerksam. Sie errechneten in ihrer Studie, dass ein mittelgroßer Hund pro Jahr 164 Kilogramm Fleisch und 95 Kilogramm Getreide vertilgt. Die aufsummierte Fläche um das Geflügel und Getreide zu erzeugen, beträgt immerhin 0,84 Hektar pro Jahr.

Grund genug, für alle umweltbewussten Hundehalter über die Zusammensetzung des Hundefutters nachzudenken. Green Petfood bietet ihnen vegetarisches Hundefutter an. Ob jede Hunderasse teilweise oder komplett vegetarisch ernährt werden kann, diskutieren die Hundehalter auf heftige Art und Weise in ihren Foren. Green Petfood wirkt von dieser Diskussion recht unbeeindruckt und lockt seine Kunden mit vegetarischem Futter, das nicht nur auf Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe, sondern auch auf Weizen und Soja verzichtet. Es scheint so, als wäre das Hundefutter kontrollierter und Allergiker-freundlicher als die Speisen der meisten Kantinen und Mensen. Eine 15 Kilogramm Packung kostet dementsprechend allerdings auch knapp 60 Euro.

Biologisch abbaubare Hundetüten

Pro Jahr geben Städte und Gemeinden etwa 144 Millionen Hundekotbeutel durch Beutelspender aus. Das entspricht immerhin knapp vier Prozent der in Deutschland verbrauchten Plastiktüten. Zusätzlich zur Masse ist der Einsatzort der kleinen Beutel für die Hinterlassenschaften der Hunde problematisch. Die Tüten landen nämlich nicht nur im Mülleimer, sondern oft auch in Parks, Grünanlagen oder Gewässern.

Arne Krämer störte das schon vor Jahren, als er an der Hamburger Binnenalster entlang joggte und innerhalb einer Stunde 97 Hundebeutel zählte. Kurzerhand machte er die Tüten zum Thema seiner Bachelorarbeit und konzipierte den biologisch abbaubaren Hundebeutel von Folag. Dieser ist nicht nur abbaubar, sondern mit 1,9 Cent proTüte auch günstig. Damit ist der Beutel nur unwesentlich teurer, als ein herkömmlicher Beutel, der 1,3 Cent kostet.

Der Abbauprozess des Beutels variiert durch Faktoren wie die Sonneneinstrahlung, der Temperatur, Feuchtigkeit und dem Vorhandensein von Mikroorganismen. Unter ungünstigen Bedingungen, würde die komplette Verrottung mehrere Monate dauern. Im Vergleich zu der Abbaudauer von mehreren Jahrzehnten eines herkömmlichen Beutels, fiele die Umweltbelastung dennoch sehr viel geringer aus.

Bioenergie aus Hundekot

Der Ex-Banker Gary Downie hat mit seinem Startup Streetkleen ein Konzept entwickelt, wie sich Hundekot am besten einsammeln und in einem kleinen Bioreaktor vergären lässt. Dünger, Wärme und Methangas zur Verstromung sollen die Ergebnisse sein. Zwischenprodukte und Nebenprodukte, wie das im Bioreaktor entstehende CO2, sollen zudem mittels Algen weiter zu nutzbarer Biomasse umgesetzt werden. Momentan steht das Unternehmen mit der Royal Parks Foundation in London in Verhandlungen, um ihr System im kommenden Jahr aufzubauen.

Genug Treibstoff für das Hundekot-Kraftwerk dürfte Downie zusammenbekommen. Laut Streetkleen sorgen die neun Millionen Hunde in Großbritannien pro Jahr für mehr als eine Millionen Tonnen organischen Abfall. Ob es aber wirklich wirtschaftlich ist, die Hinterlassenschaften zu sammeln und zu nutzen, muss sich erst noch zeigen.

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Neuer Kartendienst für Stadtgärtner: Zeigt her eure Brachen!

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Urban Gardening, das Gärtnern in der Stadt, ist fast schon ein alter Hut. Seit etwa fünf Jahren ist die Neuauflage des guten alten Schrebergartens in aller Munde. Doch finden sich Stadtgärtner zusammen, steht vor dem ersten Spatenstich erst einmal die Suche nach einer geeigneten Grünfläche an. Je nach Metropole sind sie nicht gerade übermäßig vorhanden – und wenn, dann sind sie nicht immer sofort als solche zu erkennen. Selbst wenn die Gärtner dann eine Fläche ausgemacht haben, kann es dauern, bis die Besitzverhältnisse und Bedingungen für die Nutzung geklärt sind.

Die beiden US-Stadtgartenfans Paula Segal und Eric Brelsford wollen das langwierige Prozedere mit ihrem Projekt Living Lots abkürzen – einer Internetplattform, auf der digitale Karten brachliegender Flächen verfügbar sind. Interessierte können sich so ohne viel Aufwand einen Überblick verschaffen, wo sie Flächen bewirtschaften können.

Atlas für Stadtgärtner

Erste Erfolge hat das Projekt auch schon vorzuweisen: Bereits 25 Gruppen haben über den Kartendienst brachliegende Flächen gefunden. Die interaktiven Karten sind nicht nur für New York, sondern auch für Los Angeles, New Orleans und Philadelphia verfügbar.

Die Plattform macht auch Informationen wie zum Beispiel Belastungen durch Schadstoffe und die Besitzverhältnisse öffentlich. Wer als Landbesitzer Flächen zur Verfügung stellen will, kann sie einfach auf der Plattform eintragen. Anwohner oder die Stadtverwaltung können auch auf freie Flächen in der Nachbarschaft hinweisen. Am Ende soll eine Art großer Flächennutzungsplan entstehen.

Nun wollen Paula Segal und Eric Brelsford das Kartensystem auch nach Deutschland bringen. Dafür haben sie sich mit ihrem Konzept beim Orange Social Design Award beworben, der Ende Oktober erstmals von dem Kultur- und dem Online-Ableger des Wochenmagazins Der Spiegel vergeben wird.

Die Idee kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn der Urban-Gardening-Boom ist ungebrochen. In London wurden durch das Projekt Capital Growth von 2008 bis 2012 ganze 2298 kleine Gärten auf über 50 Hektar Brachflächen aufgebaut. Laut Schätzungen ernteten die Londoner im vergangenen Jahr in ihren Gärten 750.000 Tomaten, 300.000 Kürbisse und Zucchinis und 15.000 Äpfel. Stadthühner legten zudem rund 100.000 Eier. Zusammengenommen produzierten die Gemeinschaftsgärten 357 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,8 Millionen Euro.

Ob nun die Krautgärten in München, der Rosa-Rose-Garten in Berlin, der Stadtgarten in Nürnberg oder der Hack-Museumsgarten in Ludwigshafen, auch in Deutschland ist die Anzahl der Urban-Gardening-Projekte stark ansteigend.

Kritik am Gardening-Trend

Jedoch können sich nicht alle mit dem Trend zum privat kultivierten Grün in der Stadt anfreunden. In der Bay Area in Kalifornien meldeten sich zuletzt immer mehr Gegner zu Wort, die den Pflanzboom für die Verteuerung von Bauland und Wohnraum mitverantwortlich machen.

Der Hintergrund: San Francisco vergibt Steuererleichterungen an Landbesitzer, die ihre Flächen für Urban-Gardening-Projekte zur Verfügung stellen. Aber die Stadt ist beliebt und Sehnsuchtsort für viele Unternehmensgründer, Studenten und Glücksritter (auch wegen ihrer Offenheit für Trends wie das Urban Gardening) – folglich explodieren die Mieten. Das passt nicht für alle mit Subventionen für die landwirtschaftliche Nutzung von Stadtfläche zusammen.

Doch der Preis von Baugrund und Miete sollte in teuren Städten nicht gegen Grünanlagen und Gärten sprechen. Sonst würden diese auch sehr schnell ihre Attraktivität verlieren. Außerdem muss auch nicht immer eine Konkurrenzsituation zwischen Wohnraum und Stadtgarten entstehen.

So zum Beispiel bei der Nutzung von Dachflächen. Gerade Dächer von Parkhäusern eignen sich für Urban-Gardening besonders, da es sich um Flächen handelt, die meist zu keinem anderen Zweck genutzt werden können. In Berlin und Stuttgart beispielsweise haben sich solche Gärten auf Parkhausdächern bereits etablieren können. In Berlin gibt es zudem die Initiative Dachgärten für alle, die die Dächer von Mietshäusern begrünen will.

Weiterlesen im Beitrag Neuer Kartendienst für Stadtgärtner: Zeigt her eure Brachen!

Nahrung: Unser skandalöser Umgang mit Fleisch

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Dass viele Lebensmittel unnötigerweise im Müll landen, ist weithin bekannt – dass speziell auch unser Fleischkonsum mit einer gigantischen Verschwendung einhergeht, dagegen weniger. Wie groß die Verschwendung ist, das haben die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und die deutsche Ausgabe von Le Monde Diplomatique jetzt in ihrem aktuellen Fleischatlas zum Thema “Abfall und Verschwendung” untersucht.

Demnach “wirft” jeder Bundesbürger pro Jahr mehr als vier Kilogramm Fleisch weg. Das ist aber keineswegs das Fleisch, das nach dem Einkauf im Müll landet, sondern das Gewicht der Tiere, die vor der Schlachtung verenden. Zu den Kollateralschäden der Fleischindustrie kommen noch die Konsumvorlieben der Verbraucher hinzu. Von den Tieren, die tatsächlich in die Schlachtung gelangen, landet am Ende nur rund die Hälfte des Fleisches in den Supermärkten.

Hähnchen in der Druckertinte

Im Einzelnen sehen die Daten so aus: In Deutschland verenden laut Fleischatlas etwa 20 Prozent aller Schweine bereits vor Ankunft auf dem Schlachthof. Das entspricht 4,1 Millionen Tieren pro Jahr. Hinzu kommen 45 Millionen Hühnchen und 230.000 Rinder, die vor der Schlachtung sterben.

Tiere, die durch Seuchen verenden, müssen die Landwirte gesondert entsorgen, um weitere Infektionen zu vermeiden. Tiere, die während der Mast sterben, werden von der Industrie meist für nicht essbare Produkte verwertet.

Außerdem entstanden 2013 bei 11,4 Millionen Tonnen Lebendgewicht der geschlachteten Tiere etwa 4,9 Millionen Tonnen sogenannte „tierische Nebenprodukte“. Darunter fällt alles, was keine Abnehmer in den Supermärkten findet wie zum Beispiel Innereien, Fette, Borsten, Knochen, Magen- und Darminhalte. Einen großen Anteil davon benutzt die Industrie als Basis für Textilien, Seifen, Waschmittel, Kosmetika, Arzneimittel, Gummi, Farben, Kunststoffe, Druckertinte und organischen Dünger. Diesen Produkten sind ihre tierischen Inhaltsstoffe kaum anzusehen.

So ist nicht nur die Sterberate vor der Schlachtung, sondern auch der Anspruch der Verbraucher für den verschwenderischen Umgang mit Fleisch verantwortlich. Je nach Tierart verspeisen wir nur noch ein Drittel des Tieres direkt. Waren Blutwurst, Kuttelsuppe, Hirn, Zunge, Leber, Niere, Eisbein und Ochsenschwanz in den 1960ern und 1970ern noch gern gesehen auf dem Sonntagstisch, sind diese Speisen heute meist nur noch für Traditionalisten oder Gourmets interessant.

1984 verspeiste jeder Westdeutsche durchschnittlich 1,5 Kilogramm Innereien, 2002 waren es noch 650 Gramm im gesamtdeutschen Durchschnitt, im vergangenen Jahr waren es nur noch 150 Gramm.

Dass Fleisch angesichts der anwachsenden Vegetarierbewegung zur „Zigarette der Zukunft“ wird, ist dennoch nicht wahrscheinlich. Zwar nimmt der Fleischkonsum leicht ab, doch die Nachfrage nach den edlen Teilen, den Filetstücken, steigt. Vor allem gesundheitsbewusste Menschen überall in Europa ziehen die zarte und fettarme Geflügelbrust dem Rest des Tieres vor. Hühnerrücken und Hühnerhälse hingegen werden häufig nicht mal mehr in einer Suppe verarbeitet.

15.000 Liter Wasser für ein Kilo Rindfleisch

Dass ein beträchtlicher Teil der Tiere am Ende gar nicht für den menschlichen Verzehr stirbt, ist nicht nur aus ethischer Sicht problematisch. Es bedeutet auch eine unnötige, gigantische Ressourcenverschwendung.

Denn in unserem Fleisch stecken nicht nur Proteine und Fett, sondern auch eine gute Portion Wasser und Land. 15.000 Liter Wasser sind nötig, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Davon trinkt das Tier in seinem Leben aber nur einen kleinen Teil. Der Großteil wird für den Anbau des Futters und ein wenig für die Stallreinigung verbraucht.

Außerdem wird Fläche verbraucht, um zum Beispiel ein Rind zu halten. Um ein Kilo Rindfleisch auf unsere Teller zu bringen, sind laut einem WWF-Report außerhalb der EU bis zu 49 Quadratmeter nötig. In Deutschland sind es hingegen nur 27 Quadratmeter, allerdings ernährt sich hier das Vieh weniger auf Weideflächen. Für die wird in Schwellenländern aber häufig auch Regenwald gerodet, für den Futtermittelanbau sowieso. Umso ärgerlicher ist es, wenn das mit viel Aufwand und Ressourcen produzierte Fleisch nicht einmal in unseren Einkaufskörben landet.

Die Zahlen für Fleisch mögen drastisch klingen, doch die Verlustquote bei anderen Lebensmitteln übertrifft diese sogar noch. Die Welternährungsorganisation (FAO) geht davon aus, dass fast ein Drittel aller Lebensmittel entweder verdirbt oder unverdorben weggeworfen wird. Das bedeutet nach Informationen des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, dass ein Bundesbürger in etwa sein Eigengewicht (82 Kilogramm) pro Jahr in Form von in Lebensmitteln indirekt oder direkt entsorgt.

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Urban Farming in Berliner Schule: Startup züchtet Welse und Bananen

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Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, gleichzeitig wachsen die Megacities weltweit dramatisch an. Auch der Wohlstand wächst im globalen Durchschnitt, und immer mehr Menschen wollen regelmäßig Fleisch und Fisch zu sich nehmen. Doch die Weltmeere sind überfischt.

Einige Startups sehen beide Entwicklungen aber nicht als Bedrohung, sondern als Chance, um Landwirtschaft und Fischzucht in der Stadt zu kombinieren. Beispiele sind das Jungunternehmen ECF in Berlin oder Green Acre Aquaponics in den USA. Das Besondere an ihrem Ansatz: Sie düngen mit einem als Aquaponic bezeichneten Verfahren mit den Fischausscheidungen die Pflanzen, wie Tomaten, Salat oder Gurken, die in einem Gewächshaus neben der Fischzucht wachsen.

Nun gibt es in Berlin mit Topfarmers ein weiteres Aquaponic-Startup, das die Unternehmerin Anne-Kathrin Kuhlemann mit einigen ihrer Kollegen des Beratungsbüros Blue Economy Solutions aufbaut. Das Jungunternehmen ist unter seinen Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes ein Exot. Statt ausschließlich Tomaten, Gurken und anderes Gemüse zu setzen, kultivieren TopFarmers auch Südfrüchte wie Bananen, Chilis, Maracujas, Kiwis und Papayas.

Wels schlägt Barsch

Das Kalkül: Die Früchte erzielen einen höheren Preis als heimisches Gemüse, die Anlage wird profitabler. Außerdem entfällt der umweltunfreundliche Transportweg aus dem Ausland. Die Unternehmer kalkulieren mit etwa drei Tonnen Südfrüchten pro Jahr auf 1.000 Quadratmeter Anbaufläche.

Die bisher aktiven Aquaponicunternehmen setzen zudem auf Tilapiabarsche oder begehrte Süßwasserfische wie den Zander in ihrer Zucht. Topfarmers hingegen züchtet den afrikanischen Raubwels. Der soll besser an die Enge der Wasserbehälter angepasst sein, da die Tümpel seiner Vorfahren ebenfalls oft nahezu austrocknen und eng werden.

Dass das System funktioniert, zeigt ein Pilotprojekt in Berlin. Seit über einem Jahr kooperiert Kuhlemann mit der August-Sander-Schule im Stadtteil Friedrichshain. Dort absolvieren Jugendliche im Bereich der Stadtgärtnerei ein berufsvorbereitendes Jahr. Anstatt sich nun mit Grünflächen und Friedhöfen zu beschäftigen, werden sie auf einer Fläche von 100 Quadratmetern zu Aquaponicspezialisten ausgebildet. Sie züchten auf dem Schulgelände in zwei Kubikmeter-großen Wassertanks  jeweils 200 bis 250 Fische. Eine Tonne Fisch pro Jahr wächst in den Becken heran.

Großprojekt in Berlin geplant

Die Investitionen in das Projekt betragen bisher eine von den Unternehmern nicht näher genannte Summe im sechsstelligen Bereich. Bisher stammt das Geld aus privaten Quellen. Um weitere Kosten an der Schule zu decken, startete Topfarmers eine Crowdfundingkampagne auf der auf nachhaltige Projekte spezialisierten Online-Plattfrom Ecocrowd.

Doch es soll nicht bei der Schule bleiben. Kuhlemann und ihr Team befinden sich in Verhandlung mit Ostberliner Baugrundbesitzern, um ein großes Areal zu ergattern. Läuft alles nach den Plänen des Unternehmens, kultivieren sie bereits ab Frühjahr 2015 Fisch und Pflanzen auf 2000 Quadratmetern. Damit wären sie dann die flächengrößte Aquaponicfarm Europas. Ist die Fläche gefunden, soll die Suche nach Investoren beginnen.

Ideal wäre ein Baugrund in der Nähe von Industrieanlagen oder Kraftwerken. Dort fällt Abwärme als Nebenprodukt an, die dann für die Fischzucht genutzt werden könnte. Schließlich mögen es die Fische, wenn ihr Wasser rund 25 Grad Celsius hat. Die exotischen Pflanzen profitieren wiederum von der Abwärme des mollig warmen Wassers. In der Schule reicht bisher die anliegende Fernwärme völlig aus und es mussten keine Kapazitäten ausgebaut werden.

Nachhaltigeres Futter

Doch auch die Fischzucht in der Stadt ist nicht automatisch nachhaltig. Manche Umweltschützer kritisieren den Anteil von Tierbestandteilen bei Fischzuchtfutter. Schließlich würden die Meere weiter leer gefischt, um das nötige Fischmehl und Fischöl zu produzieren. TopFarmers nutzt momentan Futter mit einem Anteil von immerhin 30 Prozent Fischmehl oder Schlachtabfällen. Damit liegen sie unter den Fleischanteilraten von vielen großindustriellen Futtermitteln, die oft komplett aus tierischen Proteinen bestehen.

Zwar gibt es auch Fische, die sich vegetarisch ernähren, wie der Karpfen, doch nur wenige Fische sind so stressunanfällig und “effizient” wie der afrikanische Raubwels. “Es mag vielleicht unglaublich klingen, aber der Wels braucht nur 900 Gramm Futter um ein Kilogramm Eigengewicht aufzubauen”, sagt Anne-Kathrin Kuhlemann. Zum Vergleich: ein Thunfisch verbraucht bis zu 20 Kilogramm Futter, um ein Kilo schwerer zu werden.

Die Kombination des genügsamen Welses mit den Südfrüchten begeisterte auch die Jury des Social Entrepreneurship Wettbewerb, der von der Bayrischen EliteAkademie ausgerichtet wird. Topfarmers belegte dort den zweiten Platz.

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Grüne Startups: 5 Regeln für erfolgreiche Jungunternehmer

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Ob Fischfarmen in Berlin oder künstliche Bäume, die Feinstaub aus der Luft ziehen: Viele grüne Startups begeistern mit ihren Ideen. Doch viele junge Unternehmen verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Laut dem Startups R.I.P.-Report „sterben“ 71 Prozent der jungen Unternehmen bereits etwa 20 Monate nach ihrer letzten Finanzierungsphase.

Doch das muss nicht sein, wie die vielen erfolgreichen Startups zeigen, die es bis ins Erwachsenenalter schaffen. Welche Regeln Gründer befolgen müssen, um die Hürden zu überwinden, lässt sich am Beispiel von Fairmondo beispielhaft zeigen – einem der ambitioniertesten Nachhaltigkeits-Startups in Deutschland.

Fairmondo (2012 als Fairnopoly gegründet) ist ein Onlinemarkt, der als Alternative zum Branchenriesen Amazon Internet-Shopping für nachhaltige Produkte anbietet und dabei selbst nachhaltig arbeiten will. Das Team um den Gründer Felix Weth will faire Produkte und Transparenz vorziehen, statt auf dem Rücken der Mitarbeiter den großen Reibach zu machen. Fünf große Herausforderungen mussten Weth und sein Team seit der Gründung überwinden, anhand derer sich auch Regeln für erfolgreiche Gründer formulieren lassen:

1. Die passende Finanzierungsidee für das Startup finden

Die Beschaffung von Kapital für die eigene Geschäftsidee ist das größte Hindernis für Jungunternehmer, wie der Bundesverband Deutscher Startups im letzten “Startupmonitor” zeigte. Von 903 befragten Jungunternehmen gaben 38 Prozent an, dass der Zugang zu Venture Capital ein „schweres“ beziehungsweise „äußerst schweres“ Hemmnis sei.

Das passt zum Gesamtbild. Laut dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) investieren Wagniskapitalgeber in Deutschland nur wenig in junge Unternehmen. 2012 handelte es sich um 521 Millionen Euro und damit um ein gutes Viertel weniger als im Jahr 2011. Zum Vergleich: In den USA wurden im Jahr 2012 rund 27 Milliarden Dollar in Startups investiert.

Fairmondo musste jedoch nicht erst auf einen Wagniskapitalgeber warten. Die Berliner setzten von vornherein nicht auf Kredite sondern auf eine Finanzierung über eine Genossenschaft und Crowdfunding. Für einen Betrag zwischen 50 und 10.000 Euro kann jeder Interessent Anteile am Unternehmen erwerben. Die Obergrenze soll verhindern, dass sich ein Genosse die Entscheidungshoheit erkauft. Momentan hat die Genossenschaft mehr als 1.800 Mitglieder.

2. Auffallen in der Flut von Crowdfunding-Kampagnen

Fairmondo fuhr zwei große Finanzierungsrunden über die Crowdfunding-Plattform Startnext, bei denen das Startup den stattlichen Betrag von 380.000 Euro einsammeln konnte. Hinzu kamen noch zwei kleinere, projektbezogene Runden. Doch die zunehmende Flut von Crowdfunding-Kampagnen macht es immer schwerer, Aufmerksamkeit bei potenziellen Geldgebern zu erzielen. So wurden allein auf Startnext bis Ende Juni 2014 knapp 3.100 Projekte vorgestellt, jedoch nur 1.725 davon wurden erfolgreich finanziert.

Inzwischen gibt es eine Fülle von Funding- und Investingplattformen (hier ein Überblick), auf denen Projekte nach Finanzierung suchen. Für grüne Ideen stehen spezialisierte Plattformen wie Ecocrowd, Bettervest, Econeers und Oneplanetcrowd zur Verfügung. Wer überzeugen will, braucht ein Alleinstellungsmerkmal und eine Vision. Fairmondo überzeugte letztendlich nicht mit einem neuen Produkt, sondern mit ihrem Alternativkonzept zu Amazon.

3. Ansprüche an sich selbst realistisch halten

Besonders Startups im nachhaltigen Bereich stellen oft sehr hohe Ansprüche an sich. Die angebotenen Produkte sollen ökologisch und transparent hergestellt und die Arbeitsbedingungen so fair wie möglich sein. Damit sind natürlich meist höhere Kosten verbunden, die für ein junges Unternehmen zunächst schwer zu schultern sind. Auch Fairmondo hat durch seine Nachhaltigkeits-Mission einen Mehraufwand.

Denn sie verkaufen nicht nur ihre Version einer öko-sozial verträglichen Form von Wirtschaft – sondern leben sie selber vor. Daher beschlossen sie auch, dass der höchste Lohn eines Angestellten nie mehr als das Dreifache vom niedrigsten Gehalt betragen kann. Derzeit bekommt das Vorstandsmitglied Weth wie die meisten Angestellten nur ein sogenanntes „solidarisches Einstiegsgehalt“ von 1.700 Euro brutto bekommt. Qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, kann so schwierig werden.

Zudem erhebt Fairmondo den Anspruch, ein komplett transparentes Unternehmen aufzubauen und alle Zahlen des Unternehmens öffentlich zu machen. Das schuldet das Unternehmen nicht zuletzt den Genossenschaftsmitgliedern. Doch wo die Genossenschaft für nachhaltige Entrepreneure die ideale Unternehmensform scheint, bringt sie auch Schiwerigkeiten mit sich.

4. Entscheidungsprozesse flexibel und effektiv gestalten

Die Entscheidungsfindung in einer Genossenschaft ist mitunter sehr aufwendig. Große Unternehmensentscheidungen, wie die Umbenennung muss die Generalversammlung treffen. Da kann es schwierig werden, eine Mehrheit zu finden und handlungsfähig zu bleiben. Auch das Einbeziehen aller Mitglieder ist bei stetigem Wachstum der Genossenschaft ein Problem. Fairmondo reagierte auf den Organisationsaufwand mit der Einführung von Onlineabstimmungen mit Hilfe der Liquid-Feedback-Plattform Partou. Die Genossenschaftsmitglieder haben Nutzernamen und Zugangsdaten für die Diskussionen und Abstimmungen erhalten, und konnten sich so von zu Hause aus einbringen.

5. Die richtige Nische finden

Der Druck etwas völlig Neues anzubieten, ist bei den meisten Startups da. Fairmondo setzte dabei nicht nur auf gewöhnliche, nachhaltig hergestellte Produkte, sondern auch auf eher Ungewöhnliches wie Pilze von Chidos, Zimmergewächshäuser und die unter Kennern bekannten scharfen Soßen von Mexican Teams.

Um ständig neue Produkte zu finden, besucht das Vertriebsteam von Fairmondo nicht nur viele Messen, sondern ermutigt die Hersteller, ihre Produkte selber auf dem Onlinemarktplatz anzubieten. Dabei verlässt sich das Fairmondo-Team auf verschiedene Siegel, aber auch auf Selbstauskünfte der Hersteller. Schließlich besitzt nicht jedes Produkt, das die Kriterien des fairen Handels erfüllt auch ein Siegel. Halten die Produkte nicht, was sie versprechen, behält sich Fairmondo vor, das Produkt zu entfernen oder gar eine Anzeige wegen Betrugs zu erstatten.

Trotz aller Hindernisse sind die Verlockungen, eine eigene Idee zu verwirklichen, stark. Jährlich wagen in Deutschland etwa 306.000 Unternehmer im Vollerwerb und 562.000 im Nebenerwerb den Schritt in die Selbständigkeit. Wer dann die ersten zwei Jahre übersteht, der hat gute Chancen, sich zu etablieren. Fairmondo, 2012 als Fairnopoly gegründet, ist unter dem neuen Namen seit September 2013 online und damit in der ersten Phase der Bewährungsprobe. Seitdem sind die Umsätze um 30 Prozent und die Neuregistrierungen um 100 Prozent gestiegen.

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Nachhaltigkeitsmagazine: Lesen für eine bessere Welt

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Immer mehr deutschsprachige Magazine verbinden die Diskussion um Nachhaltigkeit mit gesellschaftspolitischen Themen, aber auch praktischen Tipps zu Genuss und Lebensqualität.

So schreibt das Hamburger Wirtschaftsmagazin Enorm zum Beispiel über die ZwischenZeitZentrale, eine Organisation, die leerstehende Gebäude in Bremen einer Zwischennutzung zuführt. Das Trennt-Magazin berichtet über kreative Produkte aus Abfällen und die Zeitschrift Sinn über grüne Architektur, Selbstversorgung und Lebensmittelzusätze.

Doch können sich die neuen Magazine auf dem gebeutelten Markt für Printmedien bewähren und welche von ihnen sind die Interessantesten?

Die Zeiten für neue Magazine sind schwierig. Während 2014 ein Drittel der umsatzstärksten Zeitschriften hinter den Zahlen des Vorjahres zurückblieben, wächst die Anzahl der Magazine und damit die Konkurrenz. 2013 gab es schon 1.542 verschiedene Zeitschriften auf dem deutschen Markt. 1997 waren es noch 500 weniger.

Um bei dieser Flut von Blättern nicht den Überblick zu verlieren, hier eine Übersicht der neuen Generation von Nachhaltigkeitsmagazinen:

Sinn

sinn

Die ersten drei Ausgaben des Sinn-Magazins

Im August 2013 kam das Sinn Magazin, ein Umwelt- und Sozialmagazin, auf den Markt. Dessen Themen reichen von Upcycling und Rezeptideen bis hin zu grüner Architektur. Die Chefredakteurin Marika Muster und ihr Team von Freiberuflern geben seitdem das Blatt vierteljährlich mit einer Ausgabe von immerhin 15.000 Heften heraus. Begonnen haben sie in Norddeutschland, doch inzwischen ist Sinn in ganz Deutschland erhältlich. Noch findet man es selten im Kiosk, doch gibt es auf der Homepage eine Auflistung der Verkaufsstellen und die Möglichkeit das Heft für je sechs Euro zu bestellen.

Enorm

enor

Enorm-Ausgabe zum Thema Lebensmittelverschwendung

Ähnlich zum Sinn Magazin, jedoch weitaus fokussierter auf Wirtschaft, ist Enorm. Seit vier Jahren berichtet die Redaktion über Wirtschaftsmodelle, Unternehmen und Personen, die sich den wachsenden Herausforderungen in Gesellschaft und Umwelt annehmen. Das Magazin ist mit einer Druckauflage von 35.000 Exemplaren vergleichsweise auflagenstark. Wirtschaft und soziale Werte in Einklang zu bringen, ist anscheinend immer mehr Menschen wichtig. Die aktuelle Ausgabe von Enorm porträtiert Nachhaltigkeitsmanager und berichtet unter anderem über Etikettenschwindel in der Palmölproduktion, Crowdinvesting und vegane Boxausrüstung. Enorm wurde 2010 gegründet. Die meisten Bahnhofskiosks führen das Heft, Kostenpunkt 7,50 Euro.

Oya

oya

Das Motto von Oya: Anders denken, anders leben

Wer nicht nur Wirtschaft und Werte, sondern auch Körper und Geist zusammen bringen möchte greift zum Oya Magazin. Auch dieses Blatt widmet sich positiven Geschichten aus der Wirtschaft, jedoch auch der Kunst und klassischen Ökothemen wie ökologischer Landwirtschaft auf Biohöfen. Das Magazin selber wird von einem Gemeinschaftshof in Mecklenburg-Vorpommern aus koordiniert und zusammengestellt. Dort lebt das Team ein Stück weit die propagierte Entschleunigung. Erst im März vergangenen Jahres finanzierte sich das Blatt durch eine Crowdfundingkampagne. Nun erscheint das Heft alle zwei Monate mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Das Oya-Abo kostet 36 Euro, für Geringverdienende nur 26 Euro.

Flow

flow

Die 4. Ausgabe von Flow zum Thema Entschleunigung

Mit einer Druckauflage von 100.000 Stück ist Flow aus dem Verlag Gruner + Jahr das auflagenstärkste Magazin unter den hier vorgestellten Blättern. Seit November 2013 thematisiert das Magazin für alternative Wirtschafts- und Lebenskonzepte Entschleunigung und Lebensqualität. Für Idee und Design wurde Flow bei den begehrten Lead Awards als Newcomer-Magazin des Jahres 2014 ausgezeichnet. Das Abo kostet 41,70 Euro und umfasst sechs Ausgaben.

Slow

Becker Medien

Slow thematisiert die “kleinen” Dinge des Lebens

Im Mai dieses Jahres präsentierte der Emotion-Verlag mit dem Magazin Slow in einer Auflage von 60.000 Stück einen Konkurrenten zum erfolgreichen Flow. Auch dieses Magazin beschäftigt sich mit Lebensqualität, Zeitwohlstand und Entschleunigung. Die gewonnene Zeit soll dem Genuss gewidmet werden. So berichtet Slow zum Beispiel über boomende Kleinstbrauereien, die Craft Beer brauen. Das Heft kostet 6,90 Euro im Einzelhandel und das Abo 23,90 Euro.

 

Utopie

utopie

Die Crowdfundingkampagne ist abgeschlossen, bald kommt es: das Utopie-Magazin

Das Team um Camilla Elle vom Utopie Magazin will den Lesenden nicht nur Utopien zurückgeben, sondern auch Entwicklungen in Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften vielseitig aufbereiten. Die Idee scheint Leser zu locken: Utopie sammelte in einer Crowdfundingkampagne 5000 Euro. Damit sollen die Druckkosten der ersten Ausgabe mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren gedeckt werden. Sie soll parallel zur fünfsprachigen(!) Onlineversion im kommenden Frühjahr erscheinen. Das Magazin kooperiert mit vielen internationalen Autoren und beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Postwachstum.

Transform

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Wollen eigene Wege gehen: Die Macher des Transform Magazins (Transform Magazin, Peter Gericke)

Richard Gasch und Jan Korte bezeichnen sich mit ihrem Transform Magazin eher als „angewandt-visionär“. Sie wollen Themen wie Postwachstum mit einer ordentlichen Prise Humor und Augenzwinkern vorstellen und “Anstöße für den gesellschaftlichen Wandel geben, ohne die Richtung vorzuschreiben”. Inspirieren ließen sich die Berliner von dem Witz des britischen Philosophiemagazins Idler, sowie dem amerikanischen Aktivistenblatt Yes Magazine, mit dem sie kooperieren. Sie wollen gesellschaftspolitische Themen unter einem Blickwinkel der “sanftmütigen Dissidenz” betrachten. Bevor sie ihre Crowdfundingkampagne im Frühjahr starten, wollen sie ihre Erstausgabe von mehr als 100 Seiten als Onlineversion kostenlos anbieten. So können sich die potentiellen Unterstützer zunächst von dem Magazin überzeugen.

Zeo2

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Die aktuelle Ausgabe von Zeo2

Zeo2 ist das politische Umweltmagazin der Taz. Hier geht es in erster Linie um Klima-, Energie- und Verkehrspolitik und die Endlichkeit von Ressourcen. Nachhaltige Lebenstile und Produkte werden zwar auch  thematisiert, doch der Fokus liegt ganz klar auf gesamtgesellschaftlichen Prozessen. Das Heft kostet 5,50 Euro und lässt sich online bestellen. Wie auch Slow und Sinn, erscheint Zeo2 vierteljährlich. Potenzielle Abonnenenten werden mit dem lesenswerten Atlas der Globalisierung der Zeitschrift Le Monde diplomatique gelockt, der dem Abo kostenfrei beiliegt.

Trennt Magazin

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Fast zu schade für die Papiertonne: das Trennt Magazin

Das Trennt Magazin ist überaschend lesenswert. Warum überraschend? Weil das vermutlich die Wenigsten den Herausgebern zugetraut hätten. Das Magazin wird nämlich von Trenntstadt Berlin, einer Initiative der Berliner Stadtreinigung (BSR), ALBA, Berlin Recycling und der Stiftung Naturschutz Berlin herausgegeben. Die Stiftung und die Müllverwerter wollen das Trennen von Abfall zum Trend machen und geben dazu das Magazin heraus. Das Heft kann kostenfrei auf ihrer Homepage bestellt werden.

 

Unser Fazit nach der Lektüre: Der an Nachhaltigkeit interessierte Leser hat die Qual der Wahl, aber auch eine ziemlich gute Auswahl!

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Hätten Sie es gewusst? Diese Produkte können Reste von Tier enthalten

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Tierbestandteile im Saft, Farbstoffen oder sogar im Computer-Bildschirm? Die Frage treibt immer mehr Menschen um – und sie ist nicht so absurd, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag.

Denn die Frage, in welchen Produkten tierische Bestandteile stecken, ist vor allem für jene rund sieben Millionen Menschen in Deutschland wichtig, die sich vegetarisch ernähren, also nicht wollen, dass für ihr Essen Tiere sterben. Das gilt natürlich noch mehr für Veganer. Sie wollen auf alle Tierprodukte verzichten – nicht nur im Essen, sondern auch im Alltag. Fast eine Million Menschen in Deutschland leben laut Schätzungen vegan.

Konsequente Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, Käse und Milch, sondern auch auf Lederschuhe und Honig, eben alle tierischen Produkte. Doch um etwas meiden zu können, muss man es zunächst erkennen können. Und hier beginnt das Problem: Tierbestandteile in Produkten werden oft schlecht oder gar nicht gekennzeichnet.

Hier sind zehn (überraschende) Beispiele:

1.  Gelatine in Wein und Saft

Naturtrüber Apfelsaft mag sich vielleicht noch ganz gut verkaufen, doch von trübem Weißwein würden vermutlich die meisten die Finger lassen. Viele Saft- und Weinhersteller nutzen daher Gelatine zur Klärung ihres Getränks.

Gelatine wiederum wird aus Schweineschwarten, Knochen und Haut hergestellt. Gekennzeichnet werden muss das nicht, da die Gelatine keine Zutat im eigentlichen Sinne, sondern ein “Verarbeitungshilfsstoff” ist. Wer Gelatine-frei hergestellte Säfte trinken will, kann zu den trüben Säften greifen oder gezielt nach Biosäften Ausschau halten. Deren Hersteller verwenden in der Regel keine Gelatine zur Klärung.

Bei Weißwein wird es schon schwieriger. Das Siegel “Vegan-Blume“, das vegane Lebensmittel auszeichnet, weist auf den Verzicht von Gelatine hin.

2. Tierfette für Haushaltsputzmittel

Tenside sind in den meisten Waschmitteln, Weichspülern und Reinigungsmitteln als waschaktive Substanzen, also Schmutzlöser enthalten. Auch sie können tierischen Ursprungs sein, etwa wenn sie aus tierischen Fetten gewonnen werden. Ebenfalls können Tenside in Kosmetikartikeln stecken. Wie auch bei Produkten, in denen Gelatine enthalten sein kann, hilft die “Vegan-Blume” dem Konsumenten weiter.

3. Tierprodukte in Joghurt und Chips

Viele rote Joghurts, die Beeren auf dem Etikett zeigen, sind eigentlich mit Rote-Bete-Saft gefärbt. Manches Färbemittel enthält auch “echtes Karmin”, das sich hinter der Kennzeichung E120 versteckt. E120 wird aus getrockneten weiblichen Schildläusen gewonnen und ist für eine ganze Reihe von Lebensmitteln zugelassen. Zerriebene Laus gibt es zum Beispiel in Süßwaren, Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen und Wurst aber auch in verschiedenen Getränken.

Auch Kartoffelchips können laut dem Verbraucherschutz-Verein Foodwatch tierische Bestandteile enthalten. Die tierischen Aromen stammen dann vom Wild, Fisch, Geflügel, Rind, Schwein oder Lab, dem Kälbermagen. Manche Tierbestandteile kommen dabei als sogenannte technische Hilfsstoffe zum Tragen und müssen als solche nicht gekennzeichnet werden.

Laut Foodwatch gibt es auch Tomatencremesuppen, die zum Beispiel Speck enthalten können, den man bei der Tomatensuppe nicht automatisch vermuten würde. Auch hier hilft nur der Blick in das Kleingedruckte oder die Suche nach der “Vegan-Blume”.

4. Schweineborsten und Federn in Backwaren

In vielen Bäckereien wird die Aminosäure L-Cystein verwendet, um das Mehl leichter knetbar zu machen. Gewonnen wird es zum Beispiel aus Schweineborsten oder Federn. Brezeln und Croissants werden zusätzlich oftmals mit Schweineschmalz hergestellt.

Wer beim Sonntagsfrühstück weder Schmalz noch Borsten vom Schwein in den Backwaren haben möchte, sollte also genau nachfragen.

5. Gelatine in Fruchtgummis und sogar Fotopapier

Nicht nur zum Klären von Wein und Säften, sondern auch bei der Produktion von Fruchtgummis (zum Beispiel Haribo-Gummibären) wird Gelatine verwendet. Während manche Hersteller noch Studien erwähnen, die nachweisen sollen, dass Gelatine Gelenkverschleiß vorbeugen kann und die Haut und das Bindegewebe stärkt, setzen andere schon längst auf Gelatine-freie Produkte. So gibt es auch Gummibären schon lange auch ohne Gelatine.

Gelatine steckt aber nicht nur in Lebensmitteln. Bei der analogen Fotografie wurde sie als farbtragende Schicht auf Negativen und Fotopapieren benutzt. Manche Fotopapiere können auch heute noch Gelatine enthalten. Zur Klärung hilft nur die Anfrage an den Hersteller.

6. Knochenmehl in der Zahnpasta

Bereits in der Antike putzten die Griechen und Römer unter anderem mit Knochenmehl als Schleifsubstanz ihre Zähne. Laut der Tierschutzorganisation Peta ist Knochenmehl neben tierischem Glycerin, Bienenpollen und -wachs  immer noch Bestandteil von Zahnpasta.

7. Schildläuse im Kaugummi

Früher wurde aus den Ausscheidungen der Schildlaus vor allem Harz für die Schallplattenherstellung produziert. Heute wird diese – Schellack genannte – Substanz für die Herstellung von Farben, Lacken und Polituren benutzt. Überraschend ist, dass dieser Lack sogar Bestandteil der Tinte für Tattoos sein kann. Doch auch als Klebemittel dient die Substanz und wird deshalb auch in der  Zigarettenproduktion verwendet. Sogar bei der Produktion von Kaumasse für Kaugummis ist teilweise Schellack mit von der Partie.

8. Cholesterin im LCD-Bildschirm

Das ist vielleicht die größte Überraschung: auch in unseren hochtechnischen Geräten, wie LCD-Bildschirmen, wird tierisches Cholesterin verwendet. Cholesterin ist ein Steroid, das Bestandteil der Membranen vieler Tierzellen ist. Dieses Cholesterin verwenden Unternehmen in Form von flüssigen Kristallen für Farbthermometer (Farbindikatoren) und LCD-Displays. Gut möglich also, dass in ihrem Fernseher, Computer, Handy oder der Digitalkamera Cholesterin steckt.

9. Tierfette in Kosmetika

Zwar sind Tierversuche für Kosmetik in der EU inzwischen verboten, doch gibt es noch einige Schlupflöcher, um manche Inhaltsstoffe weiterhin an Tieren zu testen. Schließlich sind nicht alle Inhaltsstoffe ausschließlich für die Kosmetikindustrie interessant.

Manche Zusätze stammen auch selber vom Tier. So werden zum Beispiel in tierischen Fetten, Ölen, Nervengeweben, Eigelb und Blut vorkommende Naturstoffe als Emulgatoren oder Stabilisatoren in Shampoos, Cremes und anderen Kosmetikartikeln verwendet.

Auch hier sollten vegan lebende Menschen auf die “Vegan-Blume” achten oder auf Naturkosmetikhersteller zurückgreifen. Außerdem lassen sich Listen von tierversuchsfreier Kosmetik im Internet finden.

10. Tiermehl in Dünger

Tiermehl ist ein heikler Stoff. In der EU wurde wegen der BSE-Seuche von 1996 an das Verfüttern von Tiermehl immer stärker eingeschränkt und schließlich ganz verboten. Doch inzwischen gibt es neue Verwendungen. Zum Beispiel als Dünger. Über dessen Verwendung klären die Landesministerien auf.

Sicher: Für alle Nicht-Veganer ist es unproblematisch, wenn tierische Nebenprodukte zum Einsatz kommen. Wenn schon Tiere geschlachtet werden, sollten sie möglichst vollständig genutzt werden und nicht zu Teilen im Abfall landen.

Aber Transparenz sollte ebenfalls gegeben sein, damit jeder beim Wocheneinkauf selbst entscheiden kann, was in den Einkaufskorb kommen soll und was nicht.

Grundsätzliche Abhilfe kann dabei nur vom Gesetzgeber kommen. Bisher gibt es nämlich im deutschen Lebensmittelrecht schlichtweg keine verpflichtende Regelung zur Kennzeichnung von Zutaten oder Zusatzstoffen tierischen Ursprungs oder zum Einsatz tierischer Bestandteile in der Produktion.

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Zweirad contra Hügel: Der Fahrradlift aus Norwegen hilft

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Hügelige Städte sind denkbar ungeeignet für Fahrradfahrer. Denn wer kommt schon gern verschwitzt an den Arbeitsplatz oder zu einer Verabredung? Würden die Hügel ihren Charakter als Hindernis verlieren, dann würden auch mehr Menschen mit dem Rad fahren, könnte man meinen.

Genau dieser Ansicht war auch Jarle Wanvik aus der norwegischen Stadt Trondheim. Der Industriedesigner wollte sich nicht von den Trondheimer Hügeln abschrecken lassen und dennoch Fahrrad fahren. Von dem System der Skilifts inspiriert, entwarf er deshalb 1992 einen Fahrradlift.

Just zu der Zeit beschloss die Stadt Trondheim 20 Millionen Norwegische Kronen (heute rund 2,3 Millionen Euro) in den Ausbau von Fahrradwegen zu investieren. Wanvik konnte die Stadt von seiner Entwicklung überzeugen und bereits im November 1992 begann der Bau eines Fahrradlifts an einem der städtischen Hügel. Auf einer Länge von immerhin 125 Metern sollten die Bewohner Trondheims die durchschnittliche Steigung von 18 Prozent mühelos überwinden.

Der Trondheimer-Fahrradlift im Einsatz. (Copyright: )

Der Trondheimer-Fahrradlift im Einsatz. (Copyright: Skirail)

Als der Lift 1993 eröffnet wurden, kamen 2000 Anwohner zur Eröffnungszeremonie und testeten den Lift. Anders als im Winterurlaub sitzt man nicht bequem, sondern stellt seinen Fuß auf eine Fußhalterung, die dann von einem Stahlkabel auf den Hügel gezogen wird. Das sieht durchaus wackelig aus, schließlich befindet sich der Rest des Körpers balancierend auf dem Fahrrad.

Knapp 20 Jahre nach seiner Eröffnung wurde der Lift im Jahr 2013 saniert und sollte danach eigentlich zu einem Exportschlager für hügelige Städte weltweit (z.B. San Francisco) werden. Nachahmer hat das Projekt aber bis heute nicht gefunden. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Mit etwa 1,5 bis 2 Meter pro Sekunde ist der Lift nicht übermäßig schnell. Wanvik und sein Team betonen aber, dass es während der ganzen Betriebszeit seit 1993 und den insgesamt 220.000 Liftfahrten keinen einzigen Unfall gab.

Hat der Fahrradlift eine Zukunft?

Der Lift ist außerdem nicht gerade ein Schnäppchen für eine Kommune. Etwa 2.000 bis 2.300 Euro kostet die Technik pro Meter. Die Installation lohnt sich also nur bei einem sehr stark frequentierten Hügel. Allerdings können beim Lift in Trondheim maximal fünf Menschen gleichzeitig gezogen werden.

Undenkbar war 1992 wohl auch der Siegeszug des E-Bikes. Viele machen sich inzwischen überhaupt keine Gedanken mehr, ob sie jeden Hügel erklimmen können und stellen einfach den Motor an.

All diese Aspekte haben das Kabeltransportunternehmen Poma Group nicht davon abgehalten, vor ein paar Jahren die Lizenz für den Fahrradlift zu kaufen.

Poma Groups französisches Tochterunternehmen Skirail entwickelte Wanviks Fahrradlift seitdem weiter und nennt das Produkt jetzt CycloCable. Eben dieser Fahrradlift der zweiten Generation ersetzt seit 2013 den ursprünglichen Lift in Trondheim. Die Hoffnung von Skirail, den Lift auch in anderen Städten einzusetzen, hat sich bisher aber nicht erfüllt.

Damit bleiben die Norweger Fahrradlift-Pioniere und profitieren indirekt von der kuriosen Idee. Denn der Lift ist heute in erster Linie ein Tourismusmagnet. Vielleicht wird er gerade deshalb künftig auch für andere Städte interessant.

Hier noch ein Video zum Fahrradlift:

Weiterlesen im Beitrag Zweirad contra Hügel: Der Fahrradlift aus Norwegen hilft

Startup Risebox: Jetzt kommt die Stadtfarm für zu Hause

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Startups, die in Städten und auf großen Farmen den Gemüseanbau mit der Fischzucht kombinieren, sind nicht mehr neu. In Berlin zum Beispiel preist das Unternehmen ECF Farmsystems seine “Tomatenfische” an. Auch TopFarmers sind in Berlin unterwegs und kultivieren mit den Fischen zusammen sogar Südfrüchte wie Bananen.

Die Idee bei den Mischfarmen: Das Wasser und die Nährstoffe aus der Fischzucht fließen in die Gemüsebeete. So kommen die Stadtfarmer ohne Dünger aus.

Stadtfarm für die Küche

Nun schickt sich das französische Jungunternehmen Risebox an, dieses Prinzip direkt in die Küchen zu bringen. Am 20. März wollen sie ihre Idee auf der Urban-Gardening-Konferenz „Du Green dans le Gris“ in Paris vorstellen.

Noch stehen die Franzosen Nicolas Nardone und Adrien Thery ganz am Anfang mit ihrer Entwicklung. Sie konzipierten einen Prototypen, der momentan noch in Nardones Wohnzimmer steht. Mittels eines Schlauchsystems leiten die Entwickler das mit Fischausscheidungen angereicherte Wasser zum Tonkugelsubstrat der Pflanzen. Wie Pflanzen in der Anlage wachsen, zeigt dieses Bild von Twitter:

In den Tonkügelchen wandeln Bakterienkulturen das Ammoniak der Ausscheidungen in Nitrit und Nitrat um – düngende Stoffe, die die Pflanzen aufnehmen. Obwohl der Prototyp erst seit Dezember 2014 fertig gestellt ist, konnten die Zimmergärtner bereits Kohl, Erdbeeren und Radieschen anbauen und teilweise ernten.

Dabei sammelten sie Erfahrungen, wie sich die Technik aufeinander abstimmen lässt und bauen nun eine weiterentwickelte Risebox mit verbesserten Steuerelementen, höherer Produktivität und anspruchsvollerem Design. Wie viel eine solche Risebox kosten wird, ist noch nicht sicher.

Jeder sein eigener Gärtner

Die Produktivität hingegen ist immerhin schon abschätzbar. Wenn man von Speisefisch wie Tilapiabarsch und einem 200-Liter-Wassertank ausgeht, ließen sich nach Angaben der Jungunternehmer Fische mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Kilogramm halten. Es dauert allerdings sieben bis acht Monate, um einen Tilapiabarsch auf „Tellergröße“ zu bringen.

Laut ihrer Aussage lassen sich aber immerhin etwa 500 Gramm Fisch im Monat züchten. Das Sonntagsmahl einer Familie wäre somit etwas knapp bemessen. Aber es geht natürlich neben der direkten Versorgung durch Fisch in erster Linie um das Erlebnis, selber Nahrungsmittel anzubauen und als Städter der Nahrungsproduktion näher zu sein.

Die Pflanzenproduktivität soll verglichen mit der Landwirtschaft im Freien sehr viel größer sein. Laut den Entwicklern braucht die Risebox nur eine Stellfläche von einem halben Quadratmeter, entspricht aber einer Gartenanbaufläche von sechs Quadratmetern.

Energieverbrauch entscheidend

Der Vorteil von Aquaponic ist dabei, dass Stadtgärtner unabhängig von Wind, Wetter und Jahreszeiten Gemüse anbauen können. Integrierte LED-Lampen mit einer Zeitschaltuhr kombiniert sorgen unabhängig vom Stellplatz für die Beleuchtung, während Sensoren den Zustand des Wassers kontrollieren.

Es ist demnach kein Problem, in den Urlaub zu fahren, da das Hausaquaponic-System selbsterhaltend konzipiert ist. Auch über das Jahr hinweg, soll die Risebox sehr pflegeleicht sein. Nur einmal im Jahr müsse der Filter gereinigt werden.

Mit dieser Produktivität soll es immerhin möglich sein, bis zu einen Salat pro Tag zu ernten. Natürlich hängt der Ernteerfolg von vielen Parametern ab. Je nachdem, ob der Nutzer Jungpflanzen oder Saatgut pflanzt, wie viele Fische er hält und was für einen Pflanzplan er befolgt, kann mehr oder weniger geerntet werden.

Ob die Miniaquaponicanlage Erfolg haben wird, hängt allerdings nicht zuletzt vom Energieverbrauch ab. Zwar verbrauchen die LED-Lampen vergleichsweise wenig Energie, jedoch ist auch eine Pumpe ständig in Betrieb, um den Wasserkreislauf am Laufen zu halten.

Zudem ist für ein optimales Wachstum vieler Zuchtfische und auch der Ammoniak-abbauenden Bakterien eine Wassertemperatur zwischen 25 und 30 Grad Celsius notwendig. Ob sich eine Risebox also lohnt, ist nicht nur von der Bepflanzung abhängig, sondern auch von der umgebenden Raumtemperatur.

Weiterlesen im Beitrag Startup Risebox: Jetzt kommt die Stadtfarm für zu Hause

Ein Tritt – doppelte Leistung: Pedalsystem “Cyfly” macht Radfahren effektiver

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Sprichwörtlich wäre es unsinnig „das Rad neu zu erfinden“ – aber das Team vom Startup Möve Bikes möchte genau das. Mit seinem Antriebssystem, das bis zu 50 Prozent mehr Drehmoment bietet, will Möve Bikes das Radfahren revolutionieren.

Auf dem Szenetreffen Berlin Bicycle Congress, das kürzlich in Berlin tagte, fanden die jungen Ingenieure damit großen Anklang. Möve Bikes wurde mit dem Antriebssystem “Cyfly” zu „Germanys Next Bike Startup“ gekürt.

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Die drei Firmengründer von Möve Bikes: Marcus Rochlitzer – Entwicklungsleiter, Dominik Burre – Vertriebsleiter, Tobias Spröte – Geschäftsführer (v.l.) (Foto: Möve Bikes)

Cyfly nutzt Muskelkraft effektiver

So funktioniert Cyfly: Bei einem herkömmlichen Fahrrad drückt ein Großteil der Muskelkraft auf das Tretlager und verpufft dort. Gerade mal ein Drittel der Kraft gehe laut Möve Bikes in den Antrieb, wenn man einen Trittkreis von 360 Grad betrachtet.

Laut dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) setzt das Cyfly-System die bisher ungenutzte Kraft mit Hilfe anders angeordneter Zahnräder und einem verlängerten Hebel in zusätzliches Drehmoment um. Das verdopple laut dem Startup die Leistung und mache ihre Tretkurbel zum “effizientesten Antrieb der Welt”.

Das Prinzip erinnert an die Beschleunigung eines Pedelecs, eines Elektorfahrrades mit Pedalantrieb. Allerdings braucht Cyfly weder Akku noch Steckdose. Der Cyfly-Antrieb kann unterschiedlich wirken. Das gewonnene Drehmoment kann je nach Übersetzung für leichteres Treten oder schnelleres Fahren eingesetzt werden.

Cyfly soll 2016 auf den Markt kommen

Technische Details will das Startup noch nicht verraten. Die neue Fahrradmechanik habe allerdings bereits einige Testfahrer begeistert.

Wer jetzt aufgeregt auf dem Stuhl rutschen sollte, muss sich allerdings etwas gedulden. Noch ist das Team dabei, einen Prototypen zu testen.

Auf den Markt dürfte das System im Laufe des Jahres 2016 kommen. Dann könnte das Potenzial enorm sein. Denn Cyfly kann sowohl elektrifizierte und nicht-elektrifizierte Räder flinker machen. In Kombination mit Cyfly dürfte sich die Reichweite von Pedelecs deutlich erhöhen.

Bereits im vergangenen Jahr gewannen Möve Bikes mit ihrem System den KfW-Award “GründerChampions 2014” in Thüringen.

Hier stellt der MDR Cyfly in einer Sendung vor:

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CO2-neutrales Gewächshaus: Hier ist auch im Winter Tomaten-Saison

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Die Krokusse sprießen, es wird wärmer. Der Frühling macht nicht nur gute Laune, er bringt auch neue Obst- und Gemüsesorten aus der Heimat in die Supermarktregale.

Das wird Menschen freuen, die gern regional und saisonal einkaufen. Zwischen November und März ist für solche Konsumenten Sommergemüse, etwa Gurken oder Tomaten, tabu.

Sie begnügen sich mit Kohlsorten, die ihnen der deutsche Winter beschert.

Denn Sommergemüse muss über weite Strecken transportiert werden, damit es auch im Winter in deutschen Supermarktregalen liegt. Mit Schiffen, Lastwagen oder sogar dem Flugzeug. Das verursacht erhebliche Mengen an CO2-Emissionen.

In Kirchweidach haben Tomaten immer Saison

Das gilt leider auch für Obst, das zwar aus regionaler Produktion kommt, aber zur falschen Jahreszeit konsumiert wird. Ein prominentes Beispiel ist der heimische Apfel, der im Oktober geerntet wurde und im April im Obstregal liegt. Er muss monatelang gelagert und gekühlt werden, was kräftig an der Ökobilanz rüttelt.

Wem das Klima am Herzen liegt, sollte daher darauf achten, überwiegend saisonal einzukaufen. Es gibt allerdings Ausnahmen wie im oberbayrischen Kirchweidach.

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Geothermie beheizt die Gewächshausanlage in Kirchweidach (Bild: gemuesebau-steiner.de)

Dort haben Tomaten und Paprika das ganze Jahr über Saison.

Denn der Ort liegt an einer geothermischen Quelle, mit einer Wassertemperatur von 120 Grad Celsius.

Josef Steiner nutzt Geothermie (Erdwärme), um seine Gewächshaus-Anlage mit einer Fläche von 12 Hektar fast kostenlos und zugleich CO2-neutral zu beheizen.

Tomatenernte im Frühling

Es ist paradox: Gerade erst ist der Schnee geschmolzen und schon beginnen der Gemüsebauer Steiner und sein Team mit der Ernte.

Fünf Millionen Kilogramm Tomaten wollen sie in diesem Jahr ernten, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet. Damit versorgt Steiner natürlich nicht nur den Ort sondern große Supermarktketten wir Rewe.

Das vermutlich größte deutsche Geothermie-Gewächshausprojekt profitiert davon, dass es die Restwärme aus dem Nahwärmenetz der Gemeinde nutzen kann. Daneben setzt Josef Steiner aber auch auf Photovoltaik, die Fernwärme einer Biogasanlage und Regenwasser.

Autarker Wasserkreislauf und
krabbelnde Schädlingsvernichter

Das mit der Dachfläche aufgefangene Regenwasser reicht in etwa aus, um sein Gemüse zu bewässern. Restwasser kommt zurück in den Bewässerungskreislauf. Statt auf Chemie baut das Gewächshauspersonal auf Nützlinge wie Milben. Sie bekämpfen Schädlinge.

Damit werden die Hummeln nicht beeinträchtigen, die die Bauern für die Bestäubung des Gemüses gezielt einsetzen.

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Die Energie-Versorgung des Gewächshauses. (Foto: gemuesebau-steiner.de)

Gigantisches Geothermie-Gewächshaus in Holland

Gewächshäuser ganz anderer Dimensionen finden sich im Nachbarland. In Holland baut die niederländische Firma Wijnen Square Crops auf einer Gewächshausfläche von 32 Hektar Paprika an – auch hier mit Hilfe eines geothermisches Heizwerks.

Von solchen Maßstäben können deutsche Betriebe nur träumen. Allerdings gebe es großen Bedarf an kosteneffizienten Gewächshäusern, sagt Gabriele Harring vom Bundesverband Zierpflanzen dem Portal Bi-Medien. Auch Geothermie spiele dabei eine Rolle.

Die Energieversorger von EnBW erproben auf einem Demeterhof bei Lörrach ein energieautarkes Gewächshaus. Wissenschaftler nutzen Erdwärmesonden, einen unterirdischen Wärmespeicher und spezielle Kunststofflinsen auf dem Dach, die Wasser mit Sonnenstrahlen erhitzen.

Daneben gibt es weitere Möglichkeiten, Gemüse umweltschonend anzubauen.

In Lutherstadt Wittenberg nutzt die Wittenberg Gemüse GmbH die Abwärme eines Stickstoffwerkes für ihre Gewächshäuser.

Eine andere Idee wird am Bodensee getestet. Dort entsteht auf einer Fläche von knapp 6000 Quadratmetern derzeit die deutschlandweit erste Agrophotovoltaikanlage (APV). Sie kombiniert Solarkraft und Landwirtschaft, um den Flächenverbrauch zu reduzieren (wir berichteten).

Zurück in Oberbayern: Dort betätigt sich der Gemüsebauer Josef Steiner inzwischen auch als Gästeführer. Er leitet scharenweise staunenden Besucher durch sein Gewächshaus, in dem Tomaten immer Saison haben.

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EcoBox: Nachrüstkit hilft alten Autos beim Spritsparen

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Bei vielen neuen Autos gehören Anzeigen, die den Treibstoffverbrauch in Echtzeit mitteilen, zum Standard. Autofahrer von älteren Modellen blieben hingegen bisher nur Faustregeln wie “nicht zu spät hochschalten”, um den Spritverbrauch zu senken und weniger CO2 zu produzieren.

Wer in Echtzeit sehen will, ob die eigene Fahrweise gerade unnötig viel Sprit verbraucht, kann sich die EcoBox des niederländischen Unternehmens Greenstar Statistics einbauen lassen.

Nach 25.000 Kilometern lohnt es sich

Die Box misst mittels verschiedener Sensoren fortlaufend den Verbrauch und den CO2-Ausstoß. Der Fahrer bekommt dabei direkt Hinweise angezeigt, wenn er beispielsweise zu schnell beschleunigt und ruckartig abbremst. Das System liefert also auf das Fahrverhalten individuell zugeschnittene Hinweise für sanfteres Fahren und kann so auch Reparaturen vermeiden.

Ist die EcoBox mit dem im Auto enthaltenen Computer verbunden, können auch Daten über die Nutzung der einzelnen Gänge und der Kilometerstand gesammelt und zentral ausgewertet werden. Anwendbar ist die Box laut Hersteller für alle Autotypen ab dem Baujahr 1996.

Laut der Plattform GreenEcoNet soll sich die EcoBox bei einer jährlichen Strecke von mehr als 25.000 Kilometern lohnen. Die Anschaffungskosten von 150 Euro und eine monatliche Leasingrate von 17,50 Euro sind dann wieder eingespielt.

Das Unternehmen verspricht eine Reduktion des Spritverbrauchs und damit von CO2-Emissionen zwischen fünf und zwanzig Prozent. Das Amsterdamer Logistikunternehmen Alert Logistiek konnte mit der EcoBox immerhin acht Prozent Sprit und damit pro Jahr und Auto 1000 Euro sparen.  Auch ein Taxiunternehmen hat die Box erfolgreich getestet.

Ob jedoch jeder Mitarbeiter von Taxi- oder Logistikunternehmen glücklich sein wird, dass seine Daten zum Fahrverhalten gesammelt und ausgewertet werden, sei dahin gestellt.

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Öko-Verpackung: Dänen entwickeln Bierflasche aus Altpapier

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Wer bei Sonnenschein Ausflüge in die Natur macht und Bier mitnehmen möchte, steht vor einem Problem: Zwar sind gläserne Pfandflaschen recht ökologisch, aber auch schwer. Aluminiumdosen hingegen werden unter sehr hohem Energieverbrauch hergestellt und Plastikflaschen sind bei vielen Biertrinkern verpönt.

Nun könnte es dafür eine überraschende Lösung aus Dänemark geben. Dort entwickelt ein großer dänischer Brauereikonzern mit Dänemarks Technischer Hochschule die „Green Fiber Bottle“ – eine Flasche aus recyceltem Zeitungspapier.

Ausführende Firma ist der dänische Verpackungsmaterialhersteller Ecoxpac. Der Projektfonds umfasst immerhin zehn Millionen Dänische Kronen (ca. 1,3 Millionen Euro), die zu 60 Prozent vom Business Innovation Fund Denmark aufgebracht werden.

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So könnte die Flasche aussehen (Copyright: ecoxpac.dk).

Die Idee ist, das Altpapier zu zerkleinern und zu Pappmaché zu verarbeiten. Die Flaschenproduzenten wollen die Masse dann in Flaschenformen gießen und trocknen. Einige Hindernisse konnten sie dabei bereits überwinden: Schließlich müssen die Bierflaschen nicht nur stoßunempfindlich und stapelbar sein, sondern auch Druck aushalten, wenn die Flaschen geschüttelt werden. Außerdem muss das Material lebensmittelecht und geschmacksneutral sein.

Ob es bald zur Massenproduktion kommt, ist dennoch fraglich, da die Produktion bisher einen Haken hat: Sie ist zeitaufwendig. Gerade der Trocknungsprozess dauert zu lange, um effektiv Flaschen zu produzieren. An einem zeitsparenden Produktionsprozess arbeiten die Entwickler derzeit.

Um eine gute Ökobilanz der Pappflaschen zu garantieren, setzen die Entwickler außerdem auf eine verbesserte, patentierte Pappmaché-Herstellung, die im Vergleich zur konventionellen Herstellungsweise bis zu 80 Prozent Energie einspart.

Doch nicht nur die Herstellung, sondern auch die Entsorgung soll besonders ökologisch sein. Ausgetrunken können die leeren Flaschen in den Altpapiercontainer geworfen werden, oder sogar auf den Kompost – da die Flaschen biologisch abbaubar sein sollen.

Haben die Entwickler Erfolg, könnten wir also bald aus Pappmaché-Packungen Bier trinken. Das wirkt erst einmal gewöhnungsbedürftig, allerdings dachten das vielleicht auch unsere Großeltern bei der Ankündigung, Saft in Pappverpackungen abzufüllen.

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Fairphone: Die zweite Generation des sozialen Smartphones kommt

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Das Fairphone sorgt seit Jahren für Schlagzeilen: Aus einer Kampagne entstanden, die auf zahlreiche soziale und ökologische Probleme bei der Smartphoneproduktion aufmerksam machen wollte, entstand ein Unternehmen, das nun selbst auf dem Markt mitmischt.

Bei den Verkaufszahlen kann das Handy nicht ansatzweise mit Samsung und Apple mithalten – beim Bekanntheitsgrad sind die Niederländer mittlerweile näher dran. Die erste Handy-Version mit zwei garantiert konfliktfreien Mineralien wurde 60.000 Mal verkauft.

Nun kommt die zweite Version. Nachschub für Kaufinteressenten oder sinnvolle Weiterentwicklung? Ersteres auf jeden Fall, seit Februar haben sich bereits 47.000 Interessenten auf der Bestellliste eingetragen. Fairphone wurde kürzlich als das am schnellsten wachsenden Techstartup in Europa ausgezeichnet – und ist einer der Gewinner des GreenTec Awards.

Ob das Gerät, das im September ausgeliefert wird, auch eine Weiterentwicklung ist, haben wir Daria Koreniushkina vom Hersteller Fairphone B.V. gefragt.

WiWo Green: Was ist der Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Fairphone?

Daria Koreniushkina: Mit dem neuen Fairphone gehen wir den nächsten Schritt in Richtung fairer Elektronik. Dabei verändern wir das, was wir beeinflussen können: den Abbau der Rohstoffe, das Design, die Produktion und den Lebenszyklus. Beim ersten Fairphone haben wir uns auf mehr die Rohstoffgewinnung konzentriert, während wir ein bereits vorhandenes, lizenziertes Design nutzten. Dieses hat uns ziemlich eingeschränkt, weil wir so unsere Lieferkette nicht komplett frei auswählen konnten. Mit dem neuen Fairphone designen wir nun unser Smartphone selbst. So können wir nun selbst entscheiden, was in das Fairphone eingebaut wird. Damit haben wir nun noch mehr Einfluss auf die Auswahl der Rohstoffe und Produktionsbedingungen.

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In North Kivu (Demokratische Republik Kongo) gesammeltes Tantalum. (Quelle: Fairphone)

Besonders langlebig sollte der Vorgänger auch schon sein. Warum nun die neue Version?

Nun, schließlich hat nicht jeder Interessent ein Fairphone bekommen. Mit unserem neuen Design wollen wir das Smartphone noch langlebiger und leichter zu reparieren machen. Dafür stellen wir sicher, dass das Handy leichter zu öffnen und zu reparieren ist. Sollte etwas kaputt gehen, können unsere Kunden, wie auch beim ersten Fairphone, über unsere Homepage Ersatzteile beziehen und diese mit Hilfe von kostenlosen Onlinetutorials einbauen.

Ideen, die in der ersten Version nicht umgesetzt waren?

Das Feedback der Fairphonenutzer hat uns weitergeholfen: Wir haben uns die verschiedenen Gründe angeschaut, welche die Lebensspanne verkürzen könnten. Und was die Software angeht, so bedeutet Langlebigkeit das Gewährleisten von ständigen Updates und hoch bleibender Sicherheit. Wir glauben außerdem, dass die Fairphonecommunity auch Zugang zum Quellcode der Software haben sollten um sie selber verbessern zu können.

Das heißt, jetzt kommt die von vielen gewünschte Open-Source-Software zum Zug?

Das nächste Fairphone wird mit der neuesten Androidversion ausgestattet sein. Wie auch bei dem ersten Fairphone wird es die Möglichkeit geben andere App-Stores als die Google-Playstore zu verwenden. Des Weiteren erwägen wir bald, Open-Source-Softwareproduzenten wie Ubuntu or Jolla’s Sailfish als Betriebssystem anzubieten.

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Das begehrte Mineral Wolfram. (Fairphone)

Konnte denn der Anteil von konfliktfrei bezogenen Rohstoffen gesteigert werden?

Es gibt 4 Mineralien die generell als Konfliktmineralien bezeichnet werden: Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Wir haben im ersten Fairphone konfliktfreies Zinn und Tantal aus dem Kongo genutzt. Jetzt haben wir Untersuchungen angestellt, wie wir die anderen seltenen Erden aus konfliktfreien Minen oder Fair-Trade-Mienen beziehen können, und die Rohstoffe durch die Lieferkette verfolgen können. Doch wir stoßen bei Gold und Wolfram immer wieder auf Herausforderungen.

Herausforderungen?

Es gibt an den meisten Orten schlichtweg nicht die Infrastruktur um eine geschlossene Lieferkette zu ermöglichen. Der Abbau der Mineralien findet oft im informellen Sektor statt. Die Probleme unserer bisherigen Suche und Versuche schildern wir aber offen auf unserer Homepage.

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Zuletzt aktualisiert am 07.06.2015

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Bio-Gold: Das beliebteste Metall der Welt muss endlich fair werden

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Wer sich das das Ja-Wort gibt und auf goldene Eheringe setzt, der denkt vermutlich an alles – nur nicht an die über 20 Tonnen Giftmüll, die ein Ehering verursacht.

Die ökologischen und sozialen Folgen des Goldabbaus sind enorm. Gold wird nicht nur Schmuck, es ist auch ein Anlageprodukt, für Staaten und Privatpersonen gleichermaßen. Und ein Rohstoff für die Feinelektronik: Das Edelmetall ist in all unseren Smartphones und Laptops enthalten. Glaubt man Analysten, dann dürfte der Bedarf deutlich steigen. Umso schlechter für die Umwelt.

Denn der Abbau des begehrten Edelminerals ist alles andere als umweltverträglich. Besonders der oberirdische Abbau, bei dem das Gold mittels Quecksilber und Natriumcyanid „ausgewaschen“ wird, ist problematisch. Beide Stoffe schädigen unter anderem das Nervensystem und die Nieren der Goldarbeiter.

Gift gerät ins Grundwasser

Da die Giftstoffe teilweise in großen Becken unter freiem Himmel angewendet werden, um das begehrte Edelmetall zu lösen und zu binden, gelangen die Gifte in großer Menge in das Grundwasser. Einmal in der Natur, sammeln sich die Gifte auch in der Nahrungskette an.

Gold kann glücklich machen: Hier ein Arbeiter in einer Goldmine in Tansania. (Foto: John Louis / flickr / CC BY 2.0)

Ein Arbeiter in einer Goldmine in Tansania. (Foto: John Louis / flickr / CC BY 2.0)

Giftig ist jedoch nicht nur das Natriumcyanid selber, sondern auch die immense Menge von damit behandeltem Material. Etwa Schlamm, mit darin enthaltenen Schwermetallen, Schwefelsäure und Cyanid, die oft in das Grundwasser gelangen.

Sogar in Minen, die die alten Römer im heutigen Frankreich betrieben haben, lassen sich heute noch chemische Abbauprodukte messen. Manche Minenbetreiber machen es sich noch leichter – und verklappen das giftige Bergbaumaterial einfach in das Meer.

Vertreibung und Konfliktfinanzierung

Doch nicht nur die Folgen für die Umwelt, sondern auch die sozialen Folgen des Goldabbaus sind verheerend. Besonders wenn Minen im Globalen Süden, den sogenannten Entwicklungsländern, eröffnen, werden Bewohner von ihrem Land vertrieben. Teilweise sind von der Landvertreibung auch Ureinwohner betroffen, die dadurch für sie heiliges Land verlieren. Im schlimmsten Fall geraden die Vertriebenen dann noch in einen Krieg, der mit dem Gold finanziert wird – sogenannte Konfliktmineralien sind ein großes Problem.

So wird Gold immer knapper, denn die Ausschöpfung der Minen erlebte vielen Einschätzungen nach zuletzt ihren Zenit. Um weitere Vorkommen abzubauen, werden in Ländern Goldminen errichtet, die bisher von keinem Interesse waren. In Europa ist Griechenland ein solches Beispiel. Dort will das Unternehmen Hellas Gold, welches zu 95 Prozent dem kanadischen Konzern Eldorado Gold gehört,  die auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki entdeckten Goldvorkommen abbauen.

Die Gelegenheit scheint günstig, in dem krisengeschüttelten Land erhoffen sich viele Griechen durch die Mine neue Jobs. Doch es gibt auch massiven Protest. In der bergigen Region bei Thessaloniki soll das Gold schließlich ebenfalls mittels Cyanid  gewonnen werden, weshalb viele Anwohner verseuchtes Grundwasser befürchten.

Die Alternativen: Bio, Fair Trade und Recycling

Wer an historische Bilder vom nordamerikanischen Goldrausch denkt, hat vielleicht hölzerne Waschschüsseln vor dem inneren Auge. Auch heute noch wird das Wasch- oder Nuggetgold auf diese Art und Weise mithilfe der Schwerkraft gewonnen – und das überraschend lokal!

Die Holcim Kies und Beton GmbH in Süddeutschland fördert in ihrem Kieswerk in Rheinzabern ganz ohne Chemikalien Gold als Nebenprodukt. Der Bergbau-Professor Hermann Wotruba von der Technischen Universität Aachen bescheinigt dem Unternehmen  die umweltfreundliche Herstellung des „Biogoldes“. Auch wird es industriell zunehmend interessant, Gold aus Altgeräten zu recyceln. Elektroschrott wird so zu einer Ressource.

Während recyceltes Gold relativ leicht zu finden ist, wird es bei Fairtradegold schon schwieriger. 2011 wurde weltweit das erste Siegel für Gold und Silber nach Standards von “Fairtrade International” in Großbritannien eingeführt. Seitdem bemüht sich Fairtrade e.V., das Siegel auch in Deutschland einzuführen.

Wer sichergehen will, dass sein Goldschmuck aus Minen stammt, die nach ökologischen und sozialen Standards betrieben werden, kann zum Beispiel auf das Hamburger Schmuckatelier Jan Spille zurückgreifen. Dieses lässt sich von dem kolumbianischen Bergbauunternehmen Oro Verde und dem argentinischen Unternehmen Ecoandina direkt beliefern und kann so die Herkunft des Goldes garantieren. Wer dort für seine Hochzeit Ringe kaufen möchte, muss mit einem Aufpreis von etwa 15 Prozent rechnen.

Gold aus dem Meer

Doch vielleicht sorgt der Goldhunger noch für weitere Überraschungen abseits der herkömmlichen Minen. Immer mehr Goldsucher schauen auf das Meer, denn es umfasst die größten Goldreserven der Erde. Das Metall ist darin in geringen Konzentrationen als Chloridkomplex gelöst. Dessen gigantisches Volumen im Kubikkilometermaßstab übertrifft das bisher bergmännisch geförderte Gold deutlich.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg versuchte Fritz Haber Gold aus dem Meereswasser zu gewinnen um die deutschen Reparationszahlungen zu bedienen, scheiterte aber an den geringen Konzentrationen. Später versuchte es Ernst Bayer mit einer weiterentwickelten Methode der Anreicherung, doch auch diese Methode lohnte sich wirtschaftlich nicht.

Wie auch immer unser Goldbedarf zukünftig gedeckt wird – Verbraucher achten zunehmend auf soziale und ökologische Folgen. Der Markt für recyceltes, biologisch gewonnenes oder fair gehandeltes Gold wird in den kommenden Jahren wachsen.

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